„Wo wurden die hier eigentlich vergast?“

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Manchmal tut es weh. Damit muss man leben. Wollen wir aber nicht. Deswegen machen wir die Bunkerführungen. Bei den Touren erleben wir extreme Unterschiede, was die Besucher wissen, vor allem aber, wie Lehrer ihre Schüler vorbereitet haben. Lange haben wir uns vorgenommen, die Besucher nicht dumm dastehen zu lassen. Andererseits: Wenn man das nicht darstellt, kann man nicht erklären, welche Rolle Lehrer spielen und was wir als unsere Vermittlungsaufgabe sehen.

 

Mehr für Lehrer über das Berlin Story Museum hier …

 

Keines der Fotos rechts steht im Zusammenhang mit einem der hier beschriebenen Vorfälle.

 

Eine 9. Klasse wird gefragt: „Wer weiß ganz grob, wie lange der Zweite Weltkrieg her ist?“ –
Erster Tipp: 3 Jahre, zweiter Tipp: 100 Jahre. Keine weiteren Antworten.

 

Kunden im Museum „Meinst du, das war ein echter Bunker?“

 

Häufige Frage im Bunker: „Und wo wurden hier die Leute vergast?“

 

„Wenn es hier drin so eng war, warum sind die Leute dann nicht einfach raus gegangen?“

 

Frage vom Lehrer (aus Berlin): „Ist das ein 1. oder 2. Weltkriegsbunker?

 

Frage vom Lehrer (aus Berlin) NACH der Führung: „Den Bunker mit den Lebensmitteln der Senatsreserve zu beladen hat doch sicher lange gedauert. Wie konnte man das bei den Luftangriffen machen?“

 

Museum, Station 1945, 9. Klasse: „Was ist das für ein Film da?“ – „Berlin 1945, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs“ – „Und warum ist da alles kaputt?

 

8. Klasse: „Wer durfte nicht in Bunker?“ – Schweigen – „Gegen welche Religionen, Volksgruppen oder so hatten die Nazis was?“ – Schweigen – „Ihr habt doch sicher mal gehört, dass die Nazis was gegen Juden hatten …“ – Lehrerin: „Das ist aber etwas speziell, dafür sind die noch zu jung.“

 

5.+6. Klasse aus Süddeutschland. „Wieso hieß denn der Anhalter Bahnhof ‚Anhalter‘ Bahnhof?“ – Schüler: „Na weil er nach Anhalt ging, und der Hamburger Bahnhof nach Hamburg usw.“ … Na gut … Später: „Wer durfte denn nicht in den Bunker?“ – „Ja viele, z.B.: Juden, Moslems, Homosexuelle, die meisten Ausländer, Gegner von Hitler …“ Noch später „Was war denn vor etwa 25 Jahren?“ – Schüler #1: „Wiedervereinigung“ – Schüler #2: „Nein, erst nur Mauerfall“. Habe dann mal gefragt woher das kommt. Lehrer war ganz verwundert über die Frage „Na, wir haben das im Unterricht vorbereitet.“

 

8. Klasse aus der Schweiz. Im Bunker wird erklärt, dass die Türen teilweise von 15-jährigen Jungs bewacht wurden. Diese mussten effektiv zwischen überleben und Tod der Schutzsuchenden entscheiden. Frage eines Schülers: „Kann man sagen, dass die Jungs Schuld am Leid der Menschen hatten, oder waren sie selber Opfer?“

 

Zwei Schüler, Oberstufe, posieren im Museum breit grinsend und freudig vor einer der Hakenkreuze und wollen gerade Fotos machen. Habe sie direkt raus geworfen. Der Lehrer kam dazu und meinte: „Es hat aber am Eingang niemand drauf hin gewiesen, dass so Fotos unerwünscht sind.“

 

„Der Fernsehturm stand im Osten!? Warum steht der dann noch? Da war doch Krieg?!“

 

Ein Paar, um die 30: „Die Leute waren auch im Krieg im Bunker!? Warum das denn?“ – „Na, weil der Bunker ja genau dazu gebaut wurde, um sicher vor den Bomben zu sein“ – „Aber haben die Leute, die hier gewohnt haben, die denn einfach rein gelassen?“ – „Nun, in Bunkern, wohnt niemand. Die waren ja nur dafür gebaut worden“ – „Hä!? Wie jetzt…“ – [Kurze Erklärung, was ein Bunker ist] – „Ahh… ich dachte immer, das bauen sich reiche Leute als Loft, weil es cool ist.“

 

Historische Bunkertour, 10. Klasse. Ein Lehrer und drei Schüler brechen die Tour ab, nachdem die Lage, technische Daten und die Baustelle erklärt wurden – also vor dem eigentlichen Schrecken des Krieges. Das ist für die kleinen zu brutal – sie wussten ja nicht dass auch Themen wie Krieg, Bomben, Tote und Zwangsarbeit dran kommen, sie wollten ja nur eine Bunkertour machen.

 

Vielleicht noch eine Erläuterung: Wenn jemand aus Sydney kommt und fragt, welche S-Bahn nach Auschwitz fährt, machen wir uns nicht lustig darüber. Der hat Auschwitz und Oranienburg durcheinandergebracht. Wir freuen uns über die Frage und erläutern.