In den Nachrichten sieht man die Bilder: Israel und die USA fliegen gemeinsam Angriffe auf das iranische Regime. Die iranische Bevölkerung feiert das. Die Angriffe finden über Syrien und den Irak hinweg statt. Über Erbil, der kurdischen Hauptstadt im Norden des Irak, fliegen täglich gut sichtbar Raketen und Kampfjets. Immer wieder startet der Iran Drohnen Richtung Erbil, welche abgefangen werden und deren Trümmer in der Stadt landen. Und gleichzeitig scheint niemand in der Stadt in Panik, und das Leben geht einfach weiter. Wie passt das zusammen?

Luftraum geschlossen
Der Luftraum über dem Irak ist seit Tagen geschlossen. Also fliege ich in die Türkei. Am letzten Flughafen der Reise zieht die Polizei alle westlichen Personen raus, fragt, wer man ist und was man im Land möchte. Das Ganze dauert etwa eine Minute, dann kann man weiter. Ins Taxi Richtung Grenzübergang Ibrahim Khalil, Habur/Zaxo. Dort ins nächste Taxi nach Erbil. Nach 18 Stunden Reisezeit komme ich an und falle ins Bett.
Am nächsten Morgen sieht alles normal aus. Nur, dass während des Frühstücks am Himmel Kampfjets und neben der Stadt startenden Raketen zu sehen sind. Manchmal sieht man sie besser, manchmal schlechter. Das Wetter lässt es an diesem Morgen zu, dass man sie sehr gut sieht. Die Kurden scheint das weiterhin nicht zu stören. Da die Fastenzeit Ramadan angebrochen ist, sind die Straßen tagsüber relativ leer. Die westlichen Cafés, Restaurants und Malls haben aber normal geöffnet.
Kurden kennen Krieg
Für die Kurden ist Krieg leider nichts Neues. Seit 2014 wurde gegen den Islamischen Staat gekämpft. Bis 2003 haben sie gegen Saddam gekämpft. Und auch davor gab es viele Konflikte in der Region. Am Ende haben die Kurden immer gewonnen, die Angreifer vertrieben, sich wieder zu ihren Freunden gesetzt und Tee getrunken. „Ich wünsche unseren Brüdern auf der anderen Seite, dass sie sich vom Regime befreien können. Ich habe aber Sorge, dass es wie bei uns 1991 endet. Noch ist nichts entschieden“, erklärt einer der Männer. Nachdem Saddam Hussein am 16. März 1988 in Halabja und anderen Orten Massenvernichtungswaffen gegen die Kurden einsetzte, starben Tausende. Anschließend überfiel der Irak Kuwait. Die USA traten 1990 in den Konflikt ein und baten die Kurden um Hilfe. Die Kurden kämpften hart gegen Saddams Truppen, doch die USA änderten schlagartig ihren Kurs. Sie hätten nun einen Deal mit Saddam gemacht, sein Terror Regime sei geschwächt, man würde die Kurden nun wieder sich selber überlassen. Erneut überzog Saddam die Kurden mit seinem Terror.
Im Iran ist die Lage anders – aber bisher bleibt unklar, wer gewinnen wird. Das Regime ist geschwächt, aber noch an der Macht. Die USA und Israel bombardieren vierundzwanzig Stunden am Tag alle relevanten Stellen des Unterdrückungsregimes. Doch davon gibt es viele.
pro-Iranische Milizen im Irak

Doch der Iran ist mächtig. Zehntausende gut bewaffnete und gut ausgebildete schiitische Milizen (PMF, Hashd al Shabii) werden vom Iran gesteuert und dürfen offiziell im Irak agieren. Die irakische Regierung steht weiterhin unter großem iranischen Einfluss. Die Kurdische Regionalregierung jedoch nicht. Bereits 2016 warnten viele, dass der nächste Konflikt im Irak mit diesen Milizen sein wird. Und alle Mahner sollten Recht behalten. Diese Milizen greifen nun US Einrichtungen im Irak an.
Die meisten Angriffe auf die US-Airbase in Erbil und Harir werden aus dem Irak heraus durchgeführt. Die Milizen übernehmen die Arbeit für den Iran und verfügen dafür über kleine Raketen sowie Shahed-Drohnen. Der Luftraum über dem kurdischen Teil des Irak wird derzeit nur von den Amerikanern verteidigt. Ihre Jets und Abfangraketen halten alles sicher. Der Irak schaut weg.
iranische Rebellen im Irak

Seit heute Morgen geht die Meldung herum, dass sich kurdische Kämpfer aus dem Irak auf den Weg in den Iran machen sollen. Das ist missverständlich – es geht nicht um die Peschmerga (die Armee Kurdistan-Iraks), sondern um iranische Kämpfer.
Die kurdischen Rebellen aus dem Iran, welche sich jahrelang zum Schutz auf die irakische Seite der Grenze zurückgezogen hatten, sind bereit. Nahe der iranischen Grenze trafen wir die Kräfte und konnten mit ihnen sprechen. „Unsere Freunde sind bereit, und wir warten seit Langem auf diesen Tag. Aber wir müssen uns gut mit den anderen Akteuren abstimmen, damit wir unser Pulver nicht einfach verschießen. Ich habe das Gefühl, dass unsere Rückkehr in die Heimat näher ist als je zuvor“, erklärt uns der Kommandant mit einem Augenzwinkern, während seine Soldaten im Hintergrund die Ausrüstung vorführen. Sie verfügen über das typische kalte Krieg Arsenal, wie AK-47, PKM, RPG-7 und inzwischen auch westliche AR-15 und M-16 Sturmgewehre.
Es sind nur wenige Tausend Kämpfer. Sie können ein wichtiges Puzzleteil im Konflikt sein, eine ganze Armee ersetzen sie jedoch nicht.
In den kommenden Tagen wird sich also zeigen, ob die USA und Israel ein „geschwächtes Mullah“ Regime zum Ziel hatten, ob der Iran demokratisch wird oder ob eine der anderen Fraktionen gewinnt.