bsnKnow your enemyUkraine

Russlands 100€ Killerdrohne – 10€ pro getöteten Zivilisten

Wir haben erneut russische Drohnen von der ukrainischen Armee erhalten. Dieses Mal handelt es sich um die billigste Drohne, die es im Baumarkt zu kaufen gibt. Bei einer großen Produktion sind 100 € pro Drohne möglich. Mit Sprengstoff beladen kann man damit zehn Ukrainer in einem Evakuierungsbus töten. Die Kosten pro getötetem Zivilisten lägen somit bei 10 €.

Russische 100€ Drohne
Russische 100€ Drohne

Auf den ersten Blick ist kaum zu erkennen, was sich in der Tüte befindet: „Stangen, Paketklebeband, nicht einmal Gaffertape. Was ist das!?“ , fragt sich der Analyst beim Auspacken der Teile. Ich versuche, die Drohne hochzurechnen: „Na okay, ein F405-Motor, die billigste Kamera der Welt, Kabelbinder, Heißkleber …“ Bei Großhandelspreisen kommen wir auf gut 100 €, dazu käme noch der Sprengstoff, der meist ohnehin vorhanden ist, und ein Akku. Der Begriff „Low-Cost-Loitering-Munition“ ist für dieses Konstrukt schon zu hoch angesetzt. Als Sprengstoff werden gerne bereits abgeschriebene RPG-Sprengköpfe oder Minen benutzt. Es ist nicht einmal einheitlich – man wirft in die Drohne, was gerade vorhanden ist.

Die Baumarkt-Waffe

Kabelschelle und Heisskleber
Kabelschelle und Heisskleber

Was auf den ersten Blick wie ein missglücktes Bastelprojekt aus der Garage aussieht, ist in Wahrheit ein tödliches Werkzeug. Die Konstruktion folgt dem Prinzip der radikalen Kostenminimierung. So besteht der Rahmen statt aus leichter Kohlefaser aus simplen Aluminiumrohren, die mit Schlauchschellen und braunem Klebeband fixiert sind. Die Flügel sind aus einfachem Sperrholz und Styropor gefertigt und mit Isolierfolie überzogen. Diese Materialien sind nicht nur billig, sondern haben für den Angreifer einen zynischen Vorteil: Sie sind für klassische Radarsysteme schwerer zu erfassen als Metall.

Der Einsatz solcher Drohnen verfolgt zwei Ziele: die Sättigung der Luftabwehr und die psychologische Kriegsführung. Da diese Drohnen nur wenige hundert Euro kosten, kann Russland sie in Massen starten. Die Ukraine ist somit gezwungen, teure Flugabwehrraketen (die oft Hunderttausende Euro kosten) einzusetzen, um diese „Bastel-Drohnen“ abzufangen.

Oft werden diese Drohnen als Loitering Munition (Kamikaze-Drohnen) eingesetzt. Bestückt mit einfachen Sprengladungen oder Minen steuern sie auf zivile Ziele oder Infrastruktur zu. Aufgrund ihres unzuverlässigen Flugcharakters und ihres improvisierten Baus sind sie unberechenbar und stellen eine ständige Bedrohung für die Zivilbevölkerung in Städten wie Charkiw oder den Grenzdörfern im Donbass dar.

Billig gegen teuer

Flightcontroller

Russland schickt jeden Tag bis zu 3.000 Drohnen (FPV und UAV) in Richtung Ukraine. Die 100-Euro-Drohne muss von ukrainischer Seite mit teurerer Munition abgeschossen werden. Selbst wenn die Drohne ihr Ziel verfehlt, erzielt sie einen „wirtschaftlichen Sieg“, indem sie die teure Munition der Flugabwehr aufbraucht. Dieser enorme Preisunterschied ist der Kern der russischen Strategie, den Gegner finanziell ausbluten zu lassen, während man selbst billigste Wegwerf-Technik verwendet.

Weitere Berichte dieser Art finden Sie in unserer Kategorie „Know your Enemy“.