Sonntag, 28. August 2005

Eine geführte Gruppe Amerikaner besucht uns, Gäste der Freien Universität. "Ach, da sind Sie ja", sagt der Guide. "Ich habe Ihren Film jetzt etwa fünfzigmal gesehen, bei jeder neuen Gruppe zeigen wir ihn." Wir vereinbaren, uns gelegentlich zu treffen, um die englische Version von Making of Berlin im Jahr 2006 noch besser zu machen. Das ist wirklich eine große Hilfe. So viele Menschen sehen den Film bei uns oder kaufen die DVD, daß wir alles dransetzen, wirklich etwas Gutes zu liefern.

Einen anderen Film über Berlin haben wir gestern reinbekommen. Er läuft eine Stunde, alle Sehenswürdigkeiten sind schön abgefilmt, auch manches Museum und einige Shows von innen. Es wäre prima, einen Film zu haben, den wir aus ganzem Herzen anbieten können. Aber bei diesem hier geht der Text so: "Am Pariser Platz schlägt das Herz der Hauptstadt. Hier liegt der politische und kulturelle Mittelpunkt der Spreemetropole, in der sich bedeutende Sehenswürdigkeiten dicht an dicht drängen. Wo jahrzehntelang die Mauer den freien Blick auf den Westteil der Stadt versperrte, wurde das Brandenburger Tor zum Wahrzeichen der Befreiung." Phrasen durchziehen den Film, oft haut der Text dicht daneben. Am Pariser Platz schlägt sicher nicht das Herz der Hauptstadt, hier liegt auch nicht der politische und kulturelle Mittelpunkt. Da müßte man eine andere Begrifflichkeit finden. Die Mauer war nicht tragisch, weil sie den BLICK in den Westen verstellte. Der Begriff Befreiung ist eng verbunden mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, mit Befreiung vom Faschismus. Das Ende der DDR mit diesem Begriff zu belegen, ist falsch. Hilflos und unpräzise wird kommentiert. Was tun? Wir verkaufen den Film und machen ein Schild, daß der Text nicht auszuhalten ist. Damit befreien wir uns von der Verantwortung. Oder drücken wir uns nur davor?
 

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