Und im Erdgeschoss … ?

Wir haben hier drei verschiedene Ausstellungen auf drei Etagen.“ Diesen Satz bekommt bei uns so ziemlich jeder Besucher gleich beim Einlass zu hören, und auch Anrufer, die sich erst einmal erkundigen wollen, was sie bei uns erwartet, erhalten diese Information. Allerdings interessieren sich nicht alle Besucher für alle drei Ausstellungen. Oder zumindest nicht für alle drei Ausstellungen gleichermaßen.
medizin-kleinAllgemein gesprochen lassen sich zwei große Gruppen von Besuchern unterscheiden. Den einen geht es in erster Linie darum, das Fürchten zu lernen. Diese Besucher kommen vor allem im Obergeschoss auf ihre Kosten: Wenn sie mit zitternden Knien, fliegendem Puls und Schnappatmung von dort zurückkommen, hat der Besuch sich für sie schon gelohnt. Die anderen interessieren sich hauptsächlich für die Geschichte des Bunkers und somit für die Ausstellung im Untergeschoss.

– Und im Erdgeschoss?

 

Die Ausstellung im Erdgeschoss, die unter dem Motto „Medizin in alten Zeiten“ steht, ist bisher noch ein bisschen das Stiefkind unter unseren Attraktionen. Das ist schade, denn im Grunde ist sie nicht weniger interessant als die beiden anderen. In 20 Ausstellungsräumen werden hier durch lebensgroße, zum Teil bewegliche Figuren spektakuläre Medizinszenen vergangener Jahrhunderte nachgestellt – so etwa eine Bluttransfusion von Lamm zu Mensch, wie sie der französische Arzt Jean-Baptiste Denis erstmals 1667 durchführte. So unglaublich es aus heutiger Sicht klingt: Der erste Versuch dieser Art war sogar erfolgreich, das heißt, der Patient überlebte.

Neben nachgestellten Szenen gibt es im Erdgeschoss aber auch einige echte historische Exponate zu bewundern, die aus einer privaten Sammlung übernommen wurden; dazu gehört beispielsweise das Richtbeil des letzten Henkers von Bernau. Im selben Raum sieht man einen Gipsabguss von Kopf und Händen einer jungen Frau – es soll sich dabei um Anna Maria Rosenthal handeln, die 1728 wegen Hexerei hingerichtet wurde; dies war der letzte Hexenprozess im Sauerland und einer der letzten in ganz Deutschland.

Man sieht: Jedes Ausstellungsstück, jede Szene des Rundgangs im Erdgeschoss erzählt eine eigene Geschichte, und wenn man sich erst einmal darauf einlässt, sind diese Geschichten ausgesprochen faszinierend. Wer also innerhalb von zwei Minuten durch den Rundgang rauscht, ohne nach rechts und links zu schauen, der verpasst etwas… Aber natürlich müssen wir uns auch die Frage stellen, wie man die Ausstellung für die Besucher attraktiver gestalten kann: durch bessere Anordnung der Ausstellungsstücke, effektvollere Beleuchtung, informativere Texttafeln, eventuell auch zusätzliche Soundeffekte.

Wir arbeiten daran…!

Text von: Tobias Klein

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar