Ennos kleine Hassparade: Meine Hater im Netz!
Früher hieß es mal: „Don’t feed the troll.“ Ignoriere sie einfach, dann gehen sie weg. Ein gut gemeinter Rat aus der digitalen Steinzeit, der leider einen Haken hat: Er funktioniert nicht. Wenn man heute über den IS schreibt, die Ukraine besucht oder einfach nur eine Meinung hat, die nicht in das Weltbild der „Besorgten Bürger“ oder der professionellen Hater passt, dann gehen sie nicht weg. Sie multiplizieren sich. Also habe ich mich vor Jahren für einen anderen Weg entschieden: Ich füttere sie nicht nur – ich stelle sie auf die Bühne.
Der Klassiker: Die Drohung per DM.
Es beginnt meistens gleich. Jemand (Profilbild: ein röhrender Hirsch oder eine Deutschlandfahne), schickt mir eine Nachricht. Der Inhalt? Eine bunte Mischung aus wüsten Beleidigungen, Gewaltfantasien und der festen Überzeugung, dass ich bald „zur Rechenschaft gezogen“ werde. Früher hätte ich das vielleicht gemeldet oder gelöscht. Heute mache ich einen Screenshot, packe den Hashtag #Fanpost dran und leite es an die interessierte Öffentlichkeit weiter. Und zeige es an. Das geht in einer Minute kostenlos per Onlinewache – alles andere übernimmt dann der Staat ohne weiteres Zutun meinerseits. Toller Service. Danke, Rechtsstaat!
Die Kunst der Demontage
Warum führe ich diese Menschen aus dem Bundesverband der ungebumsten Berufsempörten so vor? Weil diese Leute von der Anonymität und der vermeintlichen Machtlosigkeit ihres Gegenübers leben. In dem Moment, in dem ich ihren Text öffentlich mache, gebe ich ein schlechtes Opfer ab. Ich profitiere von ihrer Blödheit. Wenn mir jemand erklärt, wie er mich „vernichten“ will, aber dabei in jedem zweiten Wort einen Rechtschreibfehler einbaut, dann ist das keine Bedrohung. Das ist Realsatire. Ich kommentiere diese Nachrichten meistens gar nicht groß. Ich stelle sie einfach nur aus. Die Community erledigt den Rest. Besonders lustig wird es, wenn die Trolle merken, dass sie Gegenwind bekommen. Dann kommen die Mails: „Löschen Sie das sofort, das ist privat!“ – zum Beispiel, weil man sie einem Arbeitsplatz oder einer echten Person zuordnen konnte.
Ennos kleine Hassparade: Was bei einem aufschlägt, geht von Schmähkritik über Mimimi bis hin zu Drohungen und Todesphantasien. Daher hier mal fünf exemplarische Beispiele. Und wie man sieht: Leute melden sich durchaus unter ihrem echten Namen.
1. Der Klassiker – Schlechte Rechtschreibung und ein unklares Feindbild

2. Gewaltphantasien – Man solle mich an die Wand stellen!

3. Anonyme Accounts mit vielen Followers, die in ihrer Bubble-Sprache beleidigen wollen

4. Die Autorin Kathrin Wessling wünscht sich, dass ich den Journalisten Paul Ronzheimer heirate, dass wir dann aber bei der gleichgeschlechtlichen Hochzeit ermordet werden.

5. Der Heise Verlag betitelte mich in einem Artikel als „Rechten“, da ich mich öffentlich gegen den Angriff Putins auf die Ukraine positionierte. Ich veröffentlichte die Stelle und wurde daraufhin vom Heise Verlag: „Ich werde Ihre Tweets und Ihre Aktion noch einmal redaktionell aufgreifen.“ – der angekündigte zweite Artikel kam scheinbar nie.

Aber, aber,….
Mir wird immer wieder erklärt, man könne so Menschen ja nicht einfach anzeigen, weil man dann eine „Gegenanzeige“ erhalte und ins Gefängnis müsse (Ja! Das glauben Menschen wirklich!). Was das sein und wie das funktionieren soll: Unklar. Oder man hat Sorge, dass der Anwalt Tausende koste. Es ist Strafrecht. Man braucht keinen Anwalt. Man zeigt es online an und hat dann nichts mehr mit zu tun. Oder, die Leute könnten dann wissen, dass man sie angezeigt hat, und einen dann weiter bedrohen. Nun … man hat sie ja angezeigt, weil sie einen bedroht haben. Das ist ja schon der Stand. Zu guter Letzt könnten einem die Leute irgendwo auflauern, wie in so einem 1930er Jahre Stummfilm. Nein. Wirklich nicht.
Mein Unternehmen ist bekannt, es hat Öffnungszeiten, die Tür ist auf. Aber die Leute wollen einem ja gerade aus der Deckung der Netze anonym drohen – sie wollen nicht zur offenen Feldschlacht auf den Hof vorm Museum kommen. Das könnten sie ja auch ohne Ankündigung. Es wurde mehrmals auf mich geschossen und ich wurde mit bewaffneten Drohnen gejagt – nie hat einer der Täter das vorher in schlechter Rechtschreibung angekündigt.
Das Lustige
Heise wollte scheinbar durch die Ankündigung eines neuen Artikels unklaren Druck aufbauen, Frau Wessling schien nur ein Problem mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu haben. Was immer wieder passiert, wenn man die Einsender solcher Hassposts anzeigt: Sie erklären bei der Befragung durch die Polizei, das sei alles nur ein Missverständnis sei. Ein Scherz. Irgendwie, sowas. Sie fühlen sich ertappt, werden kleinlaut. In wenigen Fällen meldeten sie sich sogar und beschwerten sich, sie hätten Probleme auf der Arbeit oder im privaten Umfeld bekommen, nachdem ich ihrem Hass nochmal zu neuer Leserschaft verholfen habe. In den Fällen bleibt mir nur eines zu sagen: Gerne geschehen!