Sven Felix Kellerhoff – Berlin im Krieg

Neu in der Buchhandlung – soeben erschienen.

„Berlin im Krieg“ schildert die Lage in der Reichshauptstadt vom ersten Bombenangriff bis zum Ende, vom 1. September 1939 bis zum 2. Mai 1945 – das sind 2070 Tage. Kellerhoff verarbeitet eine wahnsinnige Menge an Stoff.

Goebbels Tagebücher, Tageszeitungen aus Deutschland und aus anderen Ländern, die Berichte ausländischer Korrespondenten und Diplomaten, die Akten der Parteikanzlei, Speers Erinnerungen, die Erinnerungen russischer Soldaten.

Und vor allem die Zeitzeugenberichte der „Sammlung Kellerhoff“. Er kennt die Zeitzeugen persönlich. Deren Berichte sind gründlich ausgewertet. Hier kann man nicht sagen, „der Zeitzeuge ist der größte Feind des Historikers“, weil die Berichte einerseits im Bezugsrahmen der wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Schilderungen stehen, andererseits aber erst wirklich die Gefühle und Erlebnisse, die Ängste und mutigen Rettungsaktionen, die Spannungen in den Familien Verführungen der jungen Menschen darstellen können.

Dies alles, den Blick von außen, von innen, von oben und von unten, verwebt Sven Felix Kellerhoff zu einem einheitlichen, gut lesbaren Erzählstrang. Das ist eine phänomenale Leistung. Das machten den Historiker aus, so genau wie möglich darzustellen, wie es eigentlich war – ohne sich dabei zu verlieren.

Kellerhoff leitet sein Buch damit ein, dass er behauptet, als Journalist lerne man das eben, Geschichte und Geschichten zu verdichten. Das ist gnadenloses Understatement. Würde man das als Journalist tatsächlich lernen, würde es mehr solche Bücher geben.

Man kann die Bedeutung der Arbeit von Kellerhoff erst richtig beurteilen, wenn man sie vergleicht mit anderen Büchern, die über Kriegskinder herausgekommen sind, auch von studierten Historikern, die aber gegen „Berlin im Krieg“ einfach verblassen.

Sehr genau wird verfolgt, wie sich die Lage entwickelt. „Die Stimmung im Volk ist ruhig und gefasst, voll einer verbitterten Entschlossenheit. Uns so soll es auch belieben“, notierte Goebbels nach den ersten Bombenangriffen auf Berlin. Und das Ende beschreibt der zwölfeinhalbjährige Otto Leonhardt so: „Wir hofften, dass es keine Gruft für uns werden würde. Obwohl im Keller Schippen und Picken an der Wand hingen, glaubten wir nicht, dass wir uns selbst freibuddeln könnten.“

Dichte und Anschaulichkeit des Buchs über den Kriegsalltag in Berlin sind überwältigend, aber sie überwältigt den Leser nicht. Das Buch ist mit einigen Abbildungen versehen, ordentlich lesbar gesetzt, also nicht zu klein und im Vor- und Nachsatzblatt mit einem Pharus-Plan aus der damaligen Zeit ausgestattet.

Das Buch liegt auf dem Tisch Neuerscheinungen in der Buchhandlung. Es kann aber auch bestellt werden im WebShop der Berlin Story.

In diesem Tagebuch haben wir das Buch bereits  19. Juli 2011 angekündigt. da war es aber noch nicht fertig.

Erschienen ist das Buch bei Quadriga, das ist Buch Bastei-Lübbe.