Sonntag, 28. Mai 2006

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Und wenn das Buch dann so an der Baustelle stand, fingen die Gewissensqualen an. Zugreifen? Weiter gehen? Erstmal umsehen. Wonach sieht sich jemand in so einer Situation um? Eine versteckte Kamera? Ob man beobachtet wird? Das war aber stets die erste Reaktion. Dann gab es zwei Möglichkeiten: entweder eine zerrte weiter und der andere blieb stehen oder beide bleiben stehen. „Die Frauen waren neugieriger.“ – „Quatsch, bei mir blieben erst immer die Männer stehen“ – „Am schnellsten sind die Bücher auf den Treppen des Doms verschwunden.“. Waren die Zweifel überwunden, ergab sich beim ersten Satz auf der Rückseite des Buchs gleich, daß es sich um ein Geschenk handelt. Jetzt gibt es wieder zwei Typen. Die einen (85 Prozent) reißen die transparente Folie auf und gucken nach, was sie gefunden haben. Die anderen nehmen das Buch und kommen mit dem verpackten Buch in die Berlin Story. „Was steht denn da drin?“ Tja, hm, Sie könnten es ja mal aufreißen und nachgucken. „Ich? Jetzt?“ Das klappt dann nach weiterer Ermunterung doch irgendwie. Und eine weitere Untergruppe bat an der Kasse um eine Schere, um die Seite mit dem Los richtig rausschneiden zu können. Jetzt war es nur noch ein kleiner Schritt, das Los auch auszufüllen, mit dem man einen der beiden Flüge gewinnen kann. Dann ging es noch hinter zum Café zu Silvia, wo die Lostrommel stand. Drei Möglichkeiten: Entweder schnell wieder raus aus dem Laden oder einen Kaffee trinken oder sogar den Film ansehen. Hunderte kamen. Und kurz vor Feierabend ein Herr, der im Brandenburger Tor im Raum der Stille Aufsicht führt. „Jetzt möchte ich aber gern auch mal sehen, was das für ein Buch ist. Seit heute morgen kommen Leute und haben so ein Buch in der Hand.“

Wir haben mehr verteilt als vorgesehen. Insgesamt haben sechs Teams zu jeweils zwei Verteilern jeweils vier Stunden 1200 Bücher statt der vorgesehenen 1000 unter die Leute gebracht. Und Till war im Spezialeinsatz, denn er versorgte die Busfahrer der Linien 100, 200 und TXL. Die haben sich echt gefreut. Auch die Verkäuferinnen in den umliegenden Souvenirshops haben wir versorgt. Nur auf dem Bücherfest selbst lief es heute leider nicht so gut. Ein heftiger Sturm wehte die Stände fast weg. Schon am frühen Nachmittag war überwiegend Schluß. An die letzten Standhaften verteilten wir auch hier unsere Bücher.

Die Hardcore Sucher standen allerdings schon um kurz vor zehn Uhr morgens vor der Tür um zu fragen, wo denn jetzt die Bücher versteckt sein. Das waren die einzigen, die nicht suchen mußte, sondern gleich ein Buch in die Hand gedrückt bekamen. Nachgezählt haben wir heute noch nicht, aber ganz sicher läßt sich sagen, daß wir heute mit einer Welle der Sympathie von freundlichen Menschen bedacht wurden.

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