Seit Tagen ist der Strom in Teilen Berlins ausgefallen – eine Reparatur des Schadens wird noch Tage dauern. Das Bekennerschreiben könnte Hinweise auf russische Saboteure geben. Das Ziel wäre nicht mal die Infrastruktur, sondern Zwietracht säen. Und es wirkt, als sei es ein Selbstläufer.

Seit dem frühen Morgen des 3. Januars 2026 herrscht im Südwesten Berlins der Ausnahmezustand. Zehntausende Haushalte in Lichterfelde, Zehlendorf und Wannsee müssen bei Minusgraden ohne Heizung und Licht durchhalten – wie in Kyiv, nur ohne Luftangriffe. Sofort werden Linksextremisten verantwortlich gemacht, die „Vulkangruppe“. Von dieser sind bisher null Personen bekannt, auch der Hintergrund der Gruppe ist unbekannt. Linksextremisten könnten natürlich ins Bild passen – andere aber auch.
Ein kyrillischer Fehler?
Offiziell wird derzeit ein Bekennerschreiben der vermeintlich linksextremen „Vulkangruppe“ geprüft. Doch Experten für hybride Kriegsführung sehen jetzt schon Hinweise auf eine False-Flag Operation – oder darauf, dass die Gruppe per se von Russland gesteuert wird.

Im Bekennerschreiben heißt es: „Diese manipulierten Wohlstandschauvinist:innen und Parteianhänger:innen sekundieren Trump, Modi, Miley, Netanjahu, Merz, Weidel, Putin, Höcke, Orban, Vans, Xi und wie sie alle heißen, bei der ‚Verteidigung‘ der Freiheit.“ Dabei fällt der Name „Vans“ ins Auge, womit der US-amerikanische Vizepräsident JD Vance gemeint sein dürfte. Dieser schreibt sich im Russischen „Ди Вэнс“, manchmal aber auch „Ванс“. Phonetisch ist es fast gleich. Lässt man dieses maschinell übersetzen, kommt Vans dabei raus. Google Translate erkennt den vermuteten Kontext und korrigiert auf „Vance“, zeigt aber „Vans“ als wörtliche Übersetzung an.
Der gesamte Text wirft Fragen auf. Neue und alte Rechtschreibung. Gegenderte Sprache, aber auch merkwürdige Formulierungen. Hinzu kommen die kyrillischen Übersetzungen. Es wirkt, als habe man eine Mischung aus ChatGPT und Übersetzer genutzt und den Text anschließend manuell bearbeitet. Ideen wie der Text zustande kam gibt es inzwischen viele – dies ist nur eine davon.
Sollte sich bestätigen, dass die Urheber der Desinformationswelle rund um den Anschlag in Russland sitzen, wäre das Ziel klar: Die Ausnutzung lokaler politischer Spannungen, um die Handschrift fremder Dienste zu verbergen.
Das Ziel: Spaltung und Vertrauensverlust.
Die Strategie hinter einem solchen Angriff auf die kritische Infrastruktur (KRITIS) geht weit über den materiellen Schaden an den Kabelbrücken hinaus. Es geht um psychologische Kriegsführung: Indem man den Anschlag linksextremen Gruppen zuschreibt, wird der gesellschaftliche Diskurs weiter radikalisiert. Die Mitte soll sich von den Linken entfernen, die Rechten sollen Futter für ihre Propaganda erhalten.
Doch die Idee geht weiter: Wenn ein Staat seine Bürger im Winter nicht mit Strom und Wärme versorgen kann, wirkt die Führung schwach und handlungsunfähig. Die Unsicherheit nährt den Boden für populistische Narrative. Ein häufiger Social Media Kommentar zur Lage ist sinngemäß: „Unsere Alten müssen in der Turnhalle schlafen, während für Asylbewerber sofort 5* Hotels gebucht wurden“ – Inhaltlich stimmt das so natürlich nicht, aber das Narrativ ist gesetzt.
Pflegebedürftige schlafen in der Turnhalle.
Dass diese Idee funktioniert, zeigt die aktuelle Situation vor Ort. Die Politik zeigt sich bisher unfähig, eine schnelle Lösung herbeizuführen. Da die Reparatur der zerstörten Hochspannungskabel laut Netzbetreiber bis Donnerstag dauern kann, müssen bereits jetzt die Schwächsten der Gesellschaft die Konsequenzen tragen.
In einer Berliner Turnhalle bot sich am Wochenende ein trauriges Bild: Hochbetagte Menschen mit hohem Pflegegrad, die normalerweise auf elektrische Hilfsleistungen und spezialisierte Pflege angewiesen sind, mussten in der Turnhalle zwischen Sportgeräten übernachten. Die Evakuierung von Pflegeheimen, deren Notstromaggregate für die Dauer des Ausfalls nicht ausreichten, ist ein beispielloser Vorgang in der jüngeren Geschichte der Hauptstadt – die eigentlich gerne eine Metropole auf Weltniveau wäre.
Berlin (Landes und Bundesebene) schafft es nicht, dem plumpen Narrativ positive Fakten entgegenzustellen. Für viele Kritiker ist dies der Beweis eines „Staatsversagens“. Die Sabotage zum Selbstläufer – wie es im Sprichwort heißt: dem Gegenüber so viel Seil lassen, dass es sich selber dran aufhängen kann.