Süssmuth — Diepgen — 25 Jahre Hauptstadtbeschluss

Eberhard Diepgen

Kellerhoff- Süssmuth - Diepgen
Kellerhoff- Süssmuth - Diepgen_2
Renate Abt
Schikora, Andreas
GörtemakerDas war die wichtigste Botschaft für uns von der Berlin Story. Sie kam von Eberhard Diepgen, Regierender Bürgermeister zur Zeit des Hauptstadtbeschlusses:

Es macht die nationale Geschichte kaputt, wenn sie in Bonn im Haus der Geschichte mit 1945 anfängt und in Berlin im Deutschen Historischen Museum auf die Zeit davor konzentriert ist.
So kann Geschichtsdarstellung nicht sein. Wasser auf unsere Mühlen.

 

Eröffnet wurde die Veranstaltung in der Akademie der Konrad Adenauer Stiftung von Renate Abt (rechts), der Programm-Chefin. Kooperationspartner ist der Berlin Story Verlag.

150 Besucher, trotz des parallel verlaufenden Spiels der Fußball EM Deutschland vs Nord-Irland (1:0 durch Gómez).

Die Initiative zum Buch mit der gesamten Debatte zur Frage, ob Parlament und Regierung nach der Wiedervereinigung nach Berlin ziehen, ging von Andreas Schikora (rechts) aus, dem Leiter der Staatlichen Münze. Die Münze gab dazu auch eine Sonderprägung heraus.

 

Wasser auf unsere Mühlen: Das Berlin Story Museum ist das einzige in Berlin, das die Geschichte der Stadt und damit zu großen Teilen auch Deutschlands in einem klaren, chronologischen, konzentrierten Strang erzählt. Deswegen erfahren wir jeden Tag so großen Zuspruch.

Was unterscheidet die Bonner Republik von der Berliner Republik, fragt Sven Felix Kellerhoff, Moderator des Abends und Leitender Redakteure für Zeitgeschichte bei der Welt N24 nach einem einleitenden Vortrag von Prof. Görtemaker, Potsdam (unten). Damals, bei der Gründung der BRD 1949 bis zum Fall der Mauer, ging der Blick zurück bis 1945. Heute, gut 25 Jahre später, hat sich die Perspektive erweitert, mindestens bis 1848, meist noch weiter zurück. Weniger kleinkariert, weniger kurzsichtig.
 
Osterweiterung der EU (und  NATO), Beschleunigung durch Digitalisierung und mehr Gewicht und Verantwortung in der Welt, das sei heute anders, sagt Diepgen.
Beim Hauptstadtbeschluss habe Frau Süssmuth, als Präsidentin des Bundestages oben sitzend, deutlich an den Gesichtern der Abgeordneten in Bonn ablesen können, dass die Rede von Schäubele den Umschwung zugunsten Berlins gebracht hat.

 
Die ganze Bundestagsdebatte ist eine Sternstunde des Parlamentarismus, deswegen haben wir das Buch gemacht. Die Rede von Schäuble pro Berlin ist die Krönung. Hier bei YouTube zu finden, 9 Minuten Demokratielehrgang, und es kommen einem die Tränen, wenn am Schluss Willy Brandt aufsteht und ihm die Hand schüttelt.
 
Jede Meinungsbefragung der Abgeordneten vorher hatte eindeutig und mit großem Abstand Bonn zum Favoriten erklärt. Diepgen: „Wir hatten die Lage genau analysiert. Die Bonn-Befürworter waren siegessicher, arrogant. Wir riefen zu einer befriedenden Lösung auf und machten viele Zugeständnisse, wir wollten die Hand ausstrecken, um noch zehn oder zwanzig schwankende Abgeordnete für uns zu gewinnen. Ich war bei der Rede fürchterlich gehemmt. In der Tasche hatte ich für die Presseerklärung danach nur einen Zettel: Dieses Ergebnis wird vor der Geschichte keinen Bestand haben. Und dann kam es anders …“

 

Rita Süssmuth verlas das Ergebnis: 320 Stimmen für Bonn, 337 für Berlin.

 

Weiterlesen: Staatliche Münze Berlin (Hg.): 25 Jahre Hauptstadtbeschluss. Alle Reden der historischen Debatte am 21. Juni 1991 im Deutschen Bundestag zum Berlin/Bonn-Gesetz. Mit aktueller Einführung und ausführlichem Anhang. 256 Seiten, fester Einband mit Lesebändchen, Preis 16,95 €