Sonntag, 9. Oktober 2005

Wieder ein langer Bericht der Berliner Morgenpost über ein Produkt, das es fast nur bei uns gibt, nämlich den neuen Luftbildplan.
 
Die Leidenschaft des Verlegers Ulrich Giersch sind Luftbildpläne. Von Berlin gibt es jetzt einen in XXL
Von Sven Felix Kellerhof, Berliner Morgenpost 9.Oktober 2005
 
Wahrscheinlich kennt Berlin von oben niemand besser als Ulrich Giersch. Den Hauptstädtern aufs Dach zu schauen ist die Passion des 50jährigen. Giersch, von Beruf Verleger, faszinieren Luftbildpläne in jeder Form: Historische und aktuelle, aus Hunderten einzelner Bilder zusammenmontierte oder von Künstlern gezeichnete, Ansichten des gesamten Stadtgebiets ebenso wie Detailkarten.
 
Sein größtes Projekt ist gerade fertig geworden: Der gewaltigste einteilige Luftbildplan, den es jemals gegeben hat. Vergleichbares existiert weder für New York noch für Paris, London oder Moskau. Gedruckt wurde er in Berlin-Marienfelde auf der größten Maschine, die für derlei Produkte geeignet ist. 180 mal 125 Zentimeter oder genau 2,25 Quadratmeter mißt das Luftbild, das mehr als tausend Quadratkilometer Stadtgebiet zeigt.
 
So groß ist dieser Plan, daß er nicht per Post an Buchhandlungen verschickt werden kann – er ist daher nur an zwei Orten der Innenstadt zu kaufen: in der Buchhandlung BerlinStory Unter den Linden 40 und im Souvenirshop des Fernsehturms am Alexanderplatz.
 
Giersch verdient sein Geld mit der Produktion und dem Vertrieb von Berlin-Postkarten vornehmlich für Touristen. Die Gewinne, die er mit diesem Geschäft macht, steckt er zum großen Teil in seine Leidenschaft: die Luftbildpläne. Und hier befriedigt er nicht nur die natürliche Neugier der meisten Menschen auf aktuelle Vogelschauen, auf (beinahe) jährlich aktualisierte Aufnahmen Berlins, auf denen die Gesundung der Wunden, die die Mauer in der Stadt hinterließ, deutlich erkennbar wird.
 
Für seine modernen Luftbildkarten hat er mit Günther Hansmann von der Berliner Lithographieanstalt Licht & Tiefe ein Verfahren entwickelt, hochauflösende Großformatdias so zu einem Gesamtbild zu montieren, daß keine oder kaum häßliche Kanten oder Anschlußstellen zu entdecken sind. Mit diesem Verfahren montieren die beiden auch historische Luftbilder zu aussagekräftigen Gesamtansichten. Wer sich heute mit Berlins Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigt, findet in Gierschs Luftbildern exzellente Quellen.
 
Im Vergleich zu konkurrierenden Verlagen, die ebenfalls historische Pläne anbieten etwa zum Mauerverlauf in der Innenstadt, zeichnen sich Gierschs Pläne durch technische Perfektion und inhaltliche Kenntnis aus. Sein Mauerplan zum Beispiel zeigt das exakte Ausmaß des Sperrgebiets, die Position von Wachtürmen und Kommandobunkern. Sein dreidimensionaler Plan von Albert Speers „Germania“ läßt den Größenwahn dieses Vorhabens deutlicher werden als zahllose Modellfotografien – weil ein Luftbild darunterliegt. Nächstes derartiges Projekt ist ein Plan der Berliner „Unterwelt“, der Kanäle, Tunnel, Keller und Bunker unter dem Erdboden. Es wird die erste derartige Gesamtschau einer Großstadt überhaupt sein.
 
Seine teuer erstellte Vorlage für den XXL-Plan möchte der Verleger kommerziell verwerten – und hat für Detailausschnitte in beinahe beliebig genauer Auflösung einen Datensatz errechnen lassen. Theoretisch kann das Luftbild Berlins damit auf die Größe eines Fußballfeldes gebracht werden.
 
Subskriptionspreis 19,80 Euro, ab November 24,80 Euro
 
Die Morgenpost im Internet: www.morgenpost.de
Edition Panorama im Internet: www.panorama-berlin.de

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