Verein für die Geschichte Berlins – Neujahrsempfang 2012

Dr. Manfred Uhlitz, der Vorsitzende des im Jahr 1865 gegründeten Vereins für die Geschichte Berlins, begrüßte die Sopranistin Ute Beckert (siehe Foto), verlieh die Fidicin Medaille an den langjährigen Schatzmeister des Vereins, Henning Nause, und stellte den Landesarchäologen Prof. Dr. Matthias Wemhoff vor.

Wemhoff eröffnete neulich die Ausstellung „Von den letzten Dingen“ im Neuen Museum, siehe dieses Tagebuch am 12. Januar 2012.

Ein wichtiger Teil der Autoren und zukünftigen Autoren des Berlin Story Verlags war anwesend. Iris Grötschel, die Autorin von „Das mathematische Berlin“; Alexander Kraft, der gerade an „Das chemische Belin“ schreibt, siehe vorige Meldung dieses Tagebuchs; Thomas Knuth, Autor von Berlin for Beginners und „Berlin 1989 – 2009„; Claudia Melisch, die unser erstes archäologisches Buch über ihre Ausgrabungen von St. Petri geschrieben hat, Manfred Funke, der das Buch zu 775-Jahre-Berlin lektoriert; Dagobert Hoebbel, der am Buch „Unter den Linden 40“ arbeitet.

Matthias Wemhoff sagte etwa : So eine richtige Vorstellung vom Herzen Berlins haben die Wenigsten. Auf einem Stadtplan von 1900 erkennt man die Dichte der Stadt. Jetzt, 2012, hat sich durch die Kriege und Nachkriegszerstörungen alles verändert, es wirkt teils wie verwüstet – die Leerflächen zwischen Marienkirche und Nikolaiviertel. All das hat nichts mit dem früheren Stadtbild zu tun. Aufgrund der autobahnähnlichen Magistralen bleibt kein Hauch der Erinnerung.

Jetzt wurden aber nach 1989 mehr als ein Dutzend Ausgrabungen vorgenommen. Zum Glück wurde erst das Regierungsviertel und die Friedrichstraße gebaut – da kehrte inzwischen etwas Besinnung ein. Weil so viel weiter in der historischen Mitte gebaut werden wird und werden soll, wird Berlin in wenigen Jahren eine der am besten untersuchten mittelalterlichen Stadtkerne vorweisen können – völlig im Gegensatz zur Situation vor zehn Jahren. Wir werden dann ein sehr differenziertes Bild haben.

Schon die Ausgrabungen bisher in Cölln – Claudia Melisch um St. Petri – zeigen die dicht bebaute Stadt mit Kirche, Schule, Rathaus, Friedhof. Die Häuser stammen von 1230 – 1245 – 1212. Hunderte vollständige Skelette wurden geborgen, ein unendlicher Schatz.

Bei den Ausgrabungen am Alten Rathaus, also direkt vor dem Roten Rathaus kam das wichtigste profane Gebäude Berlins zum Vorschein mit 36 Jochen und 24 Pfeilern – alles erhalten. Die unglaubliche Menge von 1000 Münzen wurde gefunden. Wahrscheinlich fielen sie in Ritzen, als mit Tuchen gehandelt wurde. Berlin war ein prosperiernde Stadt damals. Das soll jetzt einfach zum erheblichen Teil einem U-Bahn-Bahnhof geopfert werden. Dann sind diese Funde unwiderbringlich, endgültig, für immer verloren. 

Die Ausgrabungen sind ein Schlüssel in die Vergangenheit. Berlin gewinnt weiter an Ausstrahlung, wenn die Stadt historische Tiefe gewinnt.

Heute schon können wir sagen, dass wir am Ende dieses Jahres eigentlich nicht 775- Jahre Berlin feiern sollten, dass wir reichlich zu spät kommen, nämlich mindestens 25 Jahre. Schon 1171 ging hier  – soweit wir das jetzt beurteilen können – richtig was ab, nicht erst 1237, als Berlin erstmals erwähnt wurde.