An vielen Menschen ging es vorbei, doch Russland hat sechzehn Kommunikationssatelliten ins All geschossen. Diese sollen der Beginn einer großen Konstellation sein, welche die Lücke schließen soll, welche die Starlink-Abschaltung geschaffen hat. Die Sende- und Empfangsterminals haben nur 30 cm große Schüsseln und können im Rucksack getragen werden.

Kleine Terminals für vorhandene Systeme
Lange Zeit war die russische Satellitenkommunikation an klobige 90-Zentimeter-Schüsseln gebunden, die für ukrainische Drohnen und die elektronische Aufklärung leichte Ziele darstellten. Das neue System mit dem Namen Spirit-030 ist kompakt, wesentlich mobiler und schwerer zu entdecken. Im Gegensatz zu Starlink nutzt das Spirit-030 geostationäre Yamal-Satelliten. Das bedeutet höhere Latenz als bei Starlink. Berichten zufolge werden die neuen Terminals seit April 2024 in großen Mengen an russische Einheiten ausgegeben.
Den berichten russischer Blogger nach beträgt die Latenz bei Yamal knapp eine Sekunde (700-900ms). Der Upstream erreicht of nur 5 Mbit, der Downstream 20 Mbit. Zum Vergleich: Bei Starlink erreichen wir nahe der Front 25ms Latenz und 50 Mbit Upstream, 200 Mbit Downstream. Eine Starlink Antenne muss man nur hinlegen, sie findet selber ihr Signal. Die Spirit Schüsseln müssen hingegen manuell etwa ein Grad genau ausgerichtet werden.
Starlink Klon als neues System
Parallel zur Hardware-Verteilung arbeitet das russische Unternehmen Bureau 1440 an einer echten Kopie des Starlink-Prinzips. Ende März 2026 wurden 16 „Rassvet“-Satelliten erfolgreich ins All geschossen. Obwohl 16 Satelliten im Vergleich zu den Tausenden von SpaceX verschwindend gering wirken, markieren sie den Startschuss für ein russisches System, welches bis 2027 kommerziell und militärisch voll einsatzfähig sein soll.
Warum kann Russland diese Ressourcen noch aufbringen?
Trotz heftiger Sanktionen investiert Russland weiterhin Milliarden in sein Raumfahrtprogramm. Der Kreml hat die Wirtschaft auf „Totalbetrieb“ umgestellt. Ressourcen, die früher in zivile Projekte flossen, werden nun komplett in die Militärtechnologie und die dazugehörige Infrastruktur umgeleitet. Für die Elektronik der Satelliten und Terminals nutzt Russland weiterhin Netzwerke in Drittstaaten (Zentralasien, China), um an westliche Dual-Use-Komponenten oder spezialisierte Mikrochips zu gelangen. Russland verfügt über eine der weltweit autarksten Raumfahrtindustrien. Mit dem Weltraumbahnhof Plesetsk und der bewährten Sojus-Trägerrakete ist das Land nicht auf westliche Starthilfe angewiesen.
Das kleine Spirit-030 Terminal und die neuen Rassvet-Satelliten sind zwar technologisch noch nicht auf dem Niveau von Starlink, sie verringern jedoch die russische Abhängigkeit von geschmuggelter westlicher Technik. Die wiederkehrenden Erklärungen, Russland sei bald am Ende, hören wir seit vielen Jahren. Doch wenn man nichts auf seine Bevölkerung und Wirtschaft gibt, kann man leider lange durchhalten.