Steuert Hollywood auf den großen Kollaps zu?
Anfang der achtziger Jahre wurden Videospiele immer schneller, immer billiger, immer blöder produziert. Es gipfelte in einem großen Crash der Branche. Das ewige Mahnmal waren Tausende „E.T.“. Spiele, welche in der Wüste von New Mexico vergraben wurden, weil sie niemand mehr haben wollte. Heutige Serien und Filme wirken zunehmend genau so. Sie sind für eine verblödete Zielgruppe konzipiert, welche sich keine Zusammenhänge mehr erschließen und Filme nur vorbeiflimmern lassen wollen. Gibt es Parallelen?

Die Parallelen sind beängstigend: 1983 brach der Videospielmarkt innerhalb kürzester Zeit um fast 97% ein. Die Menschen spielten gerne, es gab immer mehr Konsolen, jedoch gab es eine Flut von „Müll“ Titeln, die in Wochen auf den Markt geworfen wurden. Ohne Liebe, ohne Tiefe, nur, um die Regale zu füllen. Das Vertrauen der Kunden war nachhaltig zerstört. Es wurde sogar ein Ende der gesamten Branche vermutet.
Die Ära des „Fast-Food-Contents“
Heute erleben wir eine filmische Parallele. Während Klassiker wie die britische Serie „Yes, Minister“ ihr Publikum noch forderten, einen zum Aufpassen zwangen, einen Zusammenhänge selber erschließen ließen und einem die Fähigkeit zum Mitdenken zutrauten, scheint sich die moderne Filmwelt in die entgegengesetzte Richtung zu entwickeln.
Besonders deutlich wurde dies in einem aktuellen Interview mit Matt Damon und Ben Affleck. Sie erklärten die neue Realität des Streaming-Marktes: Filme müssen „einfach“ gehalten sein. Sie dürfen den Zuschauer nicht überfordern, denn der „Second Screen“ – also das Smartphone in der Hand des Zuschauers – ist der größte Konkurrent. Menschen müssen dem Film folgen können, wenn sie nebenher TikTok gucken oder online Shoppen. Das heißt, dass alles wie in einem Hörspiel erklärt werden muss, gerne auch mehrfach. Welchen Sinn das Sehen des Filmes dann noch hat, bleibt offen.
Wenn der Algorithmus die Regie übernimmt: Was früher die zu schnell programmierten Atari-Spiele waren, sind heute die „Netflix-Originals“. Produziert nach statistischen Wahrscheinlichkeiten, optimiert für eine globale Zielgruppe, die nebenbei bügelt oder scrollt. Das Ergebnis ist eine visuelle Sättigung bei gleichzeitiger inhaltlicher Unterernährung: Alles muss ausgesprochen werden, damit man die Handlung auch versteht, wenn man drei Minuten nicht hingesehen hat. Ein Look, der auf jedem Tablet funktioniert, aber auf der Leinwand seine Seele verliert. Der Druck, jede Woche „neuen Content“ zu liefern, lässt keinen Raum für die Reifezeit, die ein Meisterwerk benötigt.
Kommt der „E.T.-Moment“ für Hollywood?
Noch halten die großen Blockbuster-Events die Branche über Wasser. Doch die Ermüdungserscheinungen sind unübersehbar. Wenn das Kino seine Rolle als wichtiges und intelligentes Medium verlieren und nur noch zum Hintergrundrauschen verkommen droht, droht ein massiver Relevanzverlust.
Die Videospiele-Branche rettete sich damals durch eine radikale Rückbesinnung auf Qualität – Nintendo führte zum Beispiel das „Seal of Quality“ ein. Hollywood steht dieser Wendepunkt noch bevor. Die Geschichte lehrt uns: Wer die Intelligenz seiner Kunden unterschätzt, wird früher oder später in der digitalen Wüste vergraben.