Steinmeier: Deutsche wollen ihre Ruhe haben

Steinmeier Winkler v Marschall Totale Nikolaikirche 462Frank-Walter Steinmeier sagt, 70 Prozent der Deutschen wollten ihre Ruhe haben und fänden es besser, man mische sich nicht ein. Es gäbe ein deutliches Unwohlsein bei der jüngeren Generation, sich mit den Problemen der Welt zu beschäftigen.  Das löse eine innere Abwehr aus.

 

Wir in der Berlin Story hatten früher den Anspruch, möglichst nur junge Menschen einzustellen, die sich in irgendeiner Weise gesellschaftlich engagieren. Würden wir diesem Anspruch heute gerecht, könnten wir dicht machen – mangels Mitarbeitern. Steinmeier hat Recht.

 

Der Historiker Heinrich-August Winkler, um dessen neues Buch es heute geht, meint, „Wie haben kein Recht zum Wegsehen. Es darf keine pazifistische deutsche Sondermoral geben.“

 

Winkler hat 4.600 Seiten Geschichte des Westens in zwölf Jahren geschrieben. In der fortschreitenden Globalisierung des Terrors sieht er den wahren Beginn des 21. Jahrhunderts. Tektonische Verschiebungen, so Steinmeier, erleben wir momentan, verbunden mit machtpolitischem Gestaltungsanspruch.

Im Kern geht es in Winklers Werk um das, was den Westen eint, die universellen Menschenrechte, Gewaltenteilung, repräsentative Demokratie, zuerst beschrieben in der amerikanischen Verfassung 1776 und in der französischen Revolution 1789, genau 200 Jahre vor dem Fall der Mauer.

Die Idee der universellen Menschenrechte sei damals schon ein transatlantisches Projekt gewesen, denn die Väter der amerikanischen Verfassung hatten enge Verbindungen mit den europäischen Geistern der Aufklärung.

Heute, so Winkler, wo Europa einen schrumpfenden Teil der Weltbevölkerung repräsentiere, sei das Projekt der unveräußerlichen Menschenrechte keineswegs vollendet. Der Westen gäbe sich selbst auf, würde er sich mit diesem Zustand (in Konkurrenz zu China und Arabien) abfinden.

Winkler denkt nicht nur an die UN-Deklaration der Menschenrecht von 1948, sondern an Jesus „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers – und Gott, was Gottes ist“ – eine klare Abgrenzung der Kompetenzen.