bsnGeschichteIn eigener Sache

1926 oder 2026? offene Gesellschaft vs. Rechtspopulismus

Krisen haben das Vertrauen in die etablierten Institutionen erschüttert. Zwar sieht man in Berlin eine bunte und offene Gesellschaft, doch unter der Oberfläche brodelt es. Wirtschaftliche Sorgen und geopolitische Spannungen schüren Ängste. In den Parlamenten und auf den Straßen machen sich rechte Kräfte breit, die das bestehende System am liebsten einreißen würden. Viele Bürger fragen sich: Wie geht es weiter? Aber sprechen wir von 1926 oder 2026? Die Parallelen sind erschreckend. 

Berlin Story Bunker
Berlin Story Bunker

Die Parallele: Offene Gesellschaft im Belagerungszustand.

Sowohl in der Weimarer Republik vor genau einhundert Jahren als auch in unserer heutigen Bundesrepublik gab es ähnliche Probleme – auch wenn die Zeiten bei genauerer Betrachtung sehr unterschiedlich sind: Auf der einen Seite erleben wir eine offene Gesellschaft. Damals wie heute prägen kulturelle Vielfalt, Pluralismus und der Kampf um individuelle Freiheiten das gesellschaftliche Bild. Deutschland ist ein demokratischer Raum, in dem theoretisch jede Stimme gehört werden kann. Daher ziehen wir Menschen aus Gegenden an, in denen man nicht so sicher und frei leben kann.

Auf der anderen Seite erleben wir damals wie heute ein massives Wachstum rechter und rechtspopulistischer Parteien. Die Mechanismen haben sich in 100 Jahren nicht geändert. Schlimmer aber, dass sie bei einer willigen Zielgruppe weiterhin funktionieren. 

Vereinfachen, Spalten, Angreifen

Bereich Shoah (Holocaust) im Bunker
Bereich Shoah (Holocaust) im Bunker

Populisten verpacken die komplizierten Herausforderungen der Globalisierung, der Wirtschaft oder des technologischen Wandels in einfache, emotionale Narrative. Sie bieten eine einfache Lösung an – welche aber gar nicht funktioniert. Die Zielgruppe muss also ungebildet genug oder willens genug sein, darüber hinwegzusehen. 

Es wird ein „Wir gegen Die“ konstruiert – das „einfache Volk“ gegen eine vermeintlich korrupte „Elite“. Auch wenn diese Elite oft aus vom Volk gewählten Vertretern besteht. Was sich so nicht erklären lässt, wird auf Juden, Homosexuelle, Behinderte und Ausländer abgewälzt. Die Klassiker der Sündenböcke. All diese sollen an den persönlichen Problemen Schuld sein.

Schritt für Schritt wird das Vertrauen in die freie Presse („Lügenpresse!“), die Justiz und demokratische Prozesse untergraben. Jede unliebsame Abstimmung wird als Verschwörung erklärt. Jedes unliebsame Urteil gegen Rechtsradikale für illegitim erklärt. Oft muss man dazu Teile des Kontext oder die Ursachen weglassen, damit die Erklärung funktioniert.

Dieser Populismus ist deshalb so gefährlich, weil er die Werkzeuge der Demokratie missbraucht, um diese von innen heraus auszuhöhlen. Die Weimarer Republik zeigte schmerzhaft, dass eine Demokratie ohne wehrhafte Demokraten schutzlos ist.

Aus der Vergangenheit lernen

Wer verstehen will, wie dünn das Eis der Zivilisation tatsächlich ist und wie radikale Propaganda historisch funktionierte, findet in der deutschen Hauptstadt einen der eindringlichsten Lernorte dafür.

Im Berlin Story Bunker (einem originalen Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg) widmet sich die Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ exakt dieser Kernfrage. Auf mehreren Stockwerke und tausenden Quadratmetern geht es weniger um die bloße Aneinanderreihung von Jahreszahlen, sondern vielmehr um die Rekonstruktion des Systemwechsels und die Analyse der gesellschaftlichen Dynamik. Als einziger Lernort zeigen wir den Bogen vom deutschen Kaiserreich über den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, den Zweiten Weltkrieg bis hin zu Mauerbau, Wiedervereinigung und Ukraine Krieg. 

Die Ausstellung seziert schonungslos den Aufbau des faschistischen Systems. Wie aus einer unbedeutenden Splitterpartei durch gezielte Radikalisierung eine Massenbewegung wurde. Und wie wir den Weg zurück in die Demokratie fanden.

Es wird erklärt, wie Ängste erst geschürt und die dann instrumentalisiert werden, um Menschen zu manipulieren. Dafür setzen und setzten Rechte vor allem auf moderne Massenmedien.

Anschließend wird der Rassismus, Antisemitismus und Faschismus normalisiert. Wie der Terror und die Entrechtung von Minderheiten für den Großteil der Bevölkerung Schritt für Schritt zum Alltag wird. Bis man niemanden mehr kennt, der gegen das System ist. 

Das Fazit für die Gegenwart

Man muss den Feind kennen und verstehen, um etwas gegen ihn machen zu können. Unser großer Feind ist der Rechtspopulismus, der Missbrauch demokratischer Errungenschaften und die selbstgewählte Blödheit vieler Menschen. Unsere Besucher loben regelmäßig die klare Ausrichtung und die verständliche Darstellung des Themas. Aus dem Verständnis kann man Ideen für seine Handlungen ableiten und so gemeinsam daran arbeiten, die Demokratie wieder ins ruhige Fahrwasser zu bringen. 

Oder, wie es die Punkrock Band „Die Ärzte“ einst formulierten: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

Berlin Story Bunker
Schöneberger Str 23A
10963 Berlin

365 Tage im Jahr 10-19 Uhr (letzter Einlass 17:30)