„Warum ich Nazi wurde“ – Biogramme früher Nationalsozialisten



Herausgeber:
Wieland Giebel
ISBN: 978-3-95723-129-1
Verfügbarkeit: erscheint Anfang September 2018
Umfang: 928 Seiten, 17 x 24 cm, Hardcover
Preis: 49,95€

Verfügbar ab September 2018.
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In diesem Buch geht es um die große Menge kleiner Nazis. Die Sammlung von Berichten des amerikanischen Professors polnischer Abstammung, Theodore Fred Abel, ist einmalig, sie ist die wertvollste Primärquelle zur Frage, warum Menschen zu Nazis wurden, was zu ihrer Radikalisierung beitrug. Von den im Sommer 1934 geschriebenen ursprünglich 683 Berichten sind 581 erhalten. Es gibt keine vergleichbaren Quellen, die auch nur annähernd an die Fülle des Materials von 3.700 Seiten, den Reichtum an Details, die Freimütigkeit der Darstellung und die Intensität der Lebensbeschreibungen heran kommt. In diesen unmittelbaren Schilderungen findet sich ungefiltertes Gedankengut, nicht durch Scham späterer Erkenntnisse getrübt, durch Holocaust, Krieg und Untergang. Abel wollte wissen, wer diese Menschen sind, wie die Hitler-Bewegung in ihr Bewusstsein trat. Diese Biogramme beantworten erstmals in die Tiefe gehend Beweggründe und Haltung der Nazis.

Diese wichtigsten Quellen über die Faszination der Hitler-Bewegung sind 1938 in den USA in Auszügen erschienen, aber bis heute nicht in Deutschland. Theodore Abel (1896 – 1988) schrieb 1934 in Abstimmung mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels ein Preisausschreiben aus, bei dem es 18 Preise zwischen 125 und 10 Reichsmark zu gewinnen gab. „Der Zweck des Wettbewerbs ist die Sammlung von Material über die Geschichte des Nationalsozialismus, sodass das amerikanische Publikum sich aus realen, persönlichen Geschichten darüber informieren kann.“ Familiäre Herkunft und der Bildungsweg sollen ebenso geschildert werden wie der Weg zum Nationalsozialismus. Es komme nicht auf literarische Qualität an, aber es gibt einen klaren Ausschlussgrund: wer lügt, der fliegt. Die Berichte müssen ehrlich und vertrauenswürdig sein. –

Das Buch „Warum ich Nazi wurde“ versammelt eine alle Bevölkerungsschichten umfassende Auswahl der aussagekräftigsten Berichte, es analysiert das Weltbild der „Alten Kämpfer“, bestehend aus einem Konglomerat aus Engstirnigkeit, Minderwertigkeitsgefühlen, Über­legenheitsdünkel, Rassismus, Gewalt und „paranoidem Judenkoller“. Die extreme Gewalt der Nazis schüchterte die Menschen ein. Wiederkehrende Motive der Biogramme sind angeschlagener Natio­nal­stolz; die Angst vor sozialem Abstieg; Hass auf Kommunisten. Dagegen steht der Glaube an die Volksgemeinschaft und die Hoffnung auf den Führer, den Erlöser.  Diese einzigartige Sammlung von unschätzbarem Erkenntniswert ist Grundlage der Dokumenta­tion „Hitler – wie konnte es geschehen“ im Berlin Story Bunker.

Das steht im Buch. 20 von 650 Seiten Biogramme

Wie ich zu Abel kam (Auszug)

Das Preisausschreiben

Abels einzigartige Leistung (Auszug)

Die akademischen Stinkstiefel (Auszug)

Kernsätze aus den Biogrammen (Auszug)

1939 weitere 750 Biogramme – Heil Hitler, Knoche

Inhaltsverzeichnis

Biogramm Hermann Jung, Truppführer, Kaiserslautern. Soldat der Bewegung, später Motorsturm. 1 Seite

Biogramm Johann Köhler, handschriftlich: „Ein Arbeitskollege: wenn ich noch einen Ton von mir gebe, zerschlägt er mir mein Nazi-Maul.“ 1 Seite

Biogramm Karl Zacher, Berlin. 1930 bei einer NSDAP Versammlung, las 1931 „Mein Kampf“, „und stellte mich der Partei sofort restlos zur Verfügung.“ 5 Seiten

Biogramm Robert Wuttur, tritt der NSDAP 1928 bei, gründet im Auftrag von Goebbels als Reichsbahnbetriebsassistent die erste NSDAP-Betriebsgruppe am Anhalter Bahnhof. 2 Seiten

Biogramm Erna Stoyke, Marienburg, Ostpreußen: „Und wenn dann am Weihnachtsabend unserer Partei alle zusammen waren, kam mir oft die bange Frage: Werde ich es auch erleben, den Sieg, den großen Sieg?“ 7 Seiten

Biogramm Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe. „Ich wurde im Geiste jener alten Welt erzogen, an einem Hofe, der infolge des großen Reichtums meiner Familie den Ruf hatte, einer der luxuriösesten Höfe Europas zu sein.“ 4 Seiten

 Stimmen zur Sammlung Abel

„Dieser Schatz ist bis heute nicht angemessen ausgewertet worden. Die Analyse der 581 erhaltenen Zeugnisse früher Nationalsozialisten verspricht mehr Einsichten als die nächsten fünf oder zehn Hitler-Biografien zusammen.“
Sven Felix Kellerhoff, Historiker, Leitender Redakteur für Zeitgeschichte der WELT

„Die ‚Abel-Papers’ zeigen, wie die Nazi-Anhänger dem Aufstieg Hitlers entgegenfieberten, wie sie zugleich übersteigerten Nationalismus, Judenhass und Gewalt gegen Andersdenkende verklärten.“
Norbert F. Pötzl, Spiegel online

„Drei Jahrzehnte nach Abels Tod 1988 erreicht uns seine Dokumentensammlung aus den dreißiger Jahren wie eine Flaschenpost.“
Christian Staas, ZEIT

„Hitler-Anhänger sahen eine Gelegenheit, die im Ausland verbreiteten Vorurteile gegenüber der NSDAP abzubauen.“
Robert Bongen, Jennifer Lange, NDR PANORAMA

Das Cover des Buchs

Das Biogramm auf dem Cover dieses Buchs (klicken vergrößert) stammt von Hollas Wilke. Oben rechts ist mit Bleistift die Nummer 261 zu sehen, die Ordnungsnummer der Sammlung Abel, #261.

Hollas Wilke stammt aus Kolberg, also Westpommern, heute Polen, und hat den Ersten Weltkrieg als Kind erlebt. Folgenden Text sieht man auf dem Cover nicht: „Auch für uns Kinder brachte die harte Kriegszeit statt der fröhlichen Tage oft sehr ernste. Wir trugen Bucheckern und Laub zur Erhaltung des Viehs zusammen, sowie Nesselstangen, aus deren Fasern die Ersatzstoffe verfertigt wurden. Vier Jahre lang. Und dann – kam das Ende. Sollten wir alles umsonst getan haben? Draußen standen unentwegt die Truppen und warteten auf die Entscheidung, während im Innern eine kleine Parteienclique sich nicht scheute die Revolution zu entfachen, um die Macht im Staate zu erobern. Abgekämpft und müde mussten die tapferen Offiziere und Mannschaften der Front Schmähungen und Beschimpfungen über sich ergehen lassen.“

Wesentliche Faktoren der Nazi-Werdung kommen hier zusammen: Die Leiden des Kriegs, das Unverständnis der Niederlage, die Demütigung der Soldaten, die Revolution. Auf dem Cover wieder zu lesen ist sein Erweckungserlebnis: Er sah Hitler persönlich in München. „In meine Heimat zurückgekehrt, wurde ich ein Apostel des Nationalsozialismus.“

Meine These

Meine These als Ergebnis der Auswertung dieser vielen hundert Bio­gramme ist: Wer Nazi werden wollte, wer sein Heil in dieser Ideologie mit überlegener  Rasse und Untermenschen suchte und auf Hitler als Erlöser setzte, wurde Nazi – und war dafür allein verantwortlich. Es war eine ganz individuelle Entscheidung, Nazi sein zu wollen, die sich auch nicht mit den 79 Kategorien, die Merkl in seiner hervorragenden Analyse anlegte, in Griff bekommen lässt. Sie wollten das so. Die Meisten haben sich intensiv mit anderen politischen Strömungen auseinandergesetzt. Sie schlitterten nicht so in den Nationalsozialismus hinein. Ganz individuell war auch die Verantwortung. Jeder trägt für die wesentlichen Entscheidungen in seinem Leben selbst die Verantwortung, damals und heute. (Seite 27)