Wir nannten ihn den „Mann ohne Kopf“…

Im Eingangsbereich unseres Bunkers steht eine Figur, die jeden, der zur Tür hereinkommt, in drei Sprachen begrüßt: auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Dabei bewegt die Figur ihren Mund und klimpert mit den Augenlidern. Das Besondere daran ist, dass diese Figur ihren Kopf nicht auf den Schultern trägt, sondern in der Hand.

Der Mann ohne Kopf am Eingang

Unter uns nennen wir diese in ein mittelalterliches Gewand gekleidete Gestalt meist nur den „Mann ohne Kopf“ – was ja streng genommen nicht ganz richtig ist, denn er hat ja einen Kopf – oder manchmal, nach Feierabend, auch einfach den „Quatschkopf“. Unsere Besucher haben allerdings ihre eigenen Theorien darüber, wen sie da vor sich haben.

„Guck mal, der fast kopflose Nick!“, hört man vor allem Kinder rufen, wenn sie den Bunker betreten. Da will man dann natürlich kein Spielverderber sein und verkneift sich den Hinweis, dass der aus den „Harry Potter“-Romanen bekannte Hausgeist von Gryffindor eben nur fast kopflos ist – dass sein Kopf also, wenn auch nur ganz knapp, noch mit dem Hals verbunden ist.

Verblüfft waren wir allerdings, als kürzlich eine ältere Dame, die unseren Bunker besuchte, hoch erfreut und ganz unerschrocken auf unseren „Mann ohne Kopf“ zuging und mit leichtem französischem Akzent erklärte: „Das ist der Heilige Dionysius.“

– Tatsächlich? Nun ja, könnte sein. Der Hl. Dionysius von Paris, auf Französisch Saint Denis genannt, ist einer der Nationalheiligen Frankreichs. Er war Missionar in Gallien und starb im Zuge der Christenverfolgungen unter Kaiser Decius um das Jahr 250 als Märtyrer – durch Enthaupten. Und damit nicht genug: Der Legende nach erhob sich der geköpfte Dionysius, nahm seinen Kopf in die Hand und trug ihn sechs Kilometer weit, bis zu der Stelle, an der er dann begraben wurde.

Dionysius

Dionysius von Paris in der Schedelschen Weltchronik, Nürnberg 1493 (Bildquelle: Wikimedia Commons)

Es existieren zahlreiche bildliche Darstellungen des Heiligen, wie er seinen Kopf in der Hand trägt – und auf einigen davon hat er tatsächlich beachtliche Ähnlichkeit mit unserem „Mann ohne Kopf“.

Der eigentümliche Humor der Volksfrömmigkeit machte den geköpften Dionysius übrigens zum Schutzheiligen gegen Kopfschmerzen. Klar, das ergibt irgendwie Sinn: Ist der Kopf erst mal ab, tut er nicht mehr weh…

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