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Saluschnyj: Der Eiserne General greift nach der Macht

Was ein Präsident Saluschnyj für die Ukraine und Europa bedeuten würde: Es ist die politische Erdbebenmeldung dieses Sommers: Walerij Saluschnyj, ehemaliger Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und aktueller Botschafter in London, ist bereit, für das Amt des Präsidenten der Ukraine zu kandidieren. Wie die Ukrainska Prawda heute, am 1. Juli 2026, berichtete, wurde Saluschnyj unter dem Vorwand des Regierungswechsels in Großbritannien nach Kyjiw zitiert. In einem Vier-Augen-Gespräch fragte Präsident Wolodymyr Selenskyj ihn direkt, ob er bei möglichen Wahlen im Herbst antreten wolle. Saluschnyjs Antwort war Berichten zufolge unmissverständlich: „Ja, das werde ich.“

Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüsst General Walerij Saluschnyj (2022)
Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüsst General Walerij Saluschnyj (2022)

Für uns beim Berlin Story Bunker ist diese Entwicklung von ganz besonderer Brisanz. Walerij Saluschnyj hat unsere Einrichtung und unser Engagement für die Ukraine persönlich ausgezeichnet. In unserem Ukraine Museum hängt ein von ihm signiertes T-Shirt – gerahmt und präsentiert wie eine hochrangige Medaille. Es ist ein Symbol des Widerstands. Doch nun stellt sich die drängende Frage: Wohin würde dieser Mann, der die russische Armee in den ersten Kriegsjahren zum Stehen brachte, sein Land politisch führen?

London: Das diplomatische Exil als Meisterklasse

Als Saluschnyj im Frühjahr 2024 als Botschafter nach London versetzt wurde, galt dies weithin als politisches Abstellgleis, diktiert von einem von Eifersucht und strategischen Differenzen geplagten Präsidentenbüro. Doch rückblickend war dieses Amt für Saluschnyj die perfekte Vorbereitung auf eine Präsidentschaft.

London bot ihm die nötige Distanz zu den zermürbenden innenpolitischen Grabenkämpfen in Kyjiw und gab ihm gleichzeitig eine globale Bühne. Das Vereinigte Königreich ist einer der wichtigsten und robustesten NATO-Verbündeten der Ukraine. In London konnte Saluschnyj den militärischen Drill gegen diplomatisches Parkett eintauschen, ohne seine eiserne Kernbotschaft zu verlieren. Er kam den Denkfabriken und den militärischen Planern der NATO so nah wie kaum ein anderer ukrainischer Politiker. In vielbeachteten Reden, etwa im Februar 2026 vor dem renommierten Londoner Chatham House, präsentierte er sich längst nicht mehr nur als Soldat, sondern als strategischer Staatsmann. Er forderte die Abkehr von klassischen Zermürbungsstrategien und betonte die „Robotisierung“ der Kriegsführung, um ukrainische Menschenleben zu schonen.

Politische und militärische Visionen: Technologie statt Papierverträge

T-Shirt mit Salushnyj Autogramm im Ukraine Museum im Berlin Story Bunker

Unter einem Präsidenten Saluschnyj würde die Ukraine einen radikalen pragmatischen Kurswechsel erleben. Saluschnyj hat null Toleranz für diplomatische Illusionen. Leere Sicherheitsgarantien wie das Budapester Memorandum von 1994 verachtet er. Auf dem Chatham House-Gipfel formulierte er seine sicherheitspolitische Doktrin für die Zukunft prägnant: Die künftige Sicherheit erfordert „technologische Allianzen, keine Vertragsartikel“.

Wie diese Allianzen aussehen sollen, hat Saluschnyj bereits im Oktober 2025 in einem wegweisenden Gastbeitrag für die Ukrainska Prawda dargelegt. Er forderte darin eine radikale militärstrategische Wende Europas. Die Ukraine dürfe nicht länger nur als Empfängerin westlicher Hilfen am Rande stehen, sondern müsse voll in die industriellen und technologischen Wertschöpfungsketten des europäischen Rüstungssystems (MIK) integriert werden. Saluschnyj will die Ukraine zum modernsten und am stärksten militarisierten Hochtechnologie-Staat Europas umbauen – als gleichberechtigten Partner, der nicht auf die USA wartet, sondern das europäische Sicherheitsvakuum schließt.

Zudem hat Saluschnyj einen globaleren, schonungsloseren Blick auf den Krieg als viele westliche Politiker. Bereits Ende 2024 konstatierte er öffentlich, dass der Dritte Weltkrieg faktisch begonnen habe, da die Ukraine längst nicht mehr nur gegen Russland kämpfe, sondern gegen iranische Drohnen, nordkoreanische Raketen und chinesische Komponenten.

Der Analytiker: Einblicke aus der Militärhistorischen Beschreibung

Saluschnyjs Führungsstil ist methodisch, faktenbasiert und zutiefst analytisch. Wie systematisch und umfassend er und sein Stab den Krieg analysierten, zeigt die „Militärhistorische Beschreibung des russisch-ukrainischen Krieges (März 2023)“, ein überaus detailliertes militärstrategisches Dokument, das unter seiner Leitung als Vorsitzender der Arbeitsgruppe entstand.

Dieses Dokument ist weit mehr als eine Chronik von Truppenbewegungen; es belegt sein tiefes Verständnis für globale militärökonomische Zusammenhänge, von Inflationsraten über asiatische Märkte bis hin zu internationalen Sanktionen. Es offenbart auch Saluschnyjs Selbstverständnis der Rolle der Ukraine in der Welt. Er begreift sein Land als den aktiven Schutzschild der freien Welt. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich die Schlussfolgerungen dieses Papiers ansieht. In den Allgemeinen Schlussfolgerungen derMilitärhistorischen Beschreibung des russisch-ukrainischen Krieges (März 2023) wird dies unmissverständlich festgehalten. Dort heißt es wörtlich:

Im März 2023 wurde die Zukunft der euro-atlantischen Sicherheit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine entschieden. Die Stärke, Widerstandsfähigkeit und der Mut des ukrainischen Volkes leisteten einen wesentlichen Beitrag zur kollektiven Sicherheit, ebenso wie das kampferprobte und mit den alliierten Armeen interoperable ukrainische Militär.“

Genau diese NATO-Interoperabilität, die Saluschnyj in London weiter vertieft hat, wäre das Herzstück seiner Präsidentschaft.

Der unausweichliche Bruch mit Selenskyj

Warum drängt Saluschnyj nun an die Macht? Die Antwort liegt in dem tiefen Zerwürfnis mit Wolodymyr Selenskyj, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Wie in einem Interview mit der Agentur AP (Februar 2026) enthüllt wurde, war der Tiefpunkt der Beziehung bereits im September 2022 erreicht, als der Inlandsgeheimdienst SBU Saluschnyjs damaliges Büro durchsuchen ließ – ein Akt, den der General als offene Drohung wahrnahm.

Der eigentliche Bruch war jedoch strategischer Natur. Saluschnyj macht die politische Führung um Selenskyj für die gescheiterte Gegenoffensive 2023 verantwortlich. Ein gemeinsam mit NATO-Partnern ausgearbeiteter Plan für einen massiven, überraschenden Vorstoß in der Region Saporischschja sei gescheitert, weil Selenskyj die Truppen aus politischen Gründen über ein zu großes Gebiet verteilte und die nötigen Ressourcen nicht bereitstellte. Dieser politische Eingriff in militärische Notwendigkeiten ist etwas, das ein Präsident Saluschnyj niemals dulden würde.

Fazit: Die Ära des kalten Pragmatismus

Sollte Walerij Saluschnyj Präsident der Ukraine werden, würde das Land einen Wechsel von der emotionalen, oft auf charismatische Kommunikation ausgelegten Führung Selenskyjs hin zu einem eiskalten, technologischen Pragmatismus vollziehen. Saluschnyj ist kein Mann der großen Show, sondern der tiefen militärischen und industriellen Integration. Sein Aufenthalt in London hat ihm den diplomatischen Feinschliff verliehen und seine Bindung an die NATO-Doktrin unumkehrbar gemacht. Europa müsste sich auf einen ukrainischen Präsidenten einstellen, der keine bloßen Beistandsbekundungen fordert, sondern harte, rüstungsindustrielle Fusionen – einen Mann, der verstanden hat, dass der Frieden der Zukunft nur aus der Position absoluter technologischer Stärke gesichert werden kann.