Vom Umgang mit „Raubkopierern“

Das Thema Urheberrecht ist momentan in aller Munde und wird von vielen Menschen kontrovers diskutiert. Gerade in meiner Doppelrolle als Verleger und Mitglied der Piratenpartei habe ich sehr viel damit zu tun. Mein Hauptproblem ist: Ich kann beide Seiten in gewissem Maße verstehen.

Alle, die an der Entstehung eines Buches beteiligt sind, wollen es so verwerten, wie es ihnen beliebt. Meist kommerziell. Die „Raubkopierer“ möchten freie Daten und sehen oft den sportlichen Aspekt an der Sache. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel auf rechtlichem und/oder technischem Gebiet: Kommt ein Kopierschutz, so wird er gebrochen. Nimmt man ein Forum offline, entstehen fünf neue. Also was tun?

In einer idealen Welt würde ich als Verleger die Inhalte einfach ins Netz stellen und die Leute, denen es gefällt, würden einen angemessenen Betrag zahlen. Aber dieses Idealmodell ist leider utopisch und hat zu viele Lücken. Also bleiben wir lieber in dieser Welt.

Wie bei allen sozialen Spannungsfeldern suche ich den Kontakt in alle Richtungen. Zur Seite der Verwerter, indem ich auf Konferenzen wie der AKEP Konferenz, der Leizipger Buchmesse oder der Frankfurter Buchmesse an Panels teilnehme und die Welt der unlizensierten Kopien erkläre. Auf Seiten der Kopierer erkläre ich, warum Bücher nicht kostenlos sind und beteilige mich an Diskussionen in Filesharing Foren. Und es funktioniert.

Gerade beim Buch über die Piratenpartei hatten wir Sorge, es könnte massiv über Filesharingbörsen verteilt werden. Was jedoch passierte, war sehr überraschend: Es sprachen mich Leute persönlich an, ob ich etwas dagegen hätte, wenn sie es einstellen. An sich nicht, zumindest nicht ich persönlich. Aber ich habe eine Verantwortung gegenüber den Autoren, die prozentual am Verkauf beteiligt sind, und gegenüber den Menschen, von denen die Bilder lizensiert wurden. Das Ganze erklärte ich ausführlich, das Buch kam nicht in die Börse. Und mein Gegenüber hat verstaden, warum es nicht ok wäre, und trägt das neue Wissen weiter.

Das funktioniert natürlich nur, wenn man Vertrauen zueinander hat und die Leute einen persönlich fragen (können), ohne Sorge zu haben, dass man rechtlich gegen sie vorgeht oder sie sozial ächtet.

Mich freut es immer wieder, wenn ich diese Erfolge sehe, und würde mir wünschen, dass viel mehr Leute auf beiden Seiten das Gespräch suchen. Ich stehe dafür immer zur Verfügung.

 

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