„Unter Piraten“ erschienen

Nach der Buchvorstellung neulich (in diesem Tagebuch am 13. Juni 2012), bei der es keine Bücher gab, schien es aufgrund der Wortbeiträge von Leggewie und Bieber schon so, dass es sich um ein sehr akademisches Buch handelt. Das bestätigt sich jetzt. Gestern wurde das Buch ausgeliefert. „Unter Piraten“ trifft wirklich nicht zu. Es geht über Piraten.

Die Beiträge der insgesamt 24 Autoren (243 Seiten) sind überschrieben mit „Piraten zwischen transnationaler Bewegung und lokalem Phänomen“, „Die kulturgeschichtliche Erklärung eines Syllogismus“, „Protestkultur und Parteigründung“.

Der Beitrag, der dem tatsächlichen Leben am nächsten zu kommen scheint, heißt „Barcamps als kommunikative Treffpunkte der Internetszenerie“. Er beginnt mit dem Satz:

„Wie bei den Grünen dürfte auch für die Piratenpartei davon auszugehen sein, dass ihnen eine besondere Rekrutierungsbasis zugrunde liegt, wenngleich eine präzise Ermittlung ihrer sozialstrukturellen Verortung noch aussteht (von Gehlen 2007; Bartels 2009; Zolleis et.al. 2010; Häusler 2011; Köcher 2011).“

 Kein Vorwurf gegenüber dem Autor dieses Beitrags, aber es ist eine mir weiterhin unverständliche Notwendigkeit von universitären Arbeiten, einen Satz, in dem nichts, aber wirklich absolut nichts erkennbar Bedeutendes steht, mit fünf Quellen zu belegen.

Der Autor dieses Beitrags hat leibhaftige Piraten bei einem Treffen gesehen. Bei vielen anderen Beiträgen kann man nicht unbedingt davon ausgehen.

Claus Leggewie hat ein Nachwort von sieben Seiten geschrieben, in dem wesentliche aktuelle Diskussionspunkte aufgeworfen werden. Er lobt das „außerordentlich anpassungsfähige und innovationsfreudige“ deutsche Parteiensystem, vielleicht ein weiterer „deutscher Sonderweg“. Er tritt ein für Enteignet Facebook!

 Und er zitiert ein Urteil des Supreme Courts des obersten US-Verfassungsgerichts aus dem Jahr 1997:

Wir gehen davon aus, dass die inhaltliche Regulierung von Wort und Schrift den freien Austausch von Ideen eher behindert als unterstützt. Das Interesse, die Meinungsfreiheit in einer demokratischen Gesellschaft zu unterstützen, steht über jedem theoretischen, aber unbewiesenen Gewinn durch Zensur.“ – zit. nach NY Times 27. Juni 1997.