Russische Drohne mit Laser
„Hier ist noch eine kaputte Beobachtungsdrohne der Russen, die wir gestern abgeschossen haben“, sagt mir Andrej, während wir an der Front bei Vovchansk Kaffee trinken. Auf der Motorhaube steht mein Drohnenscanner, der die ganze Zeit Alarm schlägt. Fünfzehn Kilometer weiter steht die russische Armee. Vor uns sitzen zurückgelassene Hunde, die die verbliebenen Menschen beobachten. Die Drohne hat fünf Propeller und mehrere Flügel, mehr konnte ich nicht erkennen. Also kam sie mit in den Berlin Story Bunker zur Analyse. Und das haben wir bisher herausgefunden:

Im Bunker packen wir die Tüten und Teile aus. Dazu gehören drei Flügeldrohnen (UAV), acht Quadcopter (FPV) sowie ein Umzugskarton mit kleineren Teilen wie Funkgeräten, Motoren und Ähnlichem. Es wirkt vielleicht etwas chaotisch, aber auf unseren Reisen durch die Ukraine läuft nicht immer alles nach Plan. Oft muss es schnell gehen und immer wieder wird einem unverhofft etwas in die Hand gedrückt.
„OK, also das ist die UAV (unmanned aerial vehicle)“, sagt der Analyst und zieht sie aus dem Karton. „Mit einer Thermalkamera, optisch … Und ist das ein Laser-Zielsystem?!“ Später stellt sich heraus: Ja, ist es. Nach der ersten Analyse des Rumpfes steht fest: Diese Drohne ist eine typische Mischung aus hochwertiger Militärhardware, die mit Heißkleber und Bastelteilen kombiniert wurde.
Militärtechnik und Heissklebepistole

Der Rumpf ist sehr leicht, aber stabil gebaut. Er besteht teilweise aus Carbon, teilweise aus Glasfaser und Kunststoff. Er ist relativ breit und bietet viel Raum für Technik. Direkt fallen die sehr dicken Kabel mit XT-90-Stecker auf, die hier statt der im Drohnenbau verbreiteteren XT-60-Stecker verwendet werden. Das heißt also, dass hier irgendetwas richtig viel Strom frisst. An der Nase der Drohne befinden sich ein großer Motor mit einem Propeller aus Holz, eine kleine Kamera, die nach vorne blickt, sowie eine sehr große Kamera mit drei Optiken am Gimbal, die nach unten zeigt. Die dicken Kabel gehen jedoch in die Flügel. „Wo ist der Flügel? Hier sind welche, aber die passen nicht.“ Wir suchen und finden den passenden Flügel. An dem Flügel sind zwei klappbare Rotoren, je einer nach vorne und einer nach hinten. Es handelt sich also um eine Kombination aus Flugzeug und Quadcopter, die auch als VTOL-Drohne oder Hybriddrohne bezeichnet wird. Diese gibt es von vielen Herstellern, aber aufgrund der teureren und komplexeren Technik sind sie nicht besonders verbreitet. Warum also so etwas verwenden?
Wofür wird die Drohne genutzt?
Diese Drohnen werden zur Beobachtung des Geschehens am Boden eingesetzt. Ihre Aufgabe ist es, Ziele für andere Drohnen, Artillerie und Raketen zu finden. Oft fliegen sie mit einem Abstand von ein bis zwei Kilometern zum Geschehen. Ihre stabilisierte Kamera sucht nach Zielen und behält diese im Auge. Da die Akkulaufzeit begrenzt ist, muss die Drohne so nah wie möglich am Geschehen und gleichzeitig so weit wie nötig davon entfernt gestartet werden. Der Start vom Boden und das Aufnehmen von Geschwindigkeit verbrauchen dabei enorm viel Energie. Um diese zu sparen, werden die Drohnen meist mit einem Katapult gestartet. Entweder auf einem Lkw mit Elektrik oder mit Gasdruck. Eine weitere Möglichkeit ist eine Art riesige Steinschleuder. Die Drohnen haben eine Spannweite von drei bis vier Metern, entsprechend groß ist die Schleuder. In der Regel gibt es ein Team, das die Drohne startet, und ein anderes, das sie aus sicherer Entfernung steuert. Das Team, das die Drohne startet, muss also den Transporter anhalten, das Startkatapult aufbauen und die Drohne zusammenbauen. In der Regel können die Flügel und das Heck mit wenigen Handgriffen abgenommen werden. Wenn alles zusammengebaut ist, muss die Drohne gestartet werden, das Katapult wird abgebaut und es geht weiter. Aber genau während dieser Zeit ist man ein sehr leichtes Ziel. Man hält sich oft fünf bis zehn Minuten an einem Ort auf – eine Ewigkeit auf dem freien Feld nahe der Front. Daher ist es sicherer, die Drohne wie einen Hubschrauber zu starten und dann wie ein Flugzeug weiterfliegen zu lassen – was wiederum die Flugzeit verkürzt. Am Ende ist es immer ein Kompromiss zwischen Sicherheit, Gewicht und Flugzeit.
Wir nehmen die elektronischen Komponenten aus dem Rumpf und sehen sie uns genauer an. Die Frontkamera ist recht einfach aufgebaut. Mit dieser muss der Pilot lediglich erkennen können, wohin er fliegt. Sie stammt jedoch aus dem Jahr 2022 und solche Kameras werden in großen Mengen produziert und schnell verbraucht. Die Drohne ist daher vermutlich seit drei Jahren im Einsatz. Das würde zur allgemeinen Erscheinung passen. Sie wurde immer wieder geflickt und es wurde etwas angebaut.
Komponenten Identifizieren

Die große Kamera am Gimbal ist spannender und lässt sich schnell identifizieren. Laut Hersteller ist sie mit einem Bildsensor von Panasonic und einem zehnfachen optischen Zoom ausgestattet. Die zweite Kamera ist eine hochauflösende Wärmebildkamera. Das dritte Gerät ist ein Infrarot-Laser-Rangefinder mit einer Reichweite von 1,5 km. Die so entstehenden Daten werden von einer künstlichen Intelligenz direkt verarbeitet und für den Benutzer aufbereitet. Der Hersteller wirbt mit einer Erkennungsreichweite von 800 Metern für Personen und 2.500 Metern für Fahrzeuge. Bis zu zehn Personen oder Fahrzeuge können automatisch verfolgt werden. Kombiniert man alle Systeme, so kann man eine Person oder ein Fahrzeug also per Kamera erkennen lassen. Dann misst der Laser die Entfernung und andere Sensoren den Winkel, in dem der Laser das Ziel anvisiert. Daraus lässt sich die genaue Position des Ziels errechnen. Diese Informationen werden dann an die Artillerie, Kampfflugzeuge oder Hubschrauber weitergeleitet, die das Ziel daraufhin angreifen.
Die russische Hybriddrohne verfügt auch über einen GPS-Empfänger, der die Signale der Systeme GPS, aber auch Beidou, Galileo und GLONASS empfangen kann. Dieser ist nötig, um die eigene Position genau zu bestimmen und die des Ziels exakt berechnen zu können. Überraschend war im ersten Moment, dass es sich um einen etwas teuren Empfänger mit RTK-Funktion handelte. In russischen Drohnen ist meist das billigste Modell verbaut. RTK steht für „Real-Time Kinematic” (Echtzeitkinematik) und bezeichnet eine Technik, die die Genauigkeit von GPS-Positionen erheblich verbessert. Man kann eine kleine „Bodenstation“ in der Größe eines Taschenbuchs betreiben, die an einem zuvor exakt vermessenen Punkt steht. Sie sendet dann ein exaktes Positionierungssignal, das wenige Kilometer weit reicht. In diesem Umkreis kann die Drohne dann zentimetergenau gesteuert werden, was wiederum die Einmessung eines Ziels stark verbessert.
Doch welche Drohne ist es genau?
„OK, aber was ist es?“, fragt der Analyst. Ich weiß es genauso wenig. „Sie erinnert etwas an eine Orlan vom Rumpf her, aber auch an eine Zala 421 vom Aufbau“, meine ich. „Schon, aber die ist ja dünner, hat den Propeller hinten und die Orlan sieht anders aus.“ Wir sehen uns an und grübeln. Also holen wir die Laptops heraus. Eine Stunde lang hört man nur das Tippen auf den Tastaturen und ab und zu ein „Ahhhh, nein, doch nicht.“ Am Ende haben wir alle öffentlichen Listen, AliExpress, die verschiedenen KI-Assistenten und Chats mit anderen Leuten durch, aber wir kommen zu keinem Ergebnis. Das ist neu. Meistens dauert es nur Minuten, eine Drohne zu identifizieren. „Puh … Aber man sieht ja auch, dass die Quadcopter-Funktion nachgerüstet ist. OK, ich hole die Klemmen, dann schließen wir die Kabel an den Speicher an und lesen wir die Firmware aus und wissen mehr!“ sagt der Analyst und verschwindet im Nebenraum. Wenn er zurück ist, wissen wir mehr.
Dies ist der bisherige Zwischenstand für alle Interessierten. Mehr Artikel zu diesem Thema finden Sie in unserer Kategorie „Know your Enemy“.