bsnKnow your enemyRusslandUkraine

US-Chips im russischen Geheimdienst-Funkgerät

Erneut haben wir westliche Chips in russischer Kriegstechnik entdeckt. Diesmal steckten sie in einem Funkgerät des russischen Militärgeheimdienstes, das von einer ukrainischen Spezialeinheit in einem „Behind Enemy Lines“-Einsatz erbeutet wurde. Nach unserem aktuellen Kenntnisstand ist dieses Funkgerät das erste seiner Art, das von russischen Geheimdiensten genutzt wurde und nun in die Hände der westlichen Öffentlichkeit gelangte.

R-168 Funkgerät und Patche des russischen Militärgeheimdienstes
R-168 Funkgerät und Patche des russischen Militärgeheimdienstes

Zusammen mit dem Funkgerät erhielten wir diese Patches (Abzeichen).

Auf dem eckigen, schwarzen Patch steht: „Achmat Sila!“ – der Slogan des Achmat-Kadyrow-Spezialregiments, einer tschetschenischen paramilitärischen Truppe unter dem Kommando der russischen Nationalgarde und des Staatsoberhaupts der Tschetschenischen Republik, Ramsan Kadyrow (Sohn von Achmad Kadyrow).

Das Runde blaue Patch ist mit  „ВСРФ“ (Streitkräfte der Russischen Föderation) und „ВОЕННАЯ РАЗВЕДКА“ („Militärgeheimdienst“) beschriftet.

Das Gehäuse des R-168 Funkgeräts erinnert an die sowjetische Baukunst. An der Oberseite ist ein Sicherheitshologramm angebracht. 

Das Hologramm-Siegel

holografische Sicherheitsaufkleber

Der russische holografische Sicherheitsaufkleber auf dem Gehäuse zeigt dem Benutzer, dass das Gerät ungeöffnet ist und die Technik im Inneren nicht manipuliert wurde. Die Einzelheiten des Siegels:

ФСБ РОССИИ – FSB Russland, Nachfolgebehörde des sowjetischen KGB.

ЦЕНТР ЗАЩИТЫ ИНФОРМАЦИИ – Zentrum für Informationsschutz. Dies zeigt an, dass das Gerät für sichere Kommunikation zertifiziert ist.

ФСБ – ЦСЗ 3-1- СЭЭ-1 – Die genaue Zertifizierung und der Sicherheitsstandard.

Holografischer Hintergrundtext: СПЕЦИАЛЬНЫЙ ЗАЩИТНЫЙ ЗНАК – Besonderes Schutzzeichen. СПЕЦИАЛЬНОЙ СВЯЗИ – Spezielle Kommunikation.

Die Fähigkeiten

R-168 Funkgerät

Das russische R-168-Funksystem, auch als „Akveduk” (Aquädukt) bekannt, ist eine Familie militärischer HF/VHF/UHF-Funkgeräte. Es wurde in den 1990er Jahren entwickelt und seit den 2000er Jahren in den russischen Streitkräften eingeführt. Es kann Sprache und Daten übertragen. Seine Besonderheit liegt in seinen digitalen Fähigkeiten und dem Fokus auf Störfestigkeit in einem komplexen elektronischen Umfeld. Es sollte ältere analoge sowjetische Funksysteme ersetzen.

Ein Merkmal ist die Fähigkeit zum schnellen Frequenzsprung (Frequency Hopping Spread Spectrum – FHSS). Das Funkgerät wechselt bis zu 500-mal pro Sekunde die Frequenz. Dies erschwert es den Ukrainern, die Kommunikation abzuhören oder zu stören, ist mit heutiger ukrainischer Technik jedoch machbar. Es verfügt über integrierte Verschlüsselungseinheiten, die eine sichere Sprach- und Datenkommunikation gewährleisten. Dies stellt einen entscheidenden Fortschritt gegenüber älteren Funksystemen dar, die oft auf unverschlüsselten analogen Kanälen funktionierten. Das System kann sich an Störungen und Interferenzen anpassen, indem es automatisch auf weniger gestörte Kanäle umschaltet. Einige Varianten können zudem die Datenübertragungsrate an die Verbindungsqualität anpassen, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten.

US-Chips im Inneren

R-168 Funkgerät geöffnet

Nach dem Öffnen des Funkgeräts zeigt sich die beste Technik, die die 1990er Jahre zu bieten hatten. Mit ein paar Updates aus der Jahrtausendwende. Es ist nicht wirklich beeindruckend, sondern entspricht eher dem normalen militärischen Standard. Westliche Nationen nutzen inzwischen deutlich komplexere Technik. Auffällig ist die Nutzung diverser Chips des US-Herstellers Texas Instruments. So auch ein TMS320 aus der gleichen Serie, die wir bereits im Shahed-Bordcomputer (MCU) gefunden hatten.

Dieser wird vor allem im Kfz-Bereich für die Signalverarbeitung genutzt. Der Chip ist sehr verbreitet und stellt keine geheime Technologie dar. Er ist einfach, günstig, leicht zu beschaffen und leistungsstark. Es ist etwa so, als würde man einen westlichen Lichtschalter in einem Haus Putins finden. Eine kleine Ware, die einfach wandert.

Texas Instruments (TI) erklärte uns gegenüber dazu:

TI lehnt die Verwendung unserer Chips in russischer Militärausrüstung sowie die illegale Abzweigung unserer Produkte nach Russland entschieden ab. Wir haben den Verkauf von Produkten nach Russland im Februar 2022 eingestellt. Jegliche Lieferung von TI-Chips nach Russland ist illegal und nicht autorisiert.

TI investiert viel Zeit und Ressourcen in die Bekämpfung der illegalen Abzweigung von Chips und ist bestrebt, seine Bemühungen ständig weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Wie solche Chips in Russland landen, hatten wir bereits in der Vergangenheit recherchiert und hier erklärt.

Erfahren Sie mehr im Ukraine Museum

Weitere Artikel zu diesem Thema finden Sie in unserer Serie „Know your enemy“. Wenn Sie in Berlin sind können Sie auch unser Ukraine Museum am Potsdamer Platz besuchen.

Ukraine Museum