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100% Bonus, wenn man es durch die Straße von Hormus schafft!

Die Straße von Hormus war das strategisch wichtigste Nadelöhr für den weltweiten Öltransport. Seit Monaten ist sie mal geöffnet, mal geschlossen, mal gegen Zahlung passierbar. Eins ist sie ganz sicher: gefährlich. In der Meeresenge gab es dieses Jahr bereits dutzende Angriffe auf Handelsschiffe.

Seefracht- und Gewerkschaftsorganisationen stufen die Durchfahrt als Gefahren- bzw. Kriegsgebiet (High-Risk Area/Warlike Operations Area) ein. Für Reedereien bedeutet dies erhöhte Versicherungsprämien für die Schiffe sowie die Notwendigkeit, der Besatzung hohe Risikozulagen zu zahlen. Dies ist in einer aktuellen Stellenausschreibung für einen Supertanker (VLCC = Very Large Crude Carrier) zu sehen:

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Die in der Anzeige genannten Gehälter liegen deutlich über dem normalen Marktstandard, insbesondere, wenn man das Bonussystem berücksichtigt. Das angebotene Grundgehalt liegt bereits am obersten Rand der internationalen Skala. Üblicherweise bekommt man auch für 25–50 % weniger Gehalt eine Crew zusammen. 

Der Bonus!

Der entscheidende Teil ist jedoch der Bonus. Dieser wird laut Anzeige gezahlt, wenn man es samt intaktem Schiff durch die Straße von Hormus schafft. Das heißt, dass sich das ohnehin hohe Gehalt verdoppelt. Ein einfacher Matrose kommt so auf 4.000 $ für einen Monat an Bord. Matrosen kommen oft von den Philippinen, aus Bangladesch oder anderen Schwellenländern. Dort kann eine Familie von diesem Monatsgehalt ein halbes Jahr leben. Ein Single-Seemann kann davon sogar ein Jahr leben. 

Da Seeleute auf Handelsschiffen in der Regel nur pro Vertrag bezahlt werden, erhalten sie bei Krankheit oder arbeitsfreier Zeit keinen Cent. Ein einziger Gefahren-Monat in der Straße von Hormus ist für sie also lukrativer als ein halbes Jahr harter Dienst unter normalen Bedingungen.

Wie sieht die Arbeit aus?

Der Dienst auf einem ca. 330 Meter langen Supertanker, der mit bis zu zwei Millionen Barrel Rohöl beladen ist, unterscheidet sich drastisch von der normalen Seefahrt: Aufgrund der erhöhten Sicherheitsstufe sind mehr Wachen nötig, die permanent Ausguck halten. Oft heißt das: „Aktivierung von ISPS Level 2 oder 3“, was bedeutet, dass die höchste Sicherheitsstufe auf See gefahren wird. Es werden doppelte Brücken- und Deckswachen rund um die Uhr eingesetzt, um Schnellboote, unbemannte Überwasserfahrzeuge oder Drohnen zu erkennen. 

Oft wird bereits vor Erreichen des Risikogebiets Stacheldraht entlang der Reling montiert, um ein Boarding zu verhindern. Die sogenannte „Citadel“, also der Panikraum, wird ausgestattet und tatsächlich nutzbar gemacht. Das ist ein gesicherter, gepanzerter Raum im Schiff mit eigener Notstromversorgung, Notfunk und Steuerungselementen, in den sich die gesamte Crew im Falle einer Enterung zurückziehen kann.

Die Besatzung steht unter permanenter Anspannung, da jederzeit mit Raketen-, Drohnen- oder Minenangriffen zu rechnen ist. Auch, aber nicht nur, aus diesem Grund bietet die Reederei Verträge mit einer Laufzeit von nur einem Monat an – sie ist sich nicht sicher, ob der Mitarbeiter die Mission überleben wird.