Alex Pineschi war ein Jahr jünger als ich, aber in allem so viel erfahrener. In seiner Heimat Italien gehörte er zur traditionsreichen Gebirgstruppe Alpini-Brigade „Julia“. Er rettete Menschen in Kurdistan, bildete Personenschützer aus, verteidigte die Ukraine. Wir kannten uns und ich vermisse ihn.

Wir lernten uns vor mehr als zehn Jahren in Kurdistan kennen. Ich berichtete von dort, während er kurdische Spezialkräfte für den Anti-Terror-Einsatz ausbildete. Alex bereitete den IS-Kämpfern Albträume, wurde von den kurdischen Soldaten respektiert und von den Kindern in den Camps geliebt. Er war ein herzlicher und netter Mensch, der aber wie der Terminator ein Haus voller Terroristen räumen konnte. Er schützte viele Menschen vor Ort – auch mich.
Wir trafen uns abseits der Front im Café, um zu reden, zum Zeit verbringen, um über die Welt und alles zu reden. Er war spannend, aber nie überheblich. Er erzählte gerne von den Menschen, die er traf, und freute sich, wenn er helfen konnte. Als ich Geld für ein humanitäres Projekt in Kurdistan sammelte, spendete er einen seiner im Einsatz getragenen Helme. Wir versteigerten ihn an einen Sammler. Den Erlös spendete ich an ein jesidisches Waisenhaus, in dem die Opfer des IS wohnten.

Alex Pineschi war in Italien und in Fachkreisen der Sicherheits-Community über die Jahre hinweg eine bekannte Persönlichkeit.
Nach seiner Rückkehr aus Kurdistan gründete er das Trainingszentrum APTEC in der Lombardei. Dort bot er spezialisierte Schulungen in den Bereichen Schießausbildung, Einsatztaktik und Personenschutz für Privatpersonen sowie Angehörige des Sicherheitssektors an.
Er verarbeitete seine intensiven Erfahrungen im Nahen Osten schriftlich. Im Jahr 2021 veröffentlichte er das autobiografische Buch „Peshmerga: Di fronte alla morte“ (Peshmerga: Im Angesicht des Todes), in dem er seinen persönlichen Weg und seinen militärischen Werdegang beschrieb.
Seine Geschichte erregte in Italien mediales Aufsehen. Er trat in bekannten Fernsehformaten, wie der Sendung „Nemo“ auf und teilte taktisches Wissen sowie Einblicke in seine Einsätze über YouTube und andere soziale Netzwerke.
Nach seinem Einsatz in Kurdistan ermittelten die italienischen Behörden zunächst gegen ihn wegen des Verdachts auf Söldnertum. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Der Fall war in Italien beispielgebend, da die Justiz offiziell anerkannte, dass er aus idealistischen Motiven als freiwilliger Kämpfer und nicht aus finanzieller Motivation (als Söldner) gehandelt hatte.
Als Russland die Ukraine überfiel, zögerte Alex nicht. Getrieben von demselben Gerechtigkeitssinn, der ihn schon nach Kurdistan geführt hatte, packte er seine Sachen. Erneut halft er Menschen bei der Verteidigung ihrer Heimat, nachdem sie von einem mächtigen Feind überfallen worden waren. Auch hier wurde er als herzlicher, professioneller und lustiger Mensch wahrgenommen.
Am 23. Mai 2026 fiel Alex bei Lyman. Er wurde 42 Jahre alt.
Er hinterlässt eine Lücke bei all jenen, die das Privileg hatten, ihn in den dunkelsten Stunden der jüngeren Geschichte kennenzulernen. Sein Mut und sein Opfer werden unvergessen bleiben.
Mein tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen Kameraden, die ihn auf seinem Weg begleitet haben.
Ruhe in Frieden, Alex.