Wenn ich staatlich alimentierter Wissenschaftler wäre …

BBC Interview, Foto
AFP zum itinerar,Malaysia
Sandner, Harald, Hitler Itinerar Kopie
NZZ Itinerar

Wenn ich staatlich alimentierter Wissenschaftler wäre, würde ich nichts sagen zu einem Buch, das ich nicht kenne, das ich gar nicht kennen kann, weil es noch nicht auf dem Markt ist.
Prof. Dr. Arnd Bauerkämper von der Freien Universität gibt aber gegenüber der internationalen Presse, der Washington Post, seine Meinung zum Hitler-Itinerar kund (genauer: wird so zitiert): “There’s a certain danger to overemphasize Hitler’s human side and to thereby make him more relatable,” said Arnd Bauerkämper, historian at the Free University Berlin, adding he still appreciated the book as a work of reference.

 

Er scheint das zu sagen, was die Autorin ihm in den Mund legt, was im Buch jedoch gar keine Rolle spielt – im Gegenteil. Harald Sandners Anliegen ist es, die gnadenlose Brutalität Hitlers zu zeigen. Dabei macht er sich das historisch korrekte Vorgehen zu eigen, aus der Zeit heraus zu betrachten und nicht im Nachhinein zu interpretieren, nach Holocaust und dem blutigsten Krieg der Menschheitsgeschichte.

 

Der andere staatlich alimentierte Wissenschaftler, der in der Washington Post zitiert wird, ist Prof. Dr. Martin Sarow von der Humboldt Universität. Auch er kann das Buch zum Zeitpunkt des Gesprächs mit der Washington Post nicht kennen. Es war ja noch nicht erschienen. Aber in der Washington Post seine Meinung verbreiten zu dürfen, hat natürlich etwas, Quellenkenntnis hin und Quellenkenntnis her.

 

Martin Sabrow, director of the Potsdam Center for Contemporary History, however, regards this aspect of the book as typical for the way in which Germans remember their past today: “There’s a strong desire for the authentic in our historical culture. … We want to shed light onto the evils of the past while keeping our distance at the same time.”

 

Früher, als Leopold von Ranke viele Jahrzehnte Dekan der historischen Fakultät der Humboldt Universität war, an der Sarow jetzt lehrt, stand die Quellenforschung an vorderster Stelle. Quellenforschung war damals das Markenzeichen der Historiker der Humboldt Universität. Quellenforschung, könnte man den Gedanken weiter spinnen, ist genau das, was Harald Sandner bis ins Detail exerziert hat. Daran können Wissenschaftler anknüpfen.

 

Der Beitrag der Washington Post ist am 27. April 2016 online und dann passiert das:

 

Der Moderator beim BBC greift am 29. April 2016 genau die Fragen auf, die Stephanie Kirchner von der Washington Post als fragwürdig am Hitler-Itinerar schildert. Der Moderator ist ganz gut vorbereitet. Aber er kennt im wesentlichen den Artikel der Washington Post. Das ergibt sich aus den Fragen. Er kennt das vierbändige Werk selbst oder auch die 64 Seiten auf der Homepage zum Buch nicht. Auch das ergibt sich aus den Fragen an Harald Sandner.

 

Die Mediengesellschaft ist so schnell, dass er sich gar nicht intensiver damit befassen kann. Wir als Medienkonsumenten erwarten, dass die Reaktionen und Berichte sofort kommen, dass man alles und immer weltweit und sofort erfahren kann.

 

Für Harald Sandner bietet dieses BBC World Service Interview die Chance, auf die verquere Darstellung der Washington Post zu antworten. Er nutzt diese Chance wie ein Medienprofi. Von allen Interviews ist es das härtste – und Sandner pariert auf jede Frage.

 

Schadet dem Hitler-Itinerar die Darstellung der WP? Nein. Die erfahrenen Medienkonsumenten, und nur solche lesen die Washington Post, wissen, dass nicht alles für bare Münze zu nehmen ist, was in der Zeitung steht. Großer Dank an Stephanie Kirchner: Die Anfragen nach einer Übersetzung des Hitler-Itinerars ins Englische sind nach ihrem Beitrag exponential angestiegen.

 

Harald Sandner: Hitler – das Itinerar …

 

Presseschau über Das Hitler-Itinerar …