Um ein Lichtblick zu sein, muss man kein Superheld sein. Warum Manuel Webers unaufgeregter Bericht über seine Ukraine-Einsätze Mut macht und aufrüttelt. Als er neulich mit seiner Familie im Berlin Story Bunker war, antwortete Manuel Weber auf die Frage, wie oft er während des Kriegs in der Ukraine gewesen sei, mit „21 Mal“.

Bei seiner ersten Tour kam er bis nach Awdijiwka, einer Stadt an der Front, die nur über einen Korridor zu erreichen war, da sich überall russische Truppen befanden. Er stand ständig unter russischem Beschuss. „Und pass auf, dass du nicht von der Spur abkommst. Am Straßenrand ist alles voller Granatsplitter.“ Heute ist die Stadt vollständig zerstört. Gerade seine Schilderungen aus der Anfangszeit lassen die Leser nachempfinden, in welche völlig fremde und kaum zu kontrollierende Situation man gerät.
Als Seelsorger arbeitet er in Deutschland intensiv mit Kirchengemeinden zusammen, hält Vorträge und wird immer wieder gefragt, wie Einzelne weiterhelfen können. Er gibt darauf ganz praktische Antworten: „Was kann ein kleiner Schlosser aus Gummersbach tun?“ Zum Beispiel beim Innenausbau eines Krankenwagens helfen. Dass die Hilfe auch von Unternehmen ausgeht, beschreibt er am Beispiel von Lebensmittelhändlern, Autohändlern und Kleiderspenden.

In der Ukraine sei er, so beschreibt er es, ein Lichtblick für viele. Ein wesentlicher Aspekt, den sein Bericht spürbar macht: Wenn Chris vom Bravery e.V. oder Enno von der Berlin Story nach Cherson kommen, merken sie, wie bedeutungsvoll es ist, sich vor Ort sehen zu lassen – selbst wenn Drohnen zu hören sind.
Dennoch entschloss sich Manuel Weber nicht nur, Hilfeleistungen in Deutschland zu organisieren und in die Ukraine zu bringen, sondern auch zu predigen. „Es war mir wichtig, auch Hoffnung zu bringen und etwas fürs Herz.“ Er predigte vor ukrainisch-orthodoxen und griechisch-orthodoxen Christen, vor allen, auch den vielen Atheisten: „Ihr dürft in jeder Lage zu Gott beten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm. Dann wird Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren.“ Sein Freund Sascha übersetzt die Predigten und sagte ihm später im Auto, Manuel habe einen guten Eindruck hinterlassen. Die Männer sagten: „Wie verrückt ist das denn? Da kommt ein Deutscher und erzählt uns etwas aus der Bibel. Und wir bleiben mit veränderten Herzen zurück.“
Was Manuel Weber macht, erfordert enormen Mut – und ist doch im Kern etwas, das jeder tun könnte. Man muss nur den Willen aufbringen und sich die Zeit nehmen. Man muss für andere da sein wollen. Genau dazu rüttelt dieses Buch auf: Es zeigt unaufgeregt, aber eindrucksvoll, dass die größte Hoffnung oft in den Händen derer liegt, die einfach anpacken.
Der kugelsichere Prediger. Als Seelsorger an der Ukrainefront. Manuel Weber, 182 Seiten, Brunnen Verlag, 22 Euro