Ein neuer Bericht des norwegischen Corisk-Instituts und des Instituts für Internationale Angelegenheiten (NUPI) behandelt verschiedene Szenarien: Wie teuer wird es, wenn Russland gewinnt? Wie teuer, wenn die Ukraine gewinnt? Die Frage ist vielschichtig und geht weit über die Wirtschaft hinaus. Aber die Antwort ist einfach: Ein Ukrainischer Sieg ist auch wirtschaftlich besser.

Der Krieg in der Ukraine befindet sich in einer kritischen Phase. Während die USA ihre finanzielle und militärische Hilfe weitgehend eingestellt haben und „Friedensgespräche“ im Nichts enden, steht Europa mittendrin. Aber Planlos. Der neue Report analysiert zwei Szenarien für die Jahre 2026 bis 2029 und kommt zu einem eindeutigen, Ergebnis: Nichts tun ist die teuerste aller Optionen.
Szenario 1: Der teure Preis eines russischen Sieges
Das erste Szenario geht davon aus, dass Europa die Unterstützung auf dem aktuellen Niveau fortsetzt, was militärisch nicht ausreicht, um die russischen Terroristen aufzuhalten. In diesem Fall würde Russland schrittweise militärische Überlegenheit erlangen, weiter in Richtung Westen vorrücken und der Ukraine einen Diktatfrieden aufzwingen.
Die Folgen für die EU wären geopolitisch verheerend und finanziell verheerend. Die Autoren prognostizieren eine neue Fluchtwelle von 6 bis 11 Millionen Ukrainern Richtung Westen. Allein die Kosten für die Aufnahme und Integration dieser Flüchtlinge würden sich im ersten Jahr auf bis zu 275 Milliarden Euro belaufen.
Noch gravierender wären die sicherheitspolitischen Kosten. Ein russischer Sieg würde militärische Ressourcen für andere Kriege freigeben – dazu käme die Zwangsrekrutierung ukrainischer Männer. Das würde vor allem das Baltikum, Finnland und den hohen Norden bedrohen. Um eine glaubwürdige Abschreckung wiederherzustellen, müsste Europa seine Verteidigungsausgaben drastisch erhöhen. Die Gesamtkosten dieses Szenarios werden auf 1,2 bis 1,6 Billionen Euro über vier Jahre geschätzt. Ironischerweise entspräche das 2% des BIP der EU – also dem bisher angestrebten 2%-NATO-Ziel.
Szenario 2: Der Weg zum ukrainischen Sieg
Das Alternativszenario behandelt das Szenario eines Ukrainischen Sieges. Sie sollte durch massive europäische Aufrüstung militärische Überlegenheit erlangen. Dies würde es Kyiv ermöglichen, besetzte Gebiete zurückzuerobern und Putin an den Verhandlungstisch zu zwingen.
Dafür reicht es aber nicht 5.000 Helme und ein paar Drohnen zu schicken. Nötig wäre ein Gefecht der verbundenen Waffen („Combined Arms“). Konkret bedeutet dies die Lieferung von 1.500 bis 2.500 Kampfpanzern, bis zu 3.000 Artilleriesystemen und eine massive Ausweitung der Luftverteidigung. Deutschland plant derzeit die Produktion des Leopard 2A8 auf 58 Stück im Jahr zu steigern. Zusammen mit den anderen EU-Nationen könnte man also auf 200 Panzer im Jahr kommen und somit bis 2038 die Bestellung bedient haben. Ein Düsteres Szenario.
Obwohl diese Investitionen initial hoch erscheinen, sind sie langfristig die günstigere Option. Die Gesamtkosten für dieses Szenario werden auf 500 bis 800 Milliarden Euro über vier Jahre veranschlagt. Ein ukrainischer Erfolg würde zudem die Rückkehr von bis zu 1,5 Millionen Flüchtlingen ermöglichen und die Sicherheitslage Europas stabilisieren, was die Notwendigkeit extremer eigener Aufrüstungsschritte dämpfen würde.
Die militärische und ökonomische Realität Russlands
Entgegen der russischen Propaganda wackelt Moskaus Kriegsmaschinerie gewaltig. Die Analyse der russischen Wirtschaft deutet auf eine Rezession in den Jahren 2025 und 2026 hin. Die Sanktionen wirken – auch wenn sie löcherig sind: Russland hat den Großteil seiner modernen Panzerreserven aufgebraucht. Laut Report gab es 2022 3.300 einsatzbereite Panzer – plus rund 10.000 in verschiedenen Zuständen. Im Jahr 2026 wird die Zahl auf ca. 2.250 sinken, wobei die Qualität stetig abnimmt.
Die russische Rüstungsindustrie leidet unter Arbeitskräftemangel und dem erschwerten Zugang zu westlichen Komponenten. Wir haben viel russische Technik untersucht und fanden Bauteile aus der EU und den USA.
Finanzierung und Schlussfolgerung
Die Autoren des Reports argumentieren, dass die EU die Lücke füllen muss, welche die USA hinterlassen haben. Eine Schlüsselrolle könnte dabei die Konfiszierung der in Europa eingefrorenen russischen Vermögenswerte in Höhe von rund 300 Milliarden Euro spielen. Diese Mittel könnten fast die Hälfte der Kosten für einen ukrainischen Sieg decken.
Zudem haben europäische NATO-Staaten durch das neue 3,5%-Ziel für Verteidigungsausgaben ohnehin Budgeterhöhungen vor sich. Ein Teil dieser Mittel könnte direkt zur Verteidigung der Ukraine eingesetzt werden, was effizienter wäre als eine spätere, hastige Aufrüstung der eigenen Grenzen.
Die ökonomische Logik ist einfach: Ein russischer Sieg würde Europa langfristig bis zu 1,8 % des BIP kosten, während ein ukrainischer Sieg mit maximal 0,9 % des BIP zu Buche schlägt.