Tod in Davos, David Frankfurter und das Attentat auf Wilhelm Gustloff – Buchbesprechung

Armin Fuhrer
Tod in Davos
David Frankfurter und das Attentat auf Wilhelm Gustloff
192 Seiten, Taschenbuch, 19 Euro

 Wilhelm Gustloff, der Name kommt einem durch das Kraft-durch-Freude Schiff der Nationalsozialisten so bekannt vor, das im Januar 1945 vor der Küste Pommerns unterging. Darüber gibt es das Buch Die Todesfahrt der Wilhelm Gustloff des FOCUS-Investigationsjournalisten Armin Fuhrer und unter anderem den ZDF-Zweiteiler aus dem Jahr 2008. Im Buch geht es um den Namensgeber des versenkten Schiffes:

Am 4. Februar 1936 erschoss der 26-jährige David Frankfurter den Chef der Auslandsorganisation der NSDAP in der Schweiz, Wilhelm Gustloff. Während der Schütze nach wenigen Jahren in Vergessenheit geriet, wurden dem „Blutzeugen der Bewegung“ weihevolle Ehrungen zuteil. Nach ihm benannten die Nationalsozialisten das KdF-„Traumschiff“, das im Januar 1945 vor der Küste Pommerns unterging.

Armin Fuhrer recherchierte erstmals ausführlich diese Geschichte des Attentats auf  Gustloff. Das Buch liest sich wie ein Krimi, beim Lesen läuft der Film ab. David Frankfurter wird vorgestellt, der junge Jude, der erkannte, was auf die Welt zukam. Gustloff, der selbstgerechte Nazi. Die Tat wird exakt rekonstruiert, ebenso wie die darauf folgende Propagandaschlacht.

Fuhrer profitiert von den vielen Büchern, die er zuvor geschrieben hat, zum Beispiel über die Olympischen Spiele 1936 (erschienen beim be.bra-Verlag). Die Olympiade sollte nach dem Willen der Nazis Ausdruck von Völkerverständigung und Friedensliebe sein, da passten Ausfälle gegen Juden nicht ins Bild. Deswegen gab es als Folge des Mords an Gustloff keine Pogrome wie später, als Herschel Grynszpan 1938 in Paris den deutschen Diplomaten Ernst von Rath erschoss. Diese Tat nahmen die Nazis als Anlass für die Novemberpogrome 1938.

Fuhrer zitiert Kellerhoff zum Reichstagsbrand (erschienen beim be.bra-Verlag) und dem für die Nazis schlecht gelaufenen Prozess. Er kann dann auf sein Buch über den Kommunistenführer Thälmann kommen, bei dem die Nazis lieber ganz auf einen Prozess verzichteten, um sich nicht erneut eine Niederlage einzuhandeln.

David Frankfurter hatte sich mit seiner Erkenntnis „unbegreiflich waren mir der Mangel an Mut und Weitblick“ als viel weitsichtiger, vorausschauender erwiesen als viele Staatsmänner, Politiker und zahllose Menschen in Deutschland, schreibt Fuhrer.

Die 279 nicht auf die Nerven gehende Belegzitate zeigen, wie akribisch sich Fuhrer in Archiven mit David Frankfurter beschäftigte, der später aus der Schweiz nach Israel ausreisen konnte. Das Buch hat mir neue Erkenntnisse gebracht. Ich kannte diesen Fall gar nicht. Es ist sehr gut zu lesen. Was wäre gewesen, wenn es nur zehn oder hundert mehr mutige Menschen wie Frankfurter gegeben hätte?