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Billige IP Cams in russischen Glasfaser Drohnen

Die Kameras in russischen FPV Drohnen sind meist einfach. Sie müssen billig sein und  30 Minuten funktionieren, bevor die Einwegdrohne explodiert. Oft werden Kameramodelle für 10-20€ von Aliexpress verwendet. Dieses Signal wird dann per Funk an den Piloten übertragen, welcher es nutzt um die Drohne zu steuern. Da die Funksignale regelmäßig gestört oder von den potentiellen Opfern detektiert werden, setzen die Russen parallel Glasfaserdrohnen ein. Diese bieten die Möglichkeit andere Kameras zu nutzen.

Baugleiche Drohne mit Glasfaser Trommel, ohne Bombe
Baugleiche Drohne mit Glasfaser Trommel, ohne Bombe

Eine Glasfaserdrohne nutzt statt des Funksignal ein digitales Signal, welches über eine bis zu 50 Kilometer lange Faser gesendet wird. Theoretisch würde mehr gehen, aber die Glasfaserspulen werden mit zunehmender Länge schwerer und die Leistung der Akkus begrenzt die Flugzeit. Daher kommt man derzeit nicht weiter. Auf beiden Seiten der Faser ist ein GBIC-Modul, welcher aus dem Glasfaser Signal ein Signal für ein Handelsübliches Netzwerkkabel macht. Ob man Daten nach einem Standart oder etwas Properitäres über die Faser schickt, bleibt einem dabei selber überlassen.

In Glasfaserdrohnen, welche vor allem rund um Kherson zum Einsatz kamen, fanden wir nun IP-Kameras. Technisch gesehen also wie übliche Netzwerkkameras zur Überwachung des Gartens oder von Ladenlokalen. Diese können ihr Signal per Netzwerkkabel rausgeben, das geht in den GBIC-Konverter, über die Spule und auf der anderen Seite wieder zurück. Man kann den digitalen Videostream dann mit üblichen Playern wie dem VLC Player ansehen. Im Falle der Drohnen-Piloten aber vermutlich mit einer Software, welche für diesen zweck gebaut wurde. 

Kamera bei AliExpress
Kamera bei AliExpress

Die Dokumentation des gefundenen SSC377D Kameramodules (36€ auf Aliexpress) war nicht optimal. Daher erstmal mit dem Laptop verbinden und den Netzwerkverkehr belauschen. Dabei kam raus, dass die Kamera die ganze Zeit die Daten von sich auf einen zu erwarteten Server sendete. Also dem Laptop die Adresse des Servers geben und die Daten empfangen. An sich ist das ganze Trivial, jedoch aus mit einer menge Raten der einzelnen Parameter verbunden.

Links die Drohne mit Glasfaser -> Ethernet Adapter, dann der Ethernet-USB Adapter am Laptop und ein Bild aus der Kamera
Links die Drohne mit Glasfaser -> Ethernet Adapter, dann der Ethernet-USB Adapter am Laptop und ein Bild aus der Kamera

Am Ende funktionierte es, das Kamerabild war auf dem Laptop zu sehen. Wie zu erwarten: Nicht beeindruckend, aber gut genug um einen Zivilisten damit zu Jagen und zu ermorden. Also genügt es den Ansprüchen der russischen Armee.

Diese IP-Kamera und die Art wie sie verwendet wird ist derzeit typisch für die Entwicklung der FPV Drohnen bei der russischen Armee: Billig, einfach, mit dem was man zur Hand hat, aber tödlich. 

Weitere Berichte zu dem, was wir in russischer Kriegstechnik finden, können Sie hier lesen.

Technische Details

Die Drohne hatte die IP 192.168.144.200 und sendete einen h264 stream an 192.168.144.222. Die passende camera.sdp lautet:

###camera.sdp
v=0
o=- 0 0 IN IP4 127.0.0.1
s=AirPlayVideo
c=IN IP4 192.168.144.222
t=0 0
m=video 8000 RTP/AVP 96
a=rtpmap:96 H264/90000

Der Befehl um den Stream anzusehen:

ffplay -protocol_whitelist "file,rtp,udp,crypto" -fflags nobuffer -flags low_delay -i camera.sdp