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Branson äußerst sich zu Trumps „Friedensplan“

Richard Branson ist mehr als ein exzentrischer Milliardär, der vermeintlich schlaue Kommentare vom Beckenrand gibt. Damals verhandelte er einen Geiselaustausch mit Saddam Hussein. Nun äußert er sich zu Trumps „Friedensplan“ für die Ukraine. 

Bransons diplomatische Alleingänge

Richard Bransons Erfahrung auf dem diplomatischen Parkett ist keine Theorie. Als Saddam Hussein nach der Invasion Kuwaits 1990 hunderte westliche Ausländer als „menschliche Schutzschilde“ festhielt, kamen die Diplomaten nicht voran. Auf Bitten von König Hussein von Jordanien flog Branson nach Bagdad und verhandelte direkt mit dem Diktator. Er erreichte tatsächlich die Freilassung britischer Geiseln, die er mit einem Flugzeug seiner eigenen Fluggesellschaft ausflog. In der Dokumentation „Hostage Talks“ erklärt er die ganze Aktion aus seiner Sicht. 

Dies war kein Einzelfall. Branson nutzt seine Unabhängigkeit immer wieder für sogenannte „Track-II-Diplomatie“ sinngemäß „Diplomatie auf dem Nebengleis“.

The Elders: Zusammen mit Peter Gabriel und Nelson Mandela gründete er die Gruppe „The Elders“, einen Rat unabhängiger Weltführer, die sich weltweit für Frieden und Menschenrechte einsetzen.

Irak-Krieg 2003: Kurz vor der US-Invasion versuchte er verzweifelt, einen geheimen Vermittlungsflug für Nelson Mandela in den Irak zu organisieren, um Saddam Hussein zum Rücktritt zu bewegen und den Krieg noch abzuwenden.

Venezuela: 2019 organisierte er ein massives Benefizkonzert an der Grenze zu Venezuela, um Hilfsgüter ins Land zu bringen und den damaligen Machthaber Maduro unter Druck zu setzen.

Kritik am „Friedensplan“ für die Ukraine

Vor diesem Hintergrund wiegt seine aktuelle Kritik an dem, was als Donald Trumps „Friedensplan“ für die Ukraine diskutiert wird, besonders schwer. Branson analysiert den 28-Punkte-Plan in seinem Blogpost nicht als Geschäftsmann, sondern als jemand, der den Unterschied zwischen einem fairen Kompromiss und einer Kapitulation kennt.

In seinem Artikel „This is not a peace plan“ findet er deutliche Worte. Er bezeichnet den Vorschlag als „Kapitulationsurkunde“ („articles of surrender“), die Putins brutale Invasion legitimiere. Branson kritisiert, dass der Plan der Ukraine die Souveränität raube. Er schreibt:

Es ist ein Deal, ganz sicher – ein großartiger Deal für Russland. Putins Unterhändler müssen mit einem Gefühl des totalen Sieges aus diesen Beratungen gegangen sein.

Besonders scharf verurteilt er die moralische Äquivalenz, die der Plan suggeriere. Der Vorschlag impliziere, dass „die Ukraine und Russland gleichermaßen schuld an einem brutalen Krieg sind, den Putin begonnen hat“. Zudem warnt Branson davor, dass der Plan eine Generalamnestie für russische Kriegsverbrechen vorsehe und der Ukraine das Recht nehme der NATO beizutreten.

Sein Fazit ist düster und zieht historische Parallelen zur gescheiterten Appeasement-Politik vor dem Zweiten Weltkrieg:

Ich hätte nie gedacht, dass ich erleben würde, wie die USA zu einem Befürworter der Beschwichtigungspolitik werden […]. In gewisser Weise fühlt sich das schlimmer an als Neville Chamberlains gescheiterte Bemühungen.

Branson betrachtet den Konflikt nicht durch die Brille des „Dealmakers“, sondern warnt vor den langfristigen geopolitischen Folgen einer Politik, die Aggression belohnt. Ihm zuzuhören würde vielen Politikern sicher gut tun.