Jahresrückblick 2025
Liebe Freunde der Berlin Story,
während der Tourismus in Berlin schwächelt, strömen in diesem Jahr 24 Prozent mehr Besucher zu uns – ein klares Zeichen, dass unser Engagement wahrgenommen wird. Monat für Monat sind wir direkt in der Ukraine vor Ort, um zu helfen und von dort zu berichten, wo der Krieg für viele längst aus dem Fokus gerückt ist. Wie Sie uns unterstützen können, erfahren Sie am Ende dieses Newsletters.
Gleichzeitig erleben wir, wie kleine Verlage aufgeben und Kultureinrichtungen über Kürzungen klagen. Wir nicht. Wir haben noch nie einen Cent öffentliches Geld erhalten und sind trotzdem da. Wir stehen für das ein, woran wir glauben: Während andere Antisemitismus als gut bezahlten Job betrachten, gehen wir auf die Straße und stellen uns ihm entgegen.
Berlin Story gegen den Trend

Die Berliner Tourismuszahlen sind ein Trauerspiel. Der Tourismus in Berlin hat weder das Ergebnis von 2024 noch von 2019 erreicht. Im Vergleich zum Referenzjahr 2019 vor Corona fehlen am BER über 25 Prozent der Fluggäste, 10 Millionen. In diesem Jahr kommen sechs Prozent weniger Touristen aus dem Ausland, die bei uns 70 Prozent der Besucher ausmachen. Der Tourismus ist unsere Schwerindustrie, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner – etwa zu der Zeit, als er uns im Sommer besuchte.
Warum kommen so viele Besucher in den Bunker? Es liegt an unserem Thema Nationalsozialismus, dem Bunker als historischem Ort am Anhalter Bahnhof, also Hitlers Regierungsbahnhof. Vor allem liegt es aber an der Qualität. Da sind wir uns aufgrund der vielen Gespräche mit Besuchern sicher, und Götz Aly bestätigt es.
Warum Götz Aly uns lobt

Unsere Besucher spüren, dass wir keine verstaubte Gedenkstätte sind. Wir nehmen unser Publikum ernst – und das ist keine Floskel. Bestätigt hat uns das kürzlich niemand Geringeres als der Historiker Götz Aly. Im einem Podcast fand er deutliche Worte.
Götz Aly bezeichnete unsere Dokumentation als „die einzige wirklich gute Ausstellung“ zu diesem Thema. Er lobte, dass wir uns – „ohne einen Euro öffentliches Geld“ – einer zentralen Frage widmen, die in keiner einzigen staatlichen Gedenkstätte beantwortet wird: Wie entsteht der Teufelspakt zwischen Volk und Führung? Während staatliche Gedenkstätten oft so fragmentiert arbeiten, bis der große Zusammenhang verloren geht und, wie Aly sagt, „niemand mehr hingeht“. Journalisten meinen, es sind freudlose wissenschaftliche Arbeiten, in deren hübschen Materialsammlungen jedes Gefühl abstumpft. Der Bunker dagegen, sagt Götz Aly, bieten einen Ort, der das komplexe Ineinandergreifen des Geschehens zeigt.
Er nannte unsere Ausstellung zwar „wenig perfekt“ (was wir als Kompliment für Authentizität statt steriler Hochglanz-Pädagogik nehmen), aber genau diese Ausstellung habe ihn ermutigt, sein aktuelles Buch zu schreiben. Darauf sind wir stolz. Den Titel dafür, „Wie konnte DAS geschehen?“, hat er übrigens, wie er selbst sagt, „quasi konsensuell“ von uns übernommen. Wir waren der Zeit voraus, denn zwei neue Tafeln zu seinem Buch hingen schon, bevor das Buch überhaupt erschienen war. Wir durften das Manuskript vorab lesen. In der Bunkerbuchhandlung gibt es sein herausragendes Buch mit Themen wie: Wie haben die Nazis Privilegien verteilt? Wie viele Deutsche haben profitiert? Wie wurde aus der Volksgemeinschaft eine Verbrechensgemeinschaft? Warum beteiligten sich Hunderttausende an beispiellosen Massenmorden?
Wie Sven Felix Kellerhoff in der WELT in einem Beitrag über Hitlers angebliche Krankheiten kürzlich sagte, sind wir die einzige Ausstellung in Deutschland, die sich tatsächlich mit Hitler befasst – man könnte präzisieren: weltweit. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Und er sagt: Es gibt sonst kein deutsches Geschichtsmuseum durchgehend von Bismarck bis Trump, Xi und Putin.
Wir muten unseren Besuchern Komplexität zu. Als eine Museumspädagogin neulich vorschlug, den Holocaust-Bereich hinter einem Vorhang zu verbergen, um Besucher zu schonen, haben wir entschieden abgelehnt. Wir behandeln unsere Besucher wie Erwachsene. Wir zeigen die Realität, keine weichgespülte Version.
Längere Besuchszeit nach radikalem Umbau

Es kommen so viele Menschen, weil wir am Puls der Zeit bleiben. Wir haben den Bunker nach intensiver Diskussion mit mehreren Historikern radikal umgebaut. Insbesondere Prof. Thomas Weber legte nahe, die Geschichte der Demokratie der Bundesrepublik herauszuarbeiten. Er hat sich damit beschäftigt, wie aus einer Demokratie eine Diktatur werden kann. Von der Frage „Wie konnte es geschehen” (NS-Zeit) führen wir die Besucher nun direkt in das neue Museum „Deutschland heute”. Wir stellen genau diese Fragen: Wie entstand unsere Demokratie? Wie konnte sie in den 1970ern eine Wahlbeteiligung von mehr als 90 Prozent erreichen? Und vor allem: Kann sich die liberale Demokratie bei uns und weltweit halten?
Dadurch hat sich die durchschnittliche Besuchszeit von knapp drei auf vier Stunden erhöht. Das ist keine Erfindung von uns, sondern wird von Google gemessen. „Durchschnitt” bedeutet, dass die Hälfte der Besucher länger da ist.
Google ist für uns auch ein wichtiges Qualitätskriterium. Bei mehr als 6.000 Bewertungen haben wir 4,7 von 5 Punkten erreicht. Das ist für uns wertvoller als ein Kommentar im Historischen Jahrbuch. Die Google-Bewertungen kann jeder auf Maps nachlesen. Wir sind keine passiven Beobachter. Wir beziehen Stellung. Das gilt auch für unser Team. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spiegeln wider, was Berlin sein kann. Wir haben Ukrainerinnen im Team, wir haben Kolleginnen aus Griechenland und vielen anderen Ländern. Es bilden sich Cluster, Freundinnen werden mitgebracht. Warum? Weil der Bunker ein „Safe Space“ ist – nicht im ideologischen, sondern im menschlichen Sinne. Egal wie man drauf ist, woher man kommt: Niemand stellt blöde Fragen, niemand lästert. Das ist soziale Sicherheit. Das berichten uns die Mitarbeiterinnen, wenn sie sich mit Freundinnen aus anderen Unternehmen getroffen haben.
Historische Detektivarbeit mit KI

Künstliche Intelligenz und „Madame Kitty“: Das Gemälde der Betreiberin des berüchtigten Nazi-Spionage-Bordells wurde von den beiden Autoren des im Berlin Story Verlag erschienenem Buchs „Kittys Salon“ fünf Jahre lang gesucht – von Urs Brunner und Julia Schrammel. Gefunden wurde es schließlich durch Zufall – und durch Künstliche Intelligenz. Es hing im Wohnzimmer einer Berliner Kunstliebhaberin, die es ahnungslos auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Ein Bekannter nutzte eine Bilderkennungs-App, landete auf der Buchseite und stellte den Kontakt her. Jetzt hängt das Original bei uns und 2026 ein halbes Jahr in einer Ausstellung der Bundeskunsthalle Bonn.
Vom Kuriosen zum Grausamen: Das weltbekannte Foto „Der letzte Jude von Winniza“ zeigt einen SS-Mann, der einem Juden am Rande eines Massengrabes in den Kopf schießt. Ein Historiker hat nun basierend auf Berichten von Sven Felix Kellerhoff den Mörder mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und Gesichtserkennung identifiziert. Es war SS-Unterscharführer Jakobus Onnen. Er fiel im August 1943 in der ukrainischen Region Schytomyr. Auch solche Erkenntnisse fließen in Form einer Zusatztafel sofort in unsere Arbeit ein.
Vertrauen ist unsere Währung: Ukraine-Engagement

Warum engagieren wir uns so stark in der Ukraine? Weil wir Parallelen sehen. Für Putin ist dieser Krieg keine Frage von Verhandlungen oder Wirtschaftssanktionen. Für ihn ist es eine historisch-ideologische Mission: die Wiederherstellung des sowjetisch/russischen Reichs, zumindest in der Form, wie es unter Stalin existierte. Von dieser Idee ist er besessen. Und wie alle Diktatoren will er sein Ziel noch in seiner Lebenszeit erreichen. Dieser Krieg wird erst enden, wenn Putin tot ist. So wie bei Hitler.
Auch 2025 waren Enno Lenze und Wieland Giebel unvermindert aktiv und reisten zusammen mehr als zehnmal in die Ukraine. In Cherson wurde Enno Lenze zweimal von russischen Drohnen angegriffen und gejagt. Einmal rettete er sich in eine Kirche. Der Pfarrer brauchte ein neues Auto, da seines durch eine Drohne zerstört worden war. Wir lieferten eines – zusammen mit anderen.
Enno und Chris Knickerbocker von Bravery e.V. waren im November 2025 an allen vier aktiven Frontabschnitten: Pokrowsk, Cherson, Sumy und Wowtschansk. Sie waren dichter an der Front als die meisten Journalisten, die kaum mehr die notwendigen Genehmigungen erhalten. Zusammen hatten sie den Großangriff auf Kyjiw miterlebt – und dabei ihren Bunker nicht gefunden. Als Chris Anfang Dezember mit der nächsten Tour unterwegs war, fragte ihn ein ukrainischer Grenzer: „Bist du der, der mit dem anderen Typen in Pokrowsk war? Ich habe das gesehen.” Plötzlich ging die Abfertigung sehr schnell.
Vom Bunker an die Front
Was wir für die Ukraine tun, basiert auf dem absoluten Vertrauen der Spender. Wir sammeln sechsstellige Summen in Beträgen von 20 bis 2.000 Euro, oft ohne Spendenbescheinigung und häufig per PayPal oder über Shop-Käufe. Unsere Follower sagen: „Ihr entscheidet, was gebraucht wird.“ Und wir liefern. Unser Handeln kann man unter unseren Namen quasi in Echtzeit auf X verfolgen. Wir versuchen, alles wirklich so transparent wie möglich zu machen. So haben wir Westen geliefert, die Rettern in Sumy das Leben gerettet haben (Video dazu auf unserer Seite). Kinderwesten haben wir als Splitterschutz entwerfen und herstellen lassen. Das gab es vorher nicht. Und dies ist unsere aktuelle Liste.

Etwas tun, nicht nur reden oder Konferenzen abhalten. Alles haben wir vorfinanziert, vieles über Spenden durch Aufrufe auf X (Enno Lenze hat 60.000 Follower) zurückerhalten – Spenden nicht im Sinne des Finanzamts. Einen Teil wickeln wir aus praktischen Gründen über den Verein Bravery. e.V. ab, siehe ganz unten. Oder man kann direkt im Berlin Story Shop etwas kaufen, das wir in die Ukraine bringen.
Woher weiß man, ob die Hilfe ankommt? Wir erhalten ständig Fotos zu unseren Lieferungen von Soldaten, von Freiwilligen der Territorialverteidigung, von Helfern und medizinischem Personal, weit mehr als wir hier zeigen können. Auf X kommen sie alle. Meist verpixelt. Dennoch:

Kann man sich in der Ukraine sicher sein? Jein! Ja und Nein. Daher fahren wir selbst hin, bauen jahrelang Beziehungen zu unseren Partnern vor Ort auf, liefern selbst und sehen, wie unsere Fahrzeuge, Generatoren und schusssicheren Westen auch noch nach Jahren bei den gleichen Menschen im Einsatz sind.
Einladung von Selenskyj

Unsere Aktivitäten sind nicht unbeachtet geblieben. Im Sommer erhielten Enno Lenze und Wieland Giebel eine Einladung zu einer Konferenz mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und Verteidigungsminister Denys Schmyhal in Kyiv. Die Einladung wurde uns durch Botschaftsrätin Alisa Podolyak von der Botschaft der Ukraine vermittelt. Sie hatte uns auch den Weg zum Verteidigungsministerium gebahnt, als wir 2022 den zerstörten Panzer vor die russische Botschaft gestellt hatten. Enno war gerade für längere Zeit in der Ukraine gewesen – und einer bleibt immer im Berlin Story Bunker. Also fuhr Wieland Giebel. Uns war nicht bewusst, dass es sich um eine so bedeutende Veranstaltung mit mehreren hundert eingeladenen Gästen handelte. Es nahmen 800 Personen aus 15 Ländern teil. Beim „Prayer Breakfast“ trafen sich Unterstützergruppen aus aller Welt, viele aus den Vereinigten Staaten – und wir als einzige Deutsche. Der Präsident und der Verteidigungsminister erhielten von Wieland Giebel unser Buch „SLAVA UKRAINI” (kommt weiter unten). Der Präsident bedankte sich herzlich für unsere Initiative und die Kontakte zum Verteidigungsministerium intensivierten sich.
Highlights Ukraine Museum

Zum vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar 2026 wird das Ukraine-Museum im Berlin Story Bunker eröffnet. Eine Preview ist bereits jetzt möglich, wenn auch noch nicht ganz vollständig. Grundlage hierfür ist die immer enger und freundschaftlicher werdende Zusammenarbeit mit dem Nationalen Militärhistorischen Museum in Kyiv. Alles begann zum ersten Jahrestag der russischen Invasion, als wir den in der Schlacht um Kyiv abgeschossenen russischen Panzer vor Moskaus Botschaft in Berlin stellten.
Für das Ukraine-Museum haben wir Wrackteile einer Suchoi S-70 Stealth-Drohne. Es gab vier, jetzt sind es noch drei. Enno war beim Abschuss in der Nähe. Außerdem haben wir Teile eines Ka-52-Hubschraubers, der über der Schlangeninsel vor Odessa abgeschossen wurde. Es gibt dazu ein Video des Abschusses. „Russian warship, fuck yourself!“ – das war die Ansage der ukrainischen Soldaten auf der Schlangeninsel gegenüber dem Schlachtschiff „Moskwa“, das später von den Ukrainern zum U-Boot gemacht wurde. Wir erzählen die Geschichte des Kommandanten der Schlangeninsel, der sich im Alter von 54 Jahren freiwillig an die Front meldete und bis heute verschollen ist. Wieland Giebel besuchte seinen Bruder drei Mal.
Von der Operation „Spinnennetz” haben wir eine originale Drohne. Das war die Aktion, bei der Drohnen mit Sattelschleppern zu weit entfernten russischen Flugplätzen gebracht wurden und dabei ein oder zwei Dutzend Bomber zerstört wurden. An der Decke unseres Bunkers hängt eine russische Gerbera-Drohne, die im August 2025 abgeschossen wurde. Sie besteht aus Styropor und Sperrholz und kann fünf Kilogramm Sprengstoff tragen – genug, um ein Haus zu zerstören. Eine solche Drohne ist Ende November 2025 mehr als 200 Kilometer nach Rumänien eingedrungen. Rumänien ist sowohl Mitglied der NATO (seit 2004) als auch der Europäischen Union (seit 2007). Es gab null Konsequenzen von Seiten der NATO.
Einen 7,30 Meter lange Marschflugkörper Kh-101 bauen wir mit einem 3D Drucker nach. Damit werden die Häuserblocks von oben zerstört. Das zeigen wir an einem Beispiel. Diese Raketen sind sehr schwer abzufangen und dann natürlich kaputt.
Die Geschichte von Oleh und dem Fiat Scudo

Das wichtigste Exponat ist ein Fiat Scudo. Das Fahrzeug war in Cherson nahe der Krim im Einsatz. Zwei 27-jährige Männer, die beide Oleg heißen, betrieben damit ein „Sozialtaxi“. Sie hätten die Ukraine verlassen können, entschieden sich aber zu bleiben und zu helfen. Im April 2025, nur wenige Tage nachdem Enno sie eine Weile begleitet hatte, wurde ihr Wagen von einer russischen Drohne angegriffen. Ein Video der Russen zeigt zynisch die Zielerfassung und Bombardierung. Einer der beiden starb. Der andere überlebte. Er war in russischer Gefangenschaft, besitzt ein „Freedom Paper” und könnte gehen, aber er macht weiter. Der zerschossene Transporter steht zur Eröffnung bei uns. Er ist Mahnmal und Beweisstück zugleich.
Ein aktuelles Beispiel der Zusammenarbeit findet man in diesem ukrainischen Bericht:

„Das 7. Schnellreaktionskorps Rapid Response Corps der Luftlandetruppen der Streitkräfte der Ukraine übergab Exponate der Verteidiger von Pokrowsk an das Ukraine-Museum im Berlin Story Bunker. Dabei handelt es sich um Trümmer des russischen Aufklärungsdrohne UAV Zala, die von Einheiten der Luftabwehr der 25. separaten Luftlandebrigade elektronisch zur Landung gebracht wurde, sowie um die ukrainische Abfangdrohne kh-s7 der 32. separaten mechanisierten Brigade. Die Gegenstände wurden vom Mitbegründer des Museums, Enno Lenze, persönlich entgegengenommen. Im November besuchte er die Frontregionen und traf sich mit ukrainischen Militärs, darunter Vertretern des 7. Korps der Luftlandetruppen. Enno Lenze sammelte verschiedene Gegenstände, die Symbole des Krieges und der Geschichte unseres Widerstands sind, um damit die ukrainische Ausstellung im Berlin Story Bunker zu erweitern.“ Das schreibt die Medienstelle des 7. Rapid Response Corps.
Problem der Dramaturgie
All diese Beispiele zeigen, dass die Exponate für dieses Museum nur deshalb vorhanden sind, weil wir immer wieder in der Ukraine sind und dort vertrauensvolle Beziehungen aufgebaut haben. Diese Materialien gibt es sonst nirgends außerhalb der Ukraine. Auch nicht bei den Analysten der Bundeswehr. Mit Exponaten, Fotos und Videos können wir das Zerstörungspotenzial der Russen darstellen. Das Ziel des Museums ist es jedoch, die Widerstandskraft der Ukrainer und ihren unbedingten Willen, das Vaterland zu verteidigen, in den Mittelpunkt zu stellen. Was sich im Kopf abspielt, ist schwer zu visualisieren.
Ennos Erfahrungen mit den Soldaten an der Front stehen im starken Kontrast zu Berichten über Desertionen und Kriegsmüdigkeit. Der Kampfeswille der Frontsoldaten scheint ungebrochen zu sein. Das ist Ennos Eindruck nach seinen aktuellen Besuchen an der Front. Ähnlich sieht es Generalmajor Maik Keller in einem WELT-Interview Anfang Dezember 2025: Man spüre deutlich, dass die Motivation an der Front sehr hoch sei. Keller ist stellvertretender Kommandeur des NATO-Stabes zur Sicherheitsunterstützung und Ausbildung der Ukraine. Selenskyj würde bei seinen schwierigen Verhandlungen niemals die Rückendeckung des Volkes erhalten, um Teile des Landes an die Russen abzugeben. Niemand will unter russischer Knechtschaft leben. In den Medien wird gerne über die jungen Männer berichtet, die sich legal absetzen. Unser Bundeskanzler legt Präsident Selenskyj nahe, diese Regelung rückgängig zu machen. Weniger als zehn Prozent dieser Jahrgänge verlassen die Ukraine. Das bedeutet, dass mehr als neunzig Prozent bleiben. Freiwillig.
Berlin Story Verlag

Der Verlag bildet nach wie vor das historische und wissenschaftliche Rückgrat unseres Tuns.
Besonders bewegend ist diese Neuerscheinung: hundert Briefe des kommunistischen Häftlings Karl Reimann aus dem Konzentrationslager Buchenwald an seine Lebensgefährtin und die gemeinsame Tochter. Sein Sohn hat uns die unveröffentlichten und unbearbeiteten Briefe gegeben. Da Karl Reimann aus Erfurt fast von Anfang an bis zum letzten Tag im KZ war, sind diese Briefe ein unersetzliches Zeitdokument. „Lebenszeichen“ wurde von der Historikerin Bethan Griffiths kommentiert, da die Briefe natürlich zensiert waren.
Der Hintergrund: Vor einigen Jahren haben wir die Briefe eines SS-Manns der Leibstandarte Adolf Hitler an seine Freundin und spätere Frau aus Erfurt unter dem Titel „Liebste Janni“ veröffentlicht. Das war der Anlass, uns die Briefe anzuvertrauen.

Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr jedoch auf der Ukraine. SLAVA UKRAINI umfasst fast 600 Seiten und enthält 30 intensive Interviews, die Wieland Giebel in diesem Jahr mit Ukrainerinnen und Ukrainern geführt hat. Wie war der erste Tag des Krieges? Warst du darauf vorbereitet? Wie ging dein Leben weiter? Wie viel könnte die Ukraine an die Russen abgeben? Nichts, das ist die durchgängige Antwort. Die Interviews fanden in verschiedenen Städten der Ukraine und einige in Berlin statt. Die Gesprächspartner kamen nicht aus einer Bubble: eine Hebamme, Schüler aus Odessa, die stellvertretende Verteidigungsministerin, ein nationalistischer Kämpfer sowie Kinder. „Der erste Tag? Eigentlich voll lustig. Meine Mutter wollte, dass ich in die Schule gehe. Aber es gab gar keine Schule mehr.“
Im zweiten Teil geht es um das Ukraine-Museum und unsere bisherigen Aktivitäten. Wir stellen die Exponate vor, vom Panzer damals bis zu aktuellen Drohnen. Das Buch erscheint in den Sprachen Deutsch, Ukrainisch und Englisch.
Was Interviews und Bücher auch noch leisten: Oleksii, heute 16, ist einer der Interviewpartner in Odessa. Er berichtet von seiner abenteuerlichen Flucht vor dem Krieg, wie er in Mecklenburg-Vorpommern landet, Hanna kennenlernt, mit ihr Brettspiele spielt und nach seiner Rückkehr nach Odessa sein Handy mit den gespeicherten WhatsApp-Nummern kaputt geht. Tragisch. Wir haben das Buch mit seiner neuen Handynummer an die Schule geschickt. Es hat geklappt. Hanna und Oleksii fanden wieder zusammen.

Das vom Generalstab der ukrainischen Streitkräfte herausgegebene Buch über die Schlacht um Kyiv entstand nach unserem Treffen mit Verteidigungsminister Denys Schmyhal und der ehemaligen stellvertretenden Verteidigungsministerin Hanna Maliar. Wir haben es auf Deutsch und Englisch herausgegeben. Die Schlacht um Kyiw war die wichtigste in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Hätten die Russen gewonnen, wäre die Ukraine gefallen und Putin hätte seine Aggression woanders fortgesetzt. Doch die russischen Elite-Invasionstruppen wurden nach nur 19 Tagen geschlagen und zogen am 2. April 2022 endgültig aus der Region Kyiv ab.
Das war der Tag, an dem Enno Lenze auf der Autobahn nach Kyiv hundert Kilometer russische Kriegsverbrechen gesehen hat. Er sah Leichen von geflüchteten Ukrainern, die von Kugeln durchsiebt in und hinter ihren von den Russen zerschossenen Autos lagen. Die Schlacht um Kyiv wird uns weiter beschäftigen.
Erstaunlich ist, dass wir immer noch so viele Bücher aus der Zeit Preußens verkaufen und nachdrucken müssen. Wir hatten damals, als das unser Thema war, viele Bücher ausgebuddelt, die verschollen waren. Auch sämtliche Kinderbücher sind in diesem Jahr neu aufgelegt worden. „Beruf König“ über Friedrich den Großen ist eine Art Berufsberatung, Preußens Prinzessin das Äquivalent für Nachfolgerinnen von Königin Luise. „Die Humboldts“ mit ihrem Forschungsdrang würden heute eher eine Entsprechung im Silikon Valley finden.
Der Preis der Unabhängigkeit
Doch Unabhängigkeit hat ihren Preis. Da die Senatsverwaltung uns beharrlich nicht als Museum oder Gedenkstätte einstuft – obwohl wir laut Götz Aly die „einzig wirklich gute Ausstellung” haben –, zahlen wir Steuern wie ein Vergnügungsbetrieb. Sie bieten uns jedoch an, an der Langen Nacht der Museen teilzunehmen, bei der kein Eintritt genommen wird. Echt. Somit finanzieren wir den sogenannten „Kultur-Crash“ mit, über den die staatlichen Häuser lauthals klagen, weil „der Gesellschaftsvertrag ins Wanken gerate“, obwohl ihnen jährlich eine Milliarde Euro aus dem Berliner Haushalt zugesprochen wird. Kultur war und ist wichtig, jedoch keine Schnorrer-Elite. Wir zeigen täglich, wie man kosteneffizient arbeiten kann, ohne Qualität einzubüßen. Trotz ständiger und erfolgreicher Maßnahmen zur Vereinfachung der Prozesse und Abläufe im Bunker sind die Kosten so extrem gestiegen, dass eine Erhöhung des Eintrittspreises unvermeidlich ist. Zum ersten Mal seit 2014, also nach zwölf Jahren, werden wir die Eintrittspreise ab Januar 2026 erhöhen müssen – und zwar auf 18 Euro (ermäßigt 12 Euro). Im Eintrittspreis sind drei Dauerausstellungen, zwei Sonderausstellungen und ein Audioguide enthalten. Wenn man alles sehen möchte, benötigt man einen ganzen Tag. De facto sind wir über die Jahre sogar günstiger geworden, da der Audioguide inzwischen im Preis inbegriffen ist. Wir stecken jeden Cent zurück in den Bunker, in Bücher, in Journalismus und in die Hilfe für die Ukraine.
Polarisierung
Draußen auf den Straßen Berlins ist fast täglich das Brüllen antisemitischer Extremisten zu hören: „Hamas! Hamas! Juden ins Gas!“ Sie fordern unverhohlen die Vernichtung Israels. Drinnen, hinter den dicken Betonwänden des Bunkers, zeigt sich ein ganz anderes Bild: Die Besucherzahl unserer Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ stieg im Jahr 2025 um sensationelle 24 Prozent. Zwischen lautstarkem Hass auf den Straßen und wachsendem Interesse an historischer Aufklärung erleben wir Tag für Tag diese scharfe Polarisierung.
Die mutige Karoline Preisler zeigt sich draußen auf den antisemitischen Demos mit einem Schild, auf dem „Rape is no Resistance“ steht. Dafür erntet sie so viel Hass, dass sie von der Polizei geschützt werden muss. Drinnen erhält sie später dafür eine Auszeichnung vom Zentralrat der Juden. Zu den geladenen Gästen zählen auch hochrangige Politiker und Antisemitismusbeauftragte. Wo sind die eigentlich, wenn gegen Antisemitismus auf die Straße gegangen wird? Wenn radikale Hamas-Fans oder deutsche Neonazis demonstrieren und man sich ihnen entgegenstellt? Wir sehen sie dort eigentlich nie. Sie engagieren sich nur während der Arbeitszeit und im Warmen gegen Rassismus und Antisemitismus. Für uns ist der Kampf gegen Ungerechtigkeit, für sozialen Frieden und ein gutes Leben für alle kein Job, keine Teilzeitbeschäftigung. Wir leben ihn jeden Tag. Danke, dass Sie uns dabei helfen!
Weihnachten im Bunker

Das Resümee lautet also: Wir haben 24 Prozent mehr Menschen erreicht, die sich drei bis vier Stunden lang intensiv mit dem Nationalsozialismus beschäftigt haben – häufig zum ersten Mal. Das sieht man den Besuchern besonders im Holocaust-Bereich an. Woher wir das wissen? Weil wir selbst ständig im Bunker und in den Ausstellungen sind, auch an Wochenenden und demnächst über Weihnachten.
Am Heiligen Abend ist es meist so voll, dass wir die Besucher abends kaum noch hinausbekommen. Das sind alle, die kein Weihnachten feiern: Besucher aus Spanien und den Niederlanden, die später feiern, sowie Besucher aus Asien, für die Weihnachten kein Familienfest ist. Oder Sie. Danke für Ihr Vertrauen. Danke, dass Sie uns machen lassen.
Herzlich, Enno Lenze, Wieland Giebel & das gesamte Team des Berlin Story Bunkers
Wichtige Links zu diesem Jahresrückblick: Berlin Story Bunker (Alle Ausstellungen), Berlin Story Verlag (alle unsere Titel),Berlin Story News (Unsere Berichte und Videos von vor Ort). Der Berlin Story Shop für die Ukraine (Sie kaufen, erhalten aber nichts, weil wir die Sachen direkt in die Ukraine bringen)
P.S.

Ein neues Dach für dieses Heim für Binnenflüchtlinge in Sumy (Ukraine) kostet mehr als 10.000 Euro. Dadurch wird dauerhaft zusätzlicher Platz für 25 Menschen geschaffen. Binnenflüchtlinge kommen aus den Kriegsgebieten, wollen das Land aber nicht verlassen. Wir legen das Geld vor, weil es losgehen muss. Wenn Sie sich beteiligen möchten, spenden Sie (mit Spendenbescheinigung) an Bravery.e.V.