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Supercam Drohne aus Pokrowsk

Am 17. Juni 2025 erbeutete die 25. Separate Luftlandebrigade „Sichestlav“ des 7. Army Corps der Ukraine diese russische SuperCam S350-Drohne durch elektronische Kriegsführung. Die komplette Aufklärungsdrohne, die in der heftig umkämpften Stadt Pokrovsk erbeutet wurde, wurde anschließend unserem Ukraine Museum im Berlin Story Bunker übergeben.

Übergabe der S350 Supercam aus Porowsk

Die ostukrainische Stadt Pokrowsk liegt im Donbass im Gebiet Donezk. Für viele war sie das Tor zu den Städten Donezk, Slowjansk und Kramatorsk. Während der Schlacht um Bachmut wohnten viele internationale Journalisten hier im Hotel „Druzhba“ („Freundschaft“), das später von den russischen Terroristen bombardiert wurde. Auch wir waren mehr als einmal dort. Als erste Stadt nach dem ikonischen Schild „Oblast Donezk“ war sie ein beliebter Ort für eine kurze Pause. Vor dem Krieg lebten hier etwa 60.000 Menschen – jetzt versuchen 160.000 russische Soldaten, die Stadt auszulöschen.

7th army Corps

Das neu gegründete 7. Schnellreaktionskorps (auch: 7th Army Corps) spielt eine wichtige Rolle in der Schlacht um Pokrowsk. Diese große Einheit ukrainischer Luftlande- und Luftangriffstruppen wurde im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung nach dem Vorbild der NATO geschaffen, um schnelle, flexible und koordinierte Kampfhandlungen mit kombinierten Waffen zu ermöglichen. Das Korps umfasst mehrere erfahrene Einheiten wie die 25. Luftlandebrigade und die 79. Luftangriffsbrigade. Das 7. Korps spielte eine Schlüsselrolle bei der Säuberung der Stadt von russischen Infiltrations- und Sabotagegruppen und hält nun seine Stellung gegen heftige Angriffe stand.

Aufgabe der S350

Hersteller Bild

Die Hauptaufgabe der SuperCam-Aufklärungsdrohnen besteht darin, Ziele für Artillerie- und Luftangriffe durch Drohnen, Hubschrauber oder Kampfflugzeuge zu erkunden. Die SuperCam-Drohnen verschaffen den russischen Truppen einen Überblick über das Schlachtfeld und identifizieren Positionen, Logistikrouten und Truppen. Durch die Übertragung von Echtzeit-Videodaten helfen sie den russischen Einheiten, ihre eigenen Angriffe und Schläge präzise zu koordinieren. Die SuperCam-Drohne fliegt mehrere Kilometer hoch und identifiziert Ziele, die dann von tiefer fliegenden FPV-Drohnen, Artillerie oder Jets mit Gleitbomben angegriffen werden. Das Videobild der Drohne wird anschließend verwendet, um zu überprüfen, ob die Ziele getroffen wurden.

Der Schatten über den Zivilisten

Blick in die Supercam S350

Die SuperCam S350 ist eine reine Aufklärungsdrohne ohne eigene Waffen. Dennoch ist sie für die ukrainische Zivilbevölkerung lebensgefährlich. Ihr Einsatz beeinflusst das Leben auf zwei Ebenen: Die S350 verfügt über hochauflösende Kameras und Wärmebildsysteme mit hoher Reichweite (bis zu 100 km, Datenübertragung). Sie spürt kritische Infrastruktur, Kraftwerke und Getreidespeicher auf. Die von ihr gelieferten Echtzeitdaten führen oft direkt zu Raketen- oder Artillerieangriffen auf zivile Objekte.

Die Drohne kann bis zu 4,5 Stunden in der Luft bleiben und ist aufgrund ihres Elektromotors in großen Höhen (bis 5.000 m) kaum hörbar. Das Wissen, dass „ein Auge am Himmel“ jeden Schritt am Boden überwacht, schafft eine permanente Atmosphäre der Angst in grenznahen Städten wie Charkiw oder Sumy.

Die Bekämpfung dieser Aufklärungsdrohnen, die als „Augen“ der russischen Angriffe dienen, ist daher eine zentrale Aufgabe der ukrainischen Luftabwehr-Einheiten an der Front. Dazu gehört auch die 25. Luftlandebrigade, der es gelang, diese Drohne durch elektronische Kriegsführung (EW) völlig unbeschädigt zur Landung zu zwingen.

Westliche Komponenten

Bauteile in der Supercam S350

Die Supercam S350 wird von der russischen Firmengruppe Unmanned Systems Group mit Sitz in Ischewsk produziert. Ursprünglich für zivile Zwecke, wie die Überwachung von Ölpipelines oder die Landwirtschaft, konzipiert, wurde sie schnell für den militärischen Einsatz optimiert.

Obwohl Russland sich gerne als unabhängig und stark gibt, ist auch diese Drohne massiv von ausländischen Komponenten abhängig. Bei der Analyse finden wir chinesische Technik, aber auch Komponenten aus dem Westen. So wird unter anderem der 32-Bit Mikrocontroller STM32F100RBT6B des Schweizer Unternehmens STMicroelectronics verwendet.

Vom US Unternehmen Texas Instruments stammt der Stromwächter TI I260AI, vom deutschen Hersteller Infineon der MOSFET D28N06. Das meiste davon sind Cent Artikel, die weder besonders gut überwacht werden, noch einzigartig sind. Etwa, als würde man einen westlichen Lichtschalter in einem Haus Putins finden. Wie solche Chips in Russland landen, hatten wir bereits in der Vergangenheit recherchiert und hier erklärt.

Antworten der Hersteller

Texas Instruments (TI) erklärte uns gegenüber dazu: „TI lehnt die Verwendung unserer Chips in russischer Militärausrüstung sowie die illegale Abzweigung unserer Produkte nach Russland entschieden ab. Wir haben den Verkauf von Produkten nach Russland im Februar 2022 eingestellt. Jegliche Lieferung von TI-Chips nach Russland ist illegal und nicht autorisiert. TI investiert viel Zeit und Ressourcen in die Bekämpfung der illegalen Abzweigung von Chips und ist bestrebt, seine Bemühungen ständig weiterzuentwickeln und zu verbessern.

STMicro teilte uns auf Anfrage mit: „Was die Markierungen auf dem Chip betrifft, so sind diese vertraulich. Sofern sie nicht von einem von ST autorisierten Händler gekauft und als solche verifiziert wurden, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel dazu sagen.“ – Und sie setzen mich auf ihren Newsletter.

Wir suchen weiter 

Im Ukraine Museum im Berlin Story Bunker

Derzeit analysieren wir mehrere unidentifizierte und bereits bekannte Drohnen sowie weitere Militärtechnik. In unserer Kategorie „Know Your Enemy“ können Sie weitere Berichte zu diesem Thema lesen.