Russische FPV Drohnen ziehen nach: Frequenzwechsel in einer Sekunde
Der Drohnenschwarm kommt! Inzwischen kann die Ukraine rund 300 FPV Drohnen gleichzeitig am gleichen Ort fliegen, was Fragen zum Frequenzmanagement aufwirft. Russland rüstet ebenfalls auf, wie wir an einer gerade erbeuteten Drohne sehen. Diese kann schnell die Frequenz wechseln, notfalls in einer Sekunde, auf Knopfdruck.

Stand der Dinge
Die Ukraine kann inzwischen Drohnenschwärme von hunderten Drohnen einsetzen, ohne dabei ein komplexes Management oder eine zentrale Verwaltung der einzelnen Drohnen zu nutzen. Dabei stößt man irgendwann an Limits bei der Frequenzvergabe. Seit einem Jahr jagen wir Drohnen auf Frequenzen von 100Mhz bis 8Ghz. Die „gängigen“ Frequenzen gibt es dabei kaum noch. Es fliegt alles, auf allen Frequenzen, überall. Das macht das Jamming (Störsender) schwer bis unmöglich . Dazu kommt, dass das ELRS Protokoll zur Steuerung überraschend resistent gegen Störungen ist. Russland verwendet fahrzeuggebundene, gerichtete Störsender mit 5.000 – 10.000 Watt, um das Problem in den Griff zu bekommen, doch auch das klappt nur sehr lokal begrenzt.
Ukrainischer Drohnenschwarm
Die Ukraine fliegt Angriffe mit mehreren Einheiten. Jede erhält einen räumlichen Bereich und einen Frequenzbereich, den sie selbst verwaltet. So kann jede Einheit Dutzende Drohnen in ihrem Bereich fliegen. Dafür ist es aber wichtig, schnell die richtige Drohne auf der richtigen Frequenz zu haben. Bisher waren die Funkmodule im „Stack“ der Platinen fest verbaut. Diese befinden sich in der Mitte der Drohne und sind nur über einige Schrauben erreichbar. Neue Module werden gut erreichbar gesteckt und können mehrere Frequenzen per Knopfdruck durchschalten. Das alleine löst nicht alle Probleme, ist aber ein wichtiger Baustein!
Russland zieht nach: Die Trabbi-Drohnen

Wir analysieren weiter regelmäßig in Berlin die erbeuteten russischen FPV-Drohnen. Die aktuellen Modelle werden häufig nicht mehr aus Metall gestanzt, wie bisher, sondern aus Phenolharz. Das gelbliche Material ist in Deutschland vor allem bekannt, weil die Karosserie des Trabant daraus bestand. Dies sehen wir bei den Funk- und Glasfaserdrohnen in Kherson und Pokrowsk.

Das Modul, welches am Ende für die Funkfrequenz entscheidend ist, wurde ans Ende der Drohne gesetzt. In einer 3D-gedruckten Halterung kann es einfach getauscht werden. Häufig sehen wir die Module von RushFPV. In wenigen Sekunden kann man das gesamte Modul tauschen und so den gesamten Bereich von 100 – 8.000 MHz abdecken. Die einzelnen Module können oft eine Breite von einem Gigahertz abdecken. Ein üblicher Jammer kann (pro Modul) ca. 100 MHz abdecken. Doch es werden vermehrt F>Funkmodule benutzt, welche auf zwei Frequenzen gleichzeitig senden. Diese liegen mehrere Gigahertz auseinander. So wird das Stören immer schwieriger. Die Module kosten aber nur 50-100 US$. Mehr als die ganz einfachen für 20-30 US$, aber nicht besonders teuer.
Komplexe Mesh-Radios, welche auf vielen Frequenzen hin und her springen und mehrere gleichzeitig bedienen, werden vermehrt in Shahed-Drohnen eingesetzt, liegen aber noch im vierstelligen US$ Bereich. Daher tauchen sie bisher nicht in den einfachen FPV Drohnen auf.
Das ist ein Problem!

Das Problem für die ukrainische Seite: Früher konnte man Glück haben und die russischen Drohnenteams hatten nur ein Modell von Drohne dabei. Z.B. oft auf 1.200Mhz oder 350Mhz. Schnell hatte man die Frequenz gemessen und das Band gestört. Nun kann die Frequenz von jedem noch so ungeübten und unwissenden Drohnenpiloten in einer Sekunde gewechselt werden und der nächste Versuch gestartet werden.
Es wird wärmer, die Drohnenakkus laufen wieder länger, die technische Entwicklung geht weiter. Wir können davon ausgehen, dass die Lage an der Front und dahinter jedes Jahr schlimmer wird.