Wie Funktioniert das Jamming der Starlink Terminals im Iran genau? Der Analyst Nariman Gharib hatte es sich in seinem Beitrag angesehen. Hier eine Zusammenfassung seiner Arbeit. Wie die Terminals in den Iran geschmuggelt werden, haben wir in diesem Beitrag erklärt.

Seit Elon Musks Unternehmen SpaceX begann, Starlink-Terminals in den Iran zu schmuggeln, um den Menschen während staatlicher Internet-Sperren Zugang zum freien Netz zu ermöglichen, tobt ein technologisches Wettrüsten. Ein aktueller Bericht des IT-Experten Nariman Gharib, der auf GitHub veröffentlicht wurde, liefert nun erstmals konkrete Beweise („Debug-Telemetrie“) für staatliche elektronische Kriegsführung gegen zivile Satelliteninfrastruktur.
Was ist GPS-Spoofing?
Im Gegensatz zum klassischen „Jamming“ (Stören), bei dem ein Signal einfach durch Rauschen überlagert wird, ist „Spoofing“ (Vortäuschen) wesentlich tückischer. Dabei senden staatliche Störsender gefälschte GPS-Signale aus. Das Ziel: Die Starlink-Antenne soll glauben, sie befinde sich an einem völlig anderen Ort oder die Zeitangaben seien falsch. Da die Antennen ihren Standort präzise kennen müssen, um die vorbeiziehenden Satelliten am Himmel zu verfolgen, führt dies zu massiven Verbindungsproblemen.
Die Analyse: 20 % Paketverlust und instabile Leitungen
Die untersuchten Daten eines Terminals im Iran vom Januar 2026 zeichnen ein deutliches Bild:
- Erkennung schlägt an: Das Starlink-System bemerkte die Manipulation. In der Telemetrie taucht die Flagge
inhibitGps: trueauf. Das bedeutet: Die Antenne erkennt, dass die GPS-Daten unglaubwürdig sind, und schaltet die GPS-basierte Positionierung sicherheitshalber ab. - Massive Leistungseinbußen: Obwohl das Terminal eine Verbindung herstellen konnte, war diese kaum nutzbar. Die Daten zeigen einen konstanten Paketverlust von etwa 20 %. Innerhalb eines Testzeitraums von 24 Minuten erreichte das System keine einzige Sekunde lang einen „stabilen Zustand“.
- Präzisionsverlust: Ohne verlässliches GPS muss die Antenne auf ungenauere mathematische Schätzmodelle zurückgreifen. Die Abweichung bei der Ausrichtung auf die Satelliten war drei- bis viermal höher als normal, was die Bandbreite drastisch einschränkt.
Ein zweischneidiges Schwert
Die gute Nachricht für Aktivisten: Starlink ist gegen diese Angriffe nicht völlig machtlos. Die Software erkennt den Betrugsversuch und versucht, die Verbindung auch ohne GPS aufrechtzuerhalten. Die schlechte Nachricht: Die Qualität sinkt von Breitband-Niveau auf eine instabile Notverbindung ab.
Fazit: Elektronische Kriegsführung gegen Zivilisten
Der Bericht verdeutlicht, dass der Iran nicht mehr nur auf einfache Zensur setzt, sondern Methoden der elektronischen Kriegsführung gegen die eigene Bevölkerung anwendet. Für SpaceX und Starlink bedeutet dies eine neue Herausforderung: Um in autoritären Staaten zuverlässig zu funktionieren, müssen die Algorithmen zur Positionsbestimmung ohne GPS (sogenanntes „Dead Reckoning“ oder Orientierung allein anhand der Satellitensignale) deutlich verbessert werden.
Für die Menschen im Iran bleibt Starlink trotz der Sabotage ein wichtiger Rettungsanker – wenn auch einer, der unter den ständigen Störattacken des Regimes schwankt.