In eigener Sache: Von der Front in den Bendlerblock – Malte Ian Lauterbach ausgezeichnet mit Essaypreis des Verteidigungsministeriums
Ein persönlicher Rückblick auf den Nachwuchspreis des Verteidigungsministeriums zum 70. Jahrestag des deutschen NATO‑Beitritts. Am 9. Juli 2025 stehe ich im Bendlerblock zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius und NATO‑Generalsekretär Mark Rutte. Noch vor zwei Jahren notierte ich in einem ukrainischen Keller die Flugbahn einschlagender Shahed‑Drohnen – jetzt halte ich den Preis für das beste Essay „Was bedeutet die NATO – heute und in Zukunft?“ in der Hand. Der Festakt zum 70‑jährigen Bündnisjubiläum, musikalisch begleitet vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr und dem litauischen Musikkorps, machte die Klammer zwischen Frontrealität und politischer Verantwortung sichtbar.

Als im Februar 2022 russische Truppen die ukrainische Grenze überschritten, steckte ich mitten im Abitur. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, fragte ich mich: Was kann ich konkret tun? Ich begann mit Fact‑Checking und Geolokationen von Kriegsverbrechen und kam so zu Berlin Story News.
Im Sommer 2023 verbrachte ich zweieinhalb Wochen mit deutschen Freiwilligen in der Ukraine. Dort erlebte ich, wie ein ROLE‑2E‑Feldlazarett in NATO‑Normcontainern einen Verwundeten in 14 Minuten vom Acker in den Operationssaal brachte. Im Dezember 2024 kehrte ich nach Kyiv zurück und erlebte eine Bevölkerung, die trotz beinahe täglicher Luftangriffe eine beeindruckende Resilienz bewahrte.
Der 7. Oktober 2024 und der eskalierende Krieg im Nahen Osten verschoben den medialen Fokus; für mich verbanden sich beide Konflikte zur selben Frage: Wie verteidigen wir eine Ordnung, die uns Frieden verspricht?
Mein Wettbewerbsbeitrag wollte zeigen, dass Sicherheit keine abstrakte Chiffre ist. Ob in Kiew noch Licht brennt, während Drohnen kreisen, entscheidet über Leben und Tod. Die NATO hält Transportkorridore offen, liefert Notstrom‑Generatoren und Luftabwehrsysteme verteidigen Krankenhäuser.
Boris Pistorius betonte in seiner Laudatio, meine Generation wolle „nicht nur zuschauen, sondern mitgestalten“. Es ist unserer aller Pflicht, das kollektive Versprechen des Bündnisses täglich kritisch zu prüfen und aktiv zu erneuern. Denn 70 Jahre NATO‑Mitgliedschaft sind 70 Jahre Verpflichtung, die Sicherheitsordnung zu verteidigen, mit Politik, aber auch mit Verlässlichkeit.
Meine Altersgruppe nimmt die bröckelnde, multilaterale Weltordnung nicht mehr als gegeben hin. Wer 2003 geboren wurde, kennt nur globale Verflechtung – und sah sie 2022 einstürzen. Das Essay will zeigen, dass kollektive Sicherheit Wege zum Krankenhaus freihält, Stromleitungen repariert und digitale Schneisen für Informationen schlägt – Und das Sicherheit immer einen Preis hat.
Veröffentlicht ist das Essay auf der Homepage des Verteidigungsministeriums.
Festakt „70 Jahre Deutschland in der NATO“