Gestern trat das Ministerkabinett der Ukraine zusammen, um ein Gesetz zu ändern – und wir sind der Grund. Als wir 2022 einen erbeuteten russischen T-72 Kampfpanzer aus der Schlacht um Kyiv leihen und nach Deutschland bringen wollen, wusste niemand, wie das geht. Nun gibt es die rechtliche Grundlage für zukünftige Projekte.

Mein erster Panzer
„Hallo Yuriy! Mein Name ist Enno von der Berlin Story. Ich habe deine Nummer von Alisa. Sie sagt, du kannst mir einen T-72 von den Russen besorgen. Wie geht das?“ – Mit dieser simplen WhatsApp Nachricht an den Vize-Chef des Militärhistorischen Museums der Ukraine begann eines der wildesten Kapitel meines Lebens. Am Ende sollten Kurator Wieland Giebel und ich die ersten nicht staatlichen Importeure eines Kampfpanzers sein.
Das Problem war: Weder wussten wir, wie man den Import macht, noch wusste unser Gegenüber, wie das genau geht. Zusammen navigierten wir uns durch Import- und Exportgesetze verschiedener Staaten, Logistik und Demilitarisierung. Parallel zu uns exportierten drei Staaten ähnliche Panzer. Diese konnten sich alle Genehmigungen selber schreiben – wir mussten sie beantragen. Der Endgegner war Berlin – dort wollte man auf gar keinen Fall, dass wir gegen Russlands Krieg protestieren, und bescherte uns einen sechs Monate andauernden Rechtsstreit, welcher von Dr. Patrick Heinemann zu unseren Gunsten gelöst werden konnte. „Did the dorkslayer finally win?“ War die Frage eines ukrainischen Kollegen, nachdem wir den Beschluss des Gerichtes in der Hand hielten. Den Spitznamen „Dorkslayer“ hatten sie ihm gegeben, nachdem sie verstanden, gegen welche blöden Argumente er hier vor Gericht vorgehen musste. Die ganze Geschichte ist lang – hier haben wir sie erklärt.
Wem gehört der russische Panzer?

Die Panzer gehören nach ukrainischem Recht den Ukrainern, diese können ihn an uns verleihen. Verkaufen oder verschenken jedoch nicht. Das war bisher ein Bereich, der nicht klar geregelt war, weswegen alle Panzer auf temporären Exporterlaubnissen unterwegs waren, die ab und zu verlängert werden mussten. Alle beteiligten Stellen waren entgegenkommend und halfen gerne, allen war klar, dass der Rahmen dieser Aktionen einfach kompliziert ist.
Gestern trat also das Ministerkabinett der Ukraine zusammen, um das „Berlin Story Gesetz“ zu verabschieden, in welchem die permanente Übergabe und der dauerhafte Export geregelt ist. Unser Panzer befindet sich inzwischen in den Niederlanden, da wir ihn sehr kurzfristig und mit Polizeieskorte entfernen mussten!
Unser Panzer ist aber im Text des Verteidigungsministeriums als „Panzer in den Niederlanden“ erwähnt.Wir haben die Grundlage gelegt – nun dürfen andere profitieren. Uns freut das sehr!
Nicht das erste Mal!
Das ist jedoch nicht das erste Mal, dass wir den Weg für andere geebnet haben. Seit 2022 untersuchen wir russische Kriegsgeräte und veröffentlichen unsere Ergebnisse hier in der Kategorie „Know Your Enemy“. So fanden wir 2024 deutsche Bauteile in Shahed Drohnen und vor zwei Monaten amerikanische NVIDIA KI-Chips in Zala Drohnen.

All das können Sie auch selber im Ukraine Museum in Berlin sehen.
Wir müssen dafür vor Ort an der Front sein, selbst Objekte einsammeln und exportieren. Das machen außer uns keine anderen deutschen Museen – weltweit nur wenige Gruppen. Somit entstand in der Ukraine die Idee, ihre Forschungsergebnisse mit mehr Menschen auf der Welt zu teilen. Heute kann sich jeder Forscher beim „TrophyLab“ um Zugang bewerben
Wir werden weiter an der Speerspitze der deutschen Forschung zu diesem Thema bleiben. Mal sehen, was wir als Nächstes in Bewegung bringen können.