Der Lindentunnel

Der Lindentunnel

Das Projekt ist gescheitert.
»Initiator und treibende Kraft der Neunutzung des Lindentunnels als Berlinmuseum ist Wieland Giebel.«
(Foto: Mimey)

Im Lindentunnel soll eine zeitgemäße Ausstellung über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft Berlins entstehen.

Einen Überblick gibt der Artikel von Rainer Stache in der Morgenpost.

Es folgen mehrere Texte zur Planung.

Grafik: Morgenpost


Mitten im historischen Herzen Berlins stand für eine Ausstellung über den Werdegang Berlins der Lindentunnel zur Verfügung, trocken, sauber, gut erhalten und außerordentlich spannend.

Die Nutzungsgenehmigung des Senats lag vor, ein Investor war bereit, zwölf Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Zustimmung dazu gab es von allen Seiten (weil privat finanziert und gut durchdacht). Nur von einer Seite nicht: Senatsbaudirektor Hans Stimman ließ keine Eingänge zum Tunnel zu. Selbst er ging davon aus, daß das Projekt erfolgreich sein würde.

Die Planungs- und Entwicklungskosten in Höhe von rund 200.000 DM sind in den Sand gesetzt.

Dazu Rainer Stache in der Berliner Morgenpost vom 19. Juni 2000:

Geschichtsunterricht – tief unter den »Linden«

Spannendes Projekt für den verwaisten Lindentunnel: Italienisches Unternehmen will Berlinmuseum gestalten – Bauantrag jetzt eingereicht

Unter den Linden kommt einiges in Bewegung. Während dort mit dem Verlegen der Fernwärmeleitungen unverdrossen die Kanzler-U-Bahn-Linie vorbereitet wird, soll nun auch bald in den stillgelegten Straßenbahntunnel unter dem Forum Fridericianum neues Leben einziehen: Der italienische Projektentwickler Mediapolis, der auch die italienische Botschaft in Berlin rekonstruiert, will mit zwölf Millionen Mark dort eine Ausstellung zur Geschichte Berlins einrichten. Initiator und treibende Kraft der Neunutzung des Lindentunnels ist Wieland Giebel. Der Betreiber des gerade umgezogenen Berlin-Buchladens »Berlin Story« (jetzt Unter den Linden 10) sorgte schon mit einigen Berlin-Projekten für Aufsehen; unter anderem bewirkte er die berlinfreundliche Umgestaltung des S-Bahnhofs am Brandenburger Tor. Nun ist er im Besitz der noch vom ehemaligen Bausenator Jürgen Klemann erteilten Option, den gesamten 193 Meter langen Tunnel zu einem Berlinmuseum umzubauen. Noch in diesem Monat wird der Bauantrag eingereicht.

»Die hohe Dichte an Geschichte, wie sie Berlin auszeichnet, kann nirgends so gut reflektiert werden wie hier«, ist sich Giebel sicher. Schließlich kontrastiere das technische Meisterwerk des Tunnels perfekt mit der historischen Bebauung an der Erdoberfläche. Mit einer modernen Ausstellungspräsentation wäre sogar eine dritte Zeitebene präsent.

Darum will sich Matthias Goebel von Mediapolis, einem Unternehmen, das in Italien Projekte im dreistelligen Millionen-Mark-Bereich betreut, kümmern. »Wir stellen uns mit Leinwänden bespannte Wände vor, auf denen moderne Projektionsverfahren die Vergangenheit lebendig werden lassen.« Insgesamt stehen 2000 Quadratmeter nutzbare Fläche zur Verfügung. Allerdings behält sich Giebel hier die künstlerische Oberleitung vor; das letzte Wort ist in der Frage der richtigen Präsentation noch nicht gesprochen.

Dafür ist auch noch Zeit, wenn die Baugenehmigung vorliegt. Schwierigkeiten könnte da nicht nur der mittlerweile erfolgte Wechsel im Amt des Bausenators bringen, sondern auch die Idee, Ein- und Ausgänge mit gläsernen Pyramiden sichtbar zu machen. »Die Pyramiden wären ideale Pendants zur gläsernen Erweiterung des Zeughauses durch den Architekten I.M. Pei«, erläutert Giebel. Assoziationen zur berühmten Louvre-Pyramide drängen sich ganz automatisch auf. Eine der Pyramiden stünde etwas zurückgesetzt neben der Neuen Wache. Eine andere erhöbe sich neben dem Operncafé auf der kleinen Grünfläche, wo einst die Standbilder der preußischen Generäle standen.

Sollte es hier aber Widerstand geben, sind auch zurückhaltendere Varianten denkbar. Am Operncafé könnte beispielsweise der freigelegte Festungsgraben als Zugang genutzt und dabei gleich zum ersten Ausstellungsstück umfunktioniert werden. »Mitgenutzt« werden könne auch die Stasi-Horchposten, die im Tunnel enthalten sind. Weil sich der Tunnel unterirdisch teilt und der zweite Strang zu Bebelplatz führt, könnte ein dritter Eingang direkt in die dort geplante Tiefgarage führen.

Giebel will den Eintrittspreis bei fünf Mark deckeln. Der auf der alten Tunnelrampe geschaffene Platz des 18. März soll gleich in einem Arbeitsgang mit der Humboldt-Universität und dem Gorki-Theater mit einem Café belebt werden.Dazu Rainer Stache in der Berliner Morgenpost vom 19. Juni 2000:

Geschichtsunterricht – tief unter den »Linden«

Spannendes Projekt für den verwaisten Lindentunnel: Italienisches Unternehmen will Berlinmuseum gestalten – Bauantrag jetzt eingereicht

Unter den Linden kommt einiges in Bewegung. Während dort mit dem Verlegen der Fernwärmeleitungen unverdrossen die Kanzler-U-Bahn-Linie vorbereitet wird, soll nun auch bald in den stillgelegten Straßenbahntunnel unter dem Forum Fridericianum neues Leben einziehen: Der italienische Projektentwickler Mediapolis, der auch die italienische Botschaft in Berlin rekonstruiert, will mit zwölf Millionen Mark dort eine Ausstellung zur Geschichte Berlins einrichten. Initiator und treibende Kraft der Neunutzung des Lindentunnels ist Wieland Giebel. Der Betreiber des gerade umgezogenen Berlin-Buchladens »Berlin Story« (jetzt Unter den Linden 10) sorgte schon mit einigen Berlin-Projekten für Aufsehen; unter anderem bewirkte er die berlinfreundliche Umgestaltung des S-Bahnhofs am Brandenburger Tor. Nun ist er im Besitz der noch vom ehemaligen Bausenator Jürgen Klemann erteilten Option, den gesamten 193 Meter langen Tunnel zu einem Berlinmuseum umzubauen. Noch in diesem Monat wird der Bauantrag eingereicht.

»Die hohe Dichte an Geschichte, wie sie Berlin auszeichnet, kann nirgends so gut reflektiert werden wie hier«, ist sich Giebel sicher. Schließlich kontrastiere das technische Meisterwerk des Tunnels perfekt mit der historischen Bebauung an der Erdoberfläche. Mit einer modernen Ausstellungspräsentation wäre sogar eine dritte Zeitebene präsent.

Darum will sich Matthias Goebel von Mediapolis, einem Unternehmen, das in Italien Projekte im dreistelligen Millionen-Mark-Bereich betreut, kümmern. »Wir stellen uns mit Leinwänden bespannte Wände vor, auf denen moderne Projektionsverfahren die Vergangenheit lebendig werden lassen.« Insgesamt stehen 2000 Quadratmeter nutzbare Fläche zur Verfügung. Allerdings behält sich Giebel hier die künstlerische Oberleitung vor; das letzte Wort ist in der Frage der richtigen Präsentation noch nicht gesprochen.

Dafür ist auch noch Zeit, wenn die Baugenehmigung vorliegt. Schwierigkeiten könnte da nicht nur der mittlerweile erfolgte Wechsel im Amt des Bausenators bringen, sondern auch die Idee, Ein- und Ausgänge mit gläsernen Pyramiden sichtbar zu machen. »Die Pyramiden wären ideale Pendants zur gläsernen Erweiterung des Zeughauses durch den Architekten I.M. Pei«, erläutert Giebel. Assoziationen zur berühmten Louvre-Pyramide drängen sich ganz automatisch auf. Eine der Pyramiden stünde etwas zurückgesetzt neben der Neuen Wache. Eine andere erhöbe sich neben dem Operncafé auf der kleinen Grünfläche, wo einst die Standbilder der preußischen Generäle standen.

Sollte es hier aber Widerstand geben, sind auch zurückhaltendere Varianten denkbar. Am Operncafé könnte beispielsweise der freigelegte Festungsgraben als Zugang genutzt und dabei gleich zum ersten Ausstellungsstück umfunktioniert werden. »Mitgenutzt« werden könne auch die Stasi-Horchposten, die im Tunnel enthalten sind. Weil sich der Tunnel unterirdisch teilt und der zweite Strang zu Bebelplatz führt, könnte ein dritter Eingang direkt in die dort geplante Tiefgarage führen.

Giebel will den Eintrittspreis bei fünf Mark deckeln. Der auf der alten Tunnelrampe geschaffene Platz des 18. März soll gleich in einem Arbeitsgang mit der Humboldt-Universität und dem Gorki-Theater mit einem Café belebt werden.