„Wer war Hitler“ — Hermann Pölking und sein siebeneinhalb Stunden Film

„Wer war Hitler“ steht den Exzessen von Verdummung und Verachtung der Zuschauer bei History Channel und mancher ZDF-Dokumentation diametral gegenüber.

 

Ich fühle mich angesprochen, ich als historisch interessierter, gebildeter, aktiver, im Heute lebender Bürger, der sich mit der Vergangenheit Deutschlands und der Welt auseinandersetzt, der wissen will, wie sich diese Diktatur so ungeheuer schnell und radikal stabilisieren konnte. Ich habe den Eindruck, ich bin Teil der Zielgruppe, der Film ist für mich gemacht. Wenn ich ZDF sehe oder andere unsägliche TV-Dokumentationen, fühle ich mich als Trottel behandelt.

 

Hermann Pölking meint nicht, für den Zuschauer alles vordenken, vorsagen und mit Attributen versehen zu müssen. Ich weiß, was Nationalsozialismus bedeutet. Da besteht für mich kein Zweifel und ich vermute auch nicht für diejenigen, die das hier lesen oder die sich einen siebeneinhalb Stunden langen Film über Hitler ansehen. Glatzen wird man im Kino nicht treffen.

 

Siebeneinhalb Stunden – geht das? Ja, besser sogar als die kurzen Trailer vermuten lassen, die man hier im Internet sehen kann. Jeder Moment des Film ist voller Spannung, legt ein ungeheures Tempo vor, fordert intellektuell heraus, die Gedanken jagen sich beim Zuschauen.

 

Erst kommt das Zitat, dann eine Pause, dann die Auflösung, wer das gesagt hat. Einer spricht über den Tod seines geliebten älteren, verehrten Bruders im Krieg. Es schießt einem durch den Kopf, davon schon einmal gehört zu haben. Wem ist das widerfahren? Wer hat seinen Bruder verloren? Mit welcher Konsequenz? Pause – Helmut Kohl. Das berührt mich!

 

Es sind unbeschreibliche Bilder, keine bekannten Schnipsel ein weiteres Mal anders zusammengeschnitten. Wirkliche neue, sagenhafte, überraschende Bilder. Der Abspann dauert neun Minuten und zählt im wesentlichen auf, aus welchen Archiven das Material stammt.

 

Es kommen keine Zeitzeugen vor, die etwas aufsagen. Der Zuschauer muss keinen Professor Schlaumeier ertragen, der das Böse erklärt. Es setzen keine Celli zum Crescendo an. Kein Sprecher aus dem Off erklärt, was ich gerade auf der Leinwand sehe. Bild und Ton passen zusammen, aber es entsteht durch die Zusammenstellung viel mehr, eine Herausforderung an den Geist.

 

Der Film von Hermann Pölking ist der anspruchsvollste, mit den stärksten Quellen, den ich jemals zum Thema Hitler gesehen habe, er ist absolut zeitgemäß, in jedem Moment extrem spannend und keinesfalls überkandidelt.

„Wer war Hitler“, Hermann Pölking, etwa 30 Minuten Trailer zum siebeneinhalb Stunden Film …