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Museale Darstellung des Krieges zum Zeitpunkt des Krieges

Unmittelbar nach den schwersten Angriffen des Jahres auf die ukrainische Hauptstadt Kiew fand im Schatten der 102 Meter hohen Statue „Mutter Ukraine” eine Museumskonferenz statt. Bereits 2023 gab es eine Konferenz in der ostukrainischen Stadt Charkiw, jedoch ohne so viele internationale Gäste. 

Hannah Maljar bei der Konferenz im Nationalen Museums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg
Hannah Maljar bei der Konferenz im Nationalen Museums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg

Unter dem Titel „Museumspraktiken und Transformationen in der Berichterstattung über den Zweiten Weltkrieg” kamen dieses Mal führende Denker, Museumsdirektoren und Experten aus aller Welt zusammen, um über die Neuausrichtung der Erinnerungskultur in Zeiten akuter Bedrohung zu debattieren. Zwei Tage lang wurde auf Panels, beim Kaffee und im Schutzraum während der Luftangriffe diskutiert. 

Anerkennung für wegweisende Aufarbeitung

Enno Lenze. Foto: Hannah Maljar bei der Konferenz im  Nationalen Museums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg
Enno Lenze. Foto: Hannah Maljar bei der Konferenz im Nationalen Museums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg

Dass die Aufarbeitung von Kriegs- und Konfliktgeschichte längst keine rein nationale Angelegenheit mehr ist, zeigten die Beiträge und Diskussionen der führenden Akteure. Ein besonderes Schlaglicht fiel dabei auf unsere Vorreiterrolle bei der Aufarbeitung des Konflikts. Die frühere stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Hanna Maljar lobte in einem 15-minütigen, engagierten Vortrag die Arbeit des Ukraine-Museums im Berlin Story Bunker. Sie hob hervor, wie präzise und wirkungsvoll die Realität des modernen Konflikts dort einem internationalen Publikum zugänglich gemacht wird. Zu Beginn des Krieges arbeitete sie sechs Monate lang mit Präsident Zelensky im „War Room“ zusammen und war maßgeblich an der Verteidigung der Ukraine beteiligt. Sie regte an, den abgeschossenen russischen T-72-Panzer vor die russische Botschaft in Berlin zu stellen, und eröffnete das Ukraine-Museum im Berlin Story Bunker am 24. Februar 2026.

In ihrem Vortrag regte sie andere Museen an, ebenfalls den Kontakt zum ukrainischen Militär zu suchen, um eigene Ausstellungen zu gestalten.

Der ehemalige NATO-General und OSZE-Mitarbeiter Gerard Boink dankte der Berlin Story ausdrücklich für die spektakuläre Leihgabe und die Unterstützung rund um den zerstörten T-72-Panzer. Dieser wird als eindringliches Mahnmal gegen den Krieg in den Niederlanden ausgestellt und dies wird auch weiterhin so bleiben. Boink kennt die Ukraine gut, war viel im Donbas und fühlt sich ihr weiterhin sehr verbunden.

Zwischen historischem und aktuellem Krieg

Die Konferenz machte deutlich, wie fließend die Grenzen zwischen historischer Dokumentation und dem Erleben der Gegenwart geworden sind. In Panel-Diskussionen wie „Wenn die Gegenwart Geschichte wird: Memorialisierung traumatischer Ereignisse der Neuzeit“, an der ich teilnahm, wurde erörtert, wie Museen heute im „Echtzeit-Modus“ agieren müssen. Viele der größeren Organisationen benötigen Jahre, um Interviews vor Ort aufzuzeichnen, diese zu transkribieren und ein Buch daraus zu machen. Unser Buch „Slava Ukraini“ ist bereits in der dritten Auflage erschienen. Die Interviews gibt es hier online, mehrsprachig. 

Wir arbeiten weiter daran, historische und aktuelle Kriege im Museum, online und in Ausstellungen zu thematisieren, und wir helfen anderen Organisationen dabei. Die Konferenz war eine gute Gelegenheit, Kontakte aufzubauen und zu vertiefen. Es ist davon auszugehen, dass sie im kommenden Jahr wiederholt wird.