Totentanz Berlin – 4. Auflage dieses wichtigen Buchs über den Zweiten Weltkrieg erschienen

Cover_Totentanz-Berlin.inddWie konnte es geschehen? Warum kämpften das Letzte Aufgebot, warum kämpften die Kindersoldaten der Nationalsozialisten, als schon alles verloren war?

Helmut Altner wird am 29. März 1945 zwei Tage nach seinem 17. Geburtstag zum Wehrdienst eingezogen. Unmittelbar nach Kriegsende schreibt der nun 18-jährige den Augenzeugenbericht vom Schlachtfeld Berlin auf. Das Buch erschien 1948, dann nie wieder, bis Tony Le Tissier es für den Berlin Story Verlag neu herausgab.

Dienstag, den 3. April 1945

… Wir marschieren Richtung Schießstand. Der Feldwebel erklärt uns, dass heute Hinrichtungen stattfinden, denen wir zusehen müssen. … Am Wagen wird die Tür geöffnet. Drei Männer in grünem Drillich sitzen auf der einen Seite, auf der anderen Seite ein grauhaariger Zivilist, der Geistliche und ein SS-Scharführer … Die Gespräche sind verstummt. Zwei SS-Männer kommen und drücken den Häftlingen noch einmal die Hand. Frühere Kameraden.

Der Feldwebel … sagt uns, dass ein Häftling morgens noch bei der Untersuchung durch den Arzt einen verzweifelten Fluchtversuch unternahm. Im Vorzimmer wurde er dann niedergeschlagen. Alle Häftlinge wurden als gesund entlassen, nun können sie erschossen werden.

Von der Kaserne rückt das schnell zusammengestellte Erschießungskommando heran. Aus allen Kompanien ist es zusammengestellt. Das Kommando ist unbeliebt, und jeder sucht sich zu drücken.

… Eine unwirkliche Stille ist eingetreten. Alles starrt auf die Gruppe der Männer, wagt kaum zu atmen … Für Sekunden hängen die Worte in der Luft. Die Verurteilten haben die Köpfe gesenkt. Der Jüngste ist 18, die anderen nicht viel älter … Sie stellen sich an den Pfahl. Zwei bleiche, gutgewachsene Jungen mit blauen Augen. Der dritte ein kleiner schmächtiger Kerl. Sie werden mit Lederstricken am Pfahl gefesselt. Die Brust wölbt sich unter dem dünnen Hemd. Noch einmal schauen sie in den hellen sonnenstrahlenden Tag. Ihre Kinderaugen saugen noch einmal die Schönheit des Morgens in sich ein, um die Erinnerung mitzunehmen in die andere Welt.

Das Kommando legt an. »Lebt wohl Kameraden!« ruft eine helle Stimme, dann senkt sich blitzend der Degen des Offiziers: »Feuer!« Plötzlich sind alle Pfähle leer. Aus dem Holz läuft Blut, als wären sie es, die getötet wurden. Der Arzt untersucht die Erschossenen. Der Kleine hebt sich noch einmal empor. Aus seinem Munde fließt Blut. Der Arzt setzt die Pistole an die Schläfe, drückt ab. Dumpf hallt der Schuss.

Helmut Altner, „Totentanz Berlin“ mehr über das Buch … mit Inhaltsverzeichnis und dem Vorwort von Tony Le Tissier, dem letzten Kommandanten des Kriegsverbrechergefängnisses Spandau, sowie einem Tagesbericht von Altner.

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