Versöhnung mit Stasi-Offizieren?


In der gut besuchten Gethsemane Kirche in Prenzlauer Berg ging es um die Versöhnung nach einer Diktatur. Die Gethsemane Kirche spielte 1989 eine bedeutende Rolle bei der Friedlichen Revolution. Es diskutierten u.a. Friederike von Kirchbach, Pröbstin der Evangelischen Kirche und Roland Jahn, der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU). Roland Jahn kommt aus Jena, war bereits als Jugendlicher oppositionell, wurde zwangsausgewiesen und trug durch zur Friedlichen Revolution besonders dadurch bei, dass er Videokameras in die DDR schmuggeln ließ, mit denen Filme für die ARD gemacht (und wieder herausgeschmuggelt) wurden. Die DDR-Opposition im West-Fernsehen war für die Verbreitung der Ideen und für den Schutz der Oppositionellen von entscheidender Bedeutung.


Roland Jahn setzte sich schon vor seinem Amtsantritt dafür ein, dass Stasi-Offiziere und Stasi-Mitarbeiter aus seiner Behörde in eine andere versetzt werden. „Die Opfer dieser Menschen dürfen ihren alten Peinigern nicht schon am Empfang begegnen.“ Das gab ungeheuren Wirbel, nun wurde aber ein Gesetz verabschiedet, das genau diese Frage regelt. Sie sind alle weg.

„Bei mir in der Behörde ist keiner der ehemaligen Stasi-Offiziere öffentlich aufgetreten und hat gesagt, was er eigentlich getan hat. Es gab kein Eingeständnis.“

„Was ist mit den Polizisten, die hier vor der Kirche junge Menschen geprügelt haben. Ist einer Mal gekommen und hat um Entschuldigung gebeten?“

Mehr über Roland Jahn, quasi alles, findet sich in seiner von Gerald Praschl geschriebenen und bei Ch. Links erschienenen, empfehlenswerte Biografie, die in der Buchhandlung Berlin Story auf dem Neuerscheinungstisch liegt.

Haben diese Fragen heute eigentlich mehr als abstrakt-moralische Bedeutung, über die man schön christlich über Vergebung und Versöhnung reden kann? Ich traf bei der Veranstaltung meinen alten Freund Matthias von der Umweltbibliothek der benachbarten Zions-Gemeinde. Mit ihm war ich (westlich)  im Sommer 1989 auf einer Umweltkonferenz in der Nähe von Riga, damals noch sowjetisch. Er wunderte sich, dass er ausreisen durfte. Manchmal durfte er, manchmal nicht. Sein bester Freund F. war dabei.

Als die Akten geöffnet wurden, stellte sich heraus, dass Matthias nur reisen durfte, wenn F. Zeit hatte, ihn  zu bespitzeln. Für Matthias – wie für andere – ist es bis heute schwierig mit Freundschaften.