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Götz Alys neues Werk: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945

Warum gibt es kein ausführliches Buch zur Ausstellung „Hitler – Wie konnte es geschehen” im Berlin Story Bunker? Diese Frage wurde uns immer wieder gestellt. Jetzt ist es fertig, heißt Wie konnte das geschehen?, hat 768 Seiten, erscheint am 27. August 2025 – in wenigen Tagen also – und kann bereits bestellt werden. Es wird dann auch in der Buchhandlung des Berlin Story Bunkers erhältlich sein.

Götz Alys neues Werk: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945
Götz Alys neues Werk: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945

Es stammt jedoch nicht von uns, sondern von Götz Aly, einem wegweisenden Forscher und Autor einer Vielzahl von Büchern zu diesem Thema. Zahlreiche renommierte Auszeichnungen spiegeln die Wertschätzung seiner wissenschaftlichen Leistungen wider. Für uns ist dabei von Bedeutung, dass es Götz Aly trotz der wissenschaftlichen Tiefe seiner Arbeiten gelingt, komplexe historische Zusammenhänge verständlich zu machen. Genau das versuchen wir in der Dokumentation im Bunker ebenfalls.

Aly schreibt mit unglaublicher Quellenkenntnis für die Leserschaft, nicht für die historische Zunft. Er ist der Erste, der die Themen Geld und Finanzierung so ausführlich behandelt – vor allem in Bezug auf systematische Ausplünderung, gesellschaftliche Dynamiken und die perfiden Strukturen der Zustimmung. Durch moderne Begriffe wie Change Management oder flexible Teams wird die Ideologie in eine verständliche Gegenwart gerückt. Soziale Absicherung würde man heute Deutschland-Pakt nennen, sagt er.

Er erklärt die Wohltaten, insbesondere aus den ersten Jahren. Von 1933 bis 1939 gab es ein Gefühl von ökonomischem und sozialem Aufschwung, welches die Menschen loyal gegenüber dem NS-Staat machte.

66 Prozent Aufschwung. Das war für jeden sichtbar. Ein Aufstieg schien für jeden möglich zu sein – sofern man mitmachte. Alys gute Dramaturgie führt Statistiken, Einzelfallbeispielen und Zitaten anschaulich zusammen. Dadurch entsteht eine detaillierte und umfassende Sammlung von Notizen und Quellen, die ein präzises Bild der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mechanismen des Nationalsozialismus zeichnen – insbesondere im Hinblick auf systematische Ausplünderung, gesellschaftliche Dynamiken und die perfiden Strukturen der Zustimmung.

Der Zuspruch zum Nationalsozialismus war überwältigend. So stimmten im Juli 1933 bei den formal korrekten Wahlen der Kirchengemeinderäte 80 Prozent für die (NS-)Deutschen Christen. Sie besetzten die meisten wichtigen Ämter. Im Saarland stimmten 1935 90,8 Prozent (526 857 Personen) für den Anschluss an das Deutsche Reich; nur 0,4 Prozent (2124 Personen) wollten bei Frankreich bleiben.

Dies sind die zentralen Themen:

– Wirtschaftliche Ausbeutung und Raub: Ausplünderung der Gewerkschaften, „Arisierung” jüdischer Besitztümer, Plünderung in besetzten Ländern sowie die Mechanismen wirtschaftlicher Gewinne und Verschuldung.

– Gesellschaftlicher Aufstieg und soziale Strukturen: veränderte Aufstiegschancen für „Arier“, die Funktion der NSDAP als Aufstiegshilfe, gesellschaftliche und ökonomische Auswirkungen der Enteignung jüdischer Bürger.

– Propaganda und gesellschaftliche Kontrolle: Es werden Beispiele dafür aufgezeigt, wie Theatermacher und Filmleute im Dienst der NS-Propaganda instrumentalisiert wurden.

Es werden lebensnahe Beispiele dafür gegeben, wie leicht sich Menschen korrumpieren lassen und an Ausbeutung teilnehmen. So bestellt beispielsweise Sophie Scholl bei ihrem Freund Hartnagel Schnabelschuhe aus den Niederlanden. Heinrich Böll brachte viel aus Frankreich mit: „Ich habe ein halbes Schweinchen für euch.“ Dies verdrängte er später jedoch und fühlte sich moralisch makellos. Götz Aly will die beiden jedoch nicht anprangern. Er macht die Gefahren deutlich und zeigt, wie jeder Einzelne aufpassen muss, um nicht zum Mittäter zu werden.

Schließlich erinnert Götz Aly daran, dass Nazis auch nach 1945 immer wieder in führenden Positionen in Politik, Gesetzgebung, Justiz, Verwaltung, Schulen, Universitäten und Kirchen waren.

Er hat einen Leitfaden für Diktatoren geschrieben. Es ist ein Handbuch, das zeigt, wie man mit Versprechungen, Privilegien, Drohungen und Gewalt eine Diktatur jeglicher Art errichtet. Dies wird am Beispiel von Hitler, dem Nationalsozialismus und dem deutschen Volk dargestellt. Erschütternd ist die Erkenntnis, dass diese Menschen vor Hitler nicht gemordet haben und danach auch nicht. Aly zeigt Schritt für Schritt, wie Menschen dazu gebracht werden, das größte Verbrechen der Menschheit zu begehen und 60 bis 70 Millionen Menschen umzubringen. Er seziert das Vorgehen, die Flexibilität und die Zustimmungsdiktatur. Noch nie wurde die Frage, wie es dazu kommen konnte, so detailliert, wissenschaftlich, überzeugend und anhand von unzähligen individuellen Beispielen beantwortet. Hitler – wie konnte es geschehen?