Stalingrad — 1.837 deutsche Kriegstote gefunden. Hitler ließ den Rückzug nicht zu

Hitler ließ Rückzug oder Kapitulation nicht zu. Die Generäle gehorchten dem Diktator. In dem Buch „Ich traf Hitler“ schildert Winrich Behr, wie er aus Stalingrad zu Hitler in die Wolfsschanze geschickt wurde. Das Buch mit 50 noch nicht veröffentlichten Interviews erscheint 2019 im Berlin Story Verlag.

In Stalingrad, heute Wolgograd, wurden beim Bau einer Wasserleitung die Überreste von 1.837 deutschen Soldaten gefunden. Bei der Schlacht um Stalingrad vom 23. August 1942 bis 2. Februar 1943 kamen 700.000 Menschen ums Leben. Die deutsche 6. Armee wurde vernichtet. Was der Volksbund zur Umbettung schreibt, folgt weiter unten.

Winrich Behr (gekürzt): „Ich bin aus Stalingrad heil herausgekommen, weil ich am 13. Januar auf Befehl des Generaloberst Paulus herausgeflogen wurde, um im Führerhauptquartier vor Hitler über Stalingrad Bericht zu erstatten. Es war so, dass Paulus der Meinung war, nachdem mehrere Generalstabsoffiziere und Generäle bei Hitler vergeblich versucht hatten, dem Befehlshaber dort freie Hand zu geben, vielleicht ein Frontoffizier in Panzeruniform mit Ritterkreuz geschmückt Hitler noch im letzten Moment beeindrucken könnte. Was zweifellos nicht der Fall war.

Das Treffen mit Hitler fand statt am 14. Januar 1943 in der Abendbesprechung und am 15. Januar in der Mittagslage, man nannte das ja Führerlage. Ich bin am 13. Abends aus Stalingrad herausgeflogen – mit Verzögerung in Taganrog, weil der Flugzeugführer sich die Hände erfroren hatte. Abends um sechs bin ich im Führerhauptquartier in der Wolfschanze gelandet.

Es war so, wie es mir auch schon gesagt worden war, dass mir zunächst Hitler etwa anderthalb Stunden die Lage vortrug. Er vermied es, Überbringer schlechter Nachrichten persönlich zum Vortrag kommen zu lassen. Als Hitler seinen Vortrag beendet hatte, sagte er zu mir, so Herr Hauptmann, wenn sie jetzt zum Generaloberst Paulus zurückfliegen, berichten sie ihm, was ich ihnen gesagt habe.

Und ich habe dann gebeten, das, was mir der Generaloberst Paulus aufgetragen hatte, nun auch zur Meldung vorbringen kann. Das hat Hitler anstandslos getan und mich nicht unterbrochen. Ich war beeindruckt von seinen Zwischenfragen.

Zwischenrufe gab es von den Generälen Keitel und Jodl über die Anzahl der angekommenen Verpflegungsbomben, die von Flugzeugen abgeworfen wurden. Sie unterbrachen mich: das stimmt ja nicht, es sind am Tage nicht nur so wenige, sondern soundso viele Maschinen geflogen – so dass ich sagen musste, Verzeihung Herr General, für uns zählen nicht die abgeflogenen Maschinen, sondern die Maschinen, die angekommen sind, beziehungsweise die Verpflegungsbomben, die abgeworfen sind. Ich musste auch, was Hitler sehr beeindruckt hat, beanstanden, dass diese ganzen Verpflegungsbomben mit weißen Fallschirmen abgeworfen wurden und diese weißen Fallschirme im Schnee dann natürlich sehr schnell nicht mehr zu identifizieren waren.“

Behr schildert dann ausführlich, was weiter geschah.

Der Volksbund schreibt (gekürzt) zu dem jetzt gefundenen Massengrab in Stalingrad:

„Genau an dieser Stelle im russischen Bezirk Angarskij befand sich während der Schlacht um Stalingrad eine lange Schlucht, die als Massengrab genutzt und anschließend eingeebnet wurde. Zahlreiche getötete Soldaten wurden hier zusammen mit Pferdekadavern hastig vergraben. Aufgrund der drohenden Seuchengefahr war damals Eile geboten, die unzähligen Leichen von Menschen und Tieren möglichst schnell zu entfernen. Erdlöcher, Schluchten oder auch ausgetrocknete Bachläufe wurden somit zu Massengräbern.

Der Zufallsfund in Wolgograd in dieser Größenordnung ist durchaus besonders, aber kein Einzelfall. Pro Jahr werden im ehemaligen Stalingrad durchschnittlich drei bis vier Massengräber entdeckt. Funde von einzelnen Soldaten kommen sogar heute noch monatlich in der Millionenstadt vor.

Glücklicherweise fanden sich bei den Toten am aktuell abgeschlossenen Fundort auch zahlreiche Erkennungsmarken, die für die spätere Identifizierung ungemein wichtig sind.“