Russische Drohne mit Nvidia KI-Chips
Künstliche Intelligenz (KI) spielt auf dem ukrainischen Schlachtfeld eine immer wichtigere Rolle. Wir untersuchten die russische Zala 412 Drohne mit rund drei Metern Spannweite und fanden leistungsfähige KI Hardware von Nvidia, einen Airbag, Detektoren für ukrainische Drohnen, eine 500GB Festplatte und europäische Komponenten.

Die Zala 412-16 wird in verschiedenen Varianten seit 2010 vom russischen Hersteller Zala Aero gebaut. Sie dient, je nach Variante, der Aufklärung, Zielmarkierung, Strahlen- oder Gasanalyse. Im Ukraine Krieg übernimmt sie oft die Aufgabe, auf knapp einem Kilometer Höhe Stundenlang zu fliegen und die Gegend zu beobachten. Die Piloten sitzen in einem Kommandostand, Dutzende Kilometer entfernt, und sehen die Daten auf ihrem Monitor vorbeiflattern. Wenn sie ein aus ihrer Sicht lohnenswertes Ziel sehen, wird es den Killerdrohnen oder Soldaten auf dem Boden gemeldet. Die Zala wurde an der ukrainisch-russischen Grenze zwischen Sumy und Kursk vom 1. Panzerbatallion der Ukraine durch elektronische Kriegsführung erbeutet. Dort markiert die russische Armee auch Rettungswagen, Linienbusse und Evakuierungsfahrzeuge als „Lohnenswerte Ziele“.
Was fanden wir in der Drohne?
Die Drohne besteht aus dem Rumpf sowie zwei abnehmbaren Flügeln. Im Vergleich zu den unglaublich billigen 100€ Molnya Drohnen oder den sehr billigen 500€ FPV Drohnen sieht man den Unterschied zur 100.000€ teuren Zala. Alles ist ordentlich gearbeitet, die Steckverbindungen sind sehr präzise, die Verbindungen zwischen elektronischen Komponenten sitzen exakt. Jedes Kabel ist exakt so lang wie nötig und wird durch Schächte oder Kabelklemmen am richtigen Ort gehalten.
Kameras

Die Zala Drohne verfügt über zwei Kameras, welche ungleicher kaum sein könnten. Eine einfache USB-Kamera, welche eine Rundumsicht nach oben bietet, und eine dreh- und schwenkbare Zoomkamera, welche nach unten zeigt. Die nach oben zeigende USB-Kamera von 2023 soll vermutlich nach ukrainischen Drohnen Ausschau halten. Die nach unten zeigende Kamera hat 25 Megapixel und verfügt über einen 25x optischen Zoom. Damit kann man auf eine Entfernung von mehreren Kilometern die Silhouette eines Fahrzeugs erkennen, oder auf einen Kilometer die Kleidung eines Menschen identifizieren. Doch dafür muss ein Mensch vor dem Monitor sitzen und permanent das Video überwachen. Da Russland seit 2022 rund 1,4 Millionen Soldaten verloren hat, sind diese aber knapp. Ein KI-System könnte also Teile der Aufgaben übernehmen.
KI System von Nvidia

Das amerikanische Unternehmen Nvidia ist einer der größten Profiteure des KI-Booms. Der Aktienkurs hat sich in nur vier Jahren mehr als verzehnfacht. Laut eigenen Angaben sind sie „der weltweit führende Anbieter von KI-Cloudcomputing“. In der russischen Zala Drohne fanden wir den TX2-A (Jetson Tegra X2) KI-Chip mit 8GB RAM. Ein ernstzunehmendes KI-System, welches, im Gegensatz zu den KI-Assistenten auf dem Handy, keinen Kontakt zu einem Rechenzentrum braucht, um seine Aufgaben zu erfüllen.
Die KI kann so zum Beispiel im Überflug Fahrzeuge und Personen erkennen und auch Details wie militärische Markierungen, Kennzeichen oder Drohnentypen erkennen. So kann die KI vorsortieren, welche Ziele angegriffen werden können. Theoretisch ist auch ein autonomer Betrieb denkbar, in dem die KI das Ziel eigenständig auswählt und an bewaffnete Drohnen oder Soldaten am Boden meldet. Derzeit ist dies wohl nicht der Fall. Das System verfügt über leistungsfähige Sender für seine Daten.
Detektor für ukrainische Drohnen?
In einem der Flügel befindet sich ein 5,8GHz Empfänger, welcher aufgrund des Aufbaus der Platine nur einen Rückschluss zulässt: Damit wird nach dem Videosender ukrainischer Abfang-Drohnen in diesem Frequenzband gesucht. Die Zala selber kann keine Gegenmaßnahmen einleiten, aber der Pilot kann informiert werden und dann per Kamera nach den Abfang-Drohnen suchen und diesen ausweichen.
Sender und Empfänger
Einige der Sender und Empfänger in der Drohne sind als einzelne Pakete aufgebaut, welche so wohl auch in anderen Drohnen verbaut werden. So gibt es zum Beispiel ein Bauteil, welches die GPS/Glonass Positionsdaten empfängt und diese direkt an ein Funkmodul weiterreicht. Das wiederum sendet die Telemetriedaten der Drohne Dutzende Kilometer weit. Beide Komponenten sind dabei direkt auf eine flache Antenne montiert, welche als ganzer Bauteilblock in den Flügel eingebaut werden kann. Interessant ist dabei, dass nicht auf LoRa gesetzt wird, sondern auf den mehr als zwanzig Jahre alten Vorgänger FSK.
SDR und FPGA

Den Hauptteil der Kommunikation übernimmt ein SDR-Modem, welches einen Zynq FPGA und Analog Devices (ADM3202) Frontend nutzt. Dies kann auf mehreren Frequenzen Daten senden. Mit der Hardware könnte es auch möglich sein, ein Meshradio in der Zala zu realisieren. Dieses System ist resistent gegen Störsender (Jamming) und erschwert es Detektoren, die Drohne zu finden.
RS232/RS485 stirbt nicht aus
Da viele der Komponentenblöcke so auch in anderen Drohnen zum Einsatz kommen, müssen sie standardisiert miteinander kommunizieren können. Vermutlich fiel die Wahl bei der Zala auf daher auf den gerne genutzte und soliden RS485 Anschluss. Die verbauten Chips würden auch den 66 Jahre alten RS232 Standard beherrschen. Dieses Protokoll ist nicht für große Datenmengen geeignet, aber exzellent, um einfache Steuerdaten zwischen verschiedensten Bauteilen auszutauschen.
500GB Festplatte
Der Heilige Gral der Datensammler dürfte eine Festplatte aus fremden Geräten direkt von der Front sein. In der Drohne befand sich eine 500GB Samsung Festplatte. Dies wird derzeit, zusammen mit weiteren Komponenten, ausgewertet.
Fallschirm, Ventilator und Airbag

Auf der Unterseite der Drohne befindet sich eine Klappe, hinter der sich der Fallschirm befindet. Diese kann durch ein Servo entriegelt werden. Durch die Schwerkraft wird die Klappe etwas geöffnet, dann wird sie vom Fahrtwind erfasst und fliegt weg. Gleichzeitig wird der Fallschirm nach hinten gezogen, der die Drohne bremst, bis sie in den Fall übergeht. Der Fallschirm ist bereits mit den Flügeln und dem Rumpf verbunden und lässt die Drohne anschließend nach unten gleiten. Dies ist ein recht normales Setup bei Drohnen dieser Art.

Seltener ist der Airbag, der sich zwischen dem Fallschirm und dem Rumpf befindet. Er ist per Klettverschluss befestigt und wird von einem Lüfter aufgeblasen. Er ist ca. einen Meter lang und 30 Zentimeter hoch. So kann die Drohne immer wieder sicher landen.
Updates (29.06.2026)
Präzise gearbeitet

Bei der gesamten Drohne fällt die hochwertige Verarbeitung auf. Alle Gehäuse, Kabel, Stecker, Klappen, Servos usw. sind ordentlich montiert und für den jeweiligen Zweck mit dem 3D-Drucker produziert oder gefräst. Ein Beispiel ist dieses Gehäuse mit Kühlrippen. Oben im Bild sind zwei Antennen angeschlossen. Damit diese nicht wackeln, reicht der Gehäusedeckel bis über die Antennenstecker hinaus. Dort hat diese Verlängerung eine Nut, in die genau die Kabelbinder passen, mit denen die Antennenstecker gegen Verrutschen gesichert werden.
Ähnlichkeit zur Lancet
Viele der verwendeten Komponentengruppen finden sich auch in der Loitering-Munition „Lancet” desselben Herstellers. Das bestätigt die Theorie, dass diese Baugruppen vielseitig eingesetzt und per RS485 bzw. RS232 verbunden werden.
Beim Fotovergleich konnten wir beispielsweise die gleiche Baugruppe finden, die das GPS-Signal annimmt, auswertet und die Koordinaten per Funk weitergibt.
Nvidia Forum
Mastodon Benutzer Davi Ottenheimer wies uns auf diesen Thread im NVIDIA Forum vom Juni 2018 hin. Damals fragte ein Benutzer:
Wie kann ich mit dem Jetson TX2 Developer Kit eine Drohne bauen?
Ich möchte mit dem Jetson TX2 Developer Kit eine Drohne bauen. Konkret geht es um eine Drohne zur Erkennung von Waldbränden mithilfe des TX2-Boards. Ich versuche, eine Drohne zu bauen, die sowohl als Drohne als auch mit dem TX2 funktioniert, anstatt beides separat zu nutzen. Gibt es dazu vielleicht einschlägiges Material oder Dokumentationen?
Falls Sie weitere Ratschläge haben, würde ich mich sehr darüber freuen.
Vielen Dank.
Es gab einige Hilfreiche Links. Daraufhin Antwortete drei Jahre später, Im März 2021 antwortete ein weiterer Nutzer mit der Frage:
Gibt es eine Anleitung dazu, wie man den Jetson TX2 an einer Drohne einsetzt, bei der der Jetson mithilfe einer Wärmebildkamera Menschen erkennt?
Genau solche Szenarien sehen wir nun an der ukrainischen Front.
Identifizierte Teile
Folgende relevante Teile haben wir in der Zala 421 Drohne gefunden:
- Nvidia Jetson Tegra X2
- STmicro STM32F103
- Xilinx Zynq XC7Z020
- NXP LPC2368FBD100
- Maxim max3160
- ublox lea m8s-0-10
- Texas Instruments DS90UB940-Q1
- Analog Devices ADM3202
- Semtech XE1205
- SAW Components B3725
- SAW Components B3588
Nicht identifizierte Teile
Dieses Bauteil konnten wir nicht genau identifizieren. Es müsste ein keramischer HF Filter sein – hat jemand eine Idee welcher?

Die Kamera kommt laut Aufschrift von Zala – ähnelt aber vielen Modellen anderer Hersteller. Wo könnte das eingekauft worden sein?

Dieser Artikel gibt also nur den Zwischenstand der Analyse der Zala 412 wieder, es werden weitere folgen. Unsere anderen Analysen finden Sie in der Kategorie „Know Your Enemy“.