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Flugverkehr über der Ukraine

Die Ukraine könnte Flughäfen im Westen des Landes nutzen, ohne dass die Russen eine Möglichkeit haben, die Flugzeuge abzuschießen. Sie können die geparkten Flugzeuge treffen, nicht aber die in der Luft. Es gab bereits Flüge von verschiedenen Flughäfen, inklusive Kyiv, aus. Wir haben diese sogar selbst sehen können. Nun beginnt die Ukraine, sichtbar ihre Tracker vor der Grenze einzuschalten. Ein dicker Mittelfinger in Richtung Putin.

Screenshot: Ukrainisches Flugzeug über der Ukraine
Screenshot: Ukrainisches Flugzeug über der Ukraine

In den letzten Monaten ist die Debatte um die Wiedereröffnung des ukrainischen Luftraums für den militärischen und sogar zivilen Verkehr neu entbrannt. Dies sind aber zwei völlig unterschiedliche Dinge. Besonders Flughäfen im äußersten Westen des Landes, wie Lviv oder Uschhorod, stehen im Fokus. Diese liegen in unmittelbarer Nähe zur polnischen beziehungsweise ungarischen Grenze. Eine geografische Lage, die strategische Vorteile bietet, aber auch große Sicherheitsfragen aufwirft.

Militärische Nutzung der Flughäfen?

Russische Abfangjäger oder weitreichende Flugabwehrsysteme (wie die S-400) können Ziele tief in der Ukraine erfassen. Die Flugzeit der Rakete dahin ist jedoch relativ lang. Die Ukrainer würden die anfliegende Rakete lange vor Einschlag erfassen, das Flugzeug wäre bis dahin bereits wieder im NATO Luftraum. Da Russland keine Lufthoheit über der Ukraine erreichen konnte, können sie auch keine Kampfflugzeuge über dem ukrainisch kontrollierten Gebiet benutzen.

Die Flugzeuge können also wenige Minuten in den ukrainischen Luftraum einfliegen, landen und mit laufenden Triebwerken Be- und Entladen. Sobald Raketen im Anflug erkannt werden. Die Flugzeit von Lviv zum Polnischen Luftraum beträgt ca. sieben Minuten. Der Flughafen Uzhgorod endet am Grenzzaun.

Für die ukrainischen Piloten stellt all dies keine große Herausforderung dar. Geübte Piloten westlicher Verbündeter können solche Missionen ebenfalls problemlos fliegen.

Zivile Nutzung der Flughäfen?

Das Hauptrisiko bleibt der Moment, in dem das Flugzeug am Boden steht. Russische Raketen wie die Kinschal oder Iskander können stationäre Ziele in der gesamten Ukraine und Teilen der EU treffen. Die Ukraine argumentiert jedoch, dass moderne Systeme wie Patriot oder IRIS-T punktuell einen „Schutzschirm“ über einem zivil genutzten Flughafen bilden könnten.

Während militärisches Be- und Entladen in Minuten funktioniert, dauert das zivile, kommerzielle Boarding gerne mal 30-60 Minuten. Aber auch davor müssten die Gäste am Flughafen warten. Derzeit erscheint eine zivile Nutzung also unmöglich.

Flüge aus Kyiv raus?

Dass zivile Maschinen trotz der Bedrohung fliegen können, bewiesen mehrere spektakuläre Aktionen seit Februar 2022. Bei Kriegsbeginn saßen Dutzende ausländische und ukrainische Flugzeuge in Kiew und Lviv fest.

Im September 2022 gelang der ungarischen Wizz Air ein Coup: Ein Airbus A320, der seit Kriegsbeginn in Lviv festsaß, startete mit ausgeschaltetem Transponder. Er flog in extrem geringer Höhe, so dass man ihn in den umliegenden Häusern gut hören konnte. Er erreichte nach wenigen Minuten den polnischen Luftraum. Sobald er die Grenze überquerte, schaltete die Crew die Ortungssysteme wieder ein.

Noch riskanter waren die Evakuierungen aus dem Flughafen Kiew-Boryspil, von welchem aus ich selbst noch im Dezember 2021 abflog. Im April 2023 konnte die ukrainische SkyUp Airlines ihre letzte Boeing 737 aus Boryspil nach Rumänien fliegen.

Im Dezember 2023 wurde eine massive Boeing 777-300ER erfolgreich aus Kiew evakuiert. Das Flugzeug flog ohne Passagiere nach Frankreich und bewies, dass selbst große, träge Maschinen den ukrainischen Luftraum durchqueren können, wenn das Timing und die Absprache mit der Luftabwehr stimmen.

Der nächste Schritt

Screenshot des Fluges 01 Blue

Die Ukraine arbeitet derzeit eng mit europäischen Flugsicherheitsbehörden zusammen, um Korridore zu definieren, die ausschließlich über das Staatsgebiet führen, das durch westliche Systeme gesichert ist. Immer wieder sieht man, dass die Ukraine mutiger wird und die Transponder bereits in der Ukraine einschaltet.