Sonntag, 8. Mai 2005

60 Jahre Kriegsende, die Stadt ist grün, 10.000 Polizisten. Die Linden sind für Autos gesperrt, es ist sonnig und manchmal nieselt es ganz leicht. Was wird heute passieren? Wir hören die Polizeisirenen, wir hören die Hubschrauber, wir sehen die Menschen Unter den Linden promenieren , aber wir bekommen nur gerüchteweise von den Passanten mit, was mit den Neonazis ist. Darunter leidet vor allem Kwan aus Hong Kong. Sie hat von Neonazis gelesen, hat sie im Fernsehen gesehen und jetzt möchte sie doch so gerne einen leibhaftigen Neonazi sehen. Also hat sie mittags lange frei, um sich Richtung Alexanderplatz auf den Weg zu machen. Sie bleibt bei ziemlicher Hitze lange weg. Vor dem Laden wird es manchmal gespenstisch ruhig, keine Sirenen, keine Demo-Parolen. Dann kommt Kwan endlich zurück. „Ich habe nur Linke gesehen. Und mehrere Brezelverkäufer. Die sind in Deutschland wichtig. Wo sind denn die Nazis? Und wie viele sind in Berlin? Gibt es sie überhaupt?“ Bis zum Lustgarten ist Kwan gekommen, dann war alles dicht, die Demonstranten hatten die Brücken gesperrt, um die geplante Demo der NPD zu verhindern. Erst später erfahren wir, daß es rund 3 000 NPD-Anhänger gewesen sein sollen, daß sich 10 000 dagegen auf den Weg gemacht hatten. Kwan kann die Neonazis wieder nur im Fernsehen sehen.

Adelaide/Australien. Ein Stammkunde kommt sich verabschieden. Er war sechs Monate in Berlin, hatte hier geschäftlich zu tun, in den Tagen verläßt er Berlin. Das wollte er nicht tun, ohne noch einmal bei uns vorbeizukommen und „Tschüß“ zu sagen. Mit inzwischen ganz hervorragendem „ü“.

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