Sonntag, 21. September 2008

Wir haben eine Autoren-Mobbing-Abteilung, deren Aufgabe es ist, Autoren regelmäßig in immer kürzer werdenden Abständen daran zu erinnern, daß sie ihr Manuskript abgeben müssen. Ich finde die Abteilung ziemlich doof. Ich leide nämlich derzeit am heftigsten darunter. Mein Buch zur Geschichte Berlins wird einfach nicht fertig. Wir haben viele Vorbestellungen, mehr, als wir je für ein Buch hatten. Und ich komme nicht dazu, möchte es aber unbedingt selbst schreiben. Norman Bösch ist aber sehr nett und tut jetzt so, als sei das Buch für November angekündigt.
Nur ein anderer Autor wird derzeit heftig bearbeitet, den nenne ich aber hier nicht, den Armen. Nicht mehr gemobbt wird Volker Hobrack. Er hat das Buch über Gedenktafeln in Berlin abgegeben. Das war sehr viel Arbeit, weil viele daran gearbeitet haben.

Dr. Jens Schöne hatte mit dieser Abteilung gar nichts zu tun, wahrscheinlich ahnte er nicht einmal deren Existenz. Sein Buch über die friedliche Revolution in Berlin kam pünktlich, toll geschrieben, schön visualisiert, eine wahre Freude. mehrere jüngere Kollegen haben den Rohsatz gelesen. Erst eine, die begeistert war, dann weitere.

Über das Ende des Zweiten Weltkriegs in Berlin erhielten wir ein Manuskript von einem damals 17jährigen jungen Mann, einem Kind, der zum letzten Aufgebot geholt befohlen wurde. Es beginnt mit dem Abschied von der Mutter. Er bekam einen halben Tag Ausbildung an der Waffe im Oderbruch direkt an der Front, marschierte zurück nach Spandau, kroch durch die U-Bahnschächte über Leichen zum Regierungsviertel, war dort von mehreren Seiten von sowjetischen Soldaten umgeben. Er schrieb alles direkt danach auf, literarisch unglaublich anspruchsvoll. Das Buch wurde von einem der besten Kenner des Zweiten Weltkriegs und Autor vieler Bücher kurz und präzise kommentiert. Wir möchten es im nächsten Frühjahr herausbringen. Es ist ganz anders als das Buch von Rochus Misch, das von zwei Ghostwritern geschrieben wurde. Ich habe dieses Buch ja sehr positiv im vorigen Rundschreiben besprochen. Aber das neue Manuskript ist von ganz anderer Qualität. Unmittelbar. Grausam. Von 150 mit dem Autor Eingezogenen sind nach 30 Tagen noch zwei am Leben.

Fein raus ist wieder Mal Sven Felix Kellerhoff. Sein Buch „Niemand hat die Absicht …“ ist erschienen und läuft wie geschnitten Brot, weil sein Fans und Groupies schon darauf warteten. Das stellen wir jetzt den Medien vor. Kellerhoff hat 30 weitere Geschichten zur Berlin-Geschichte durch alle Zeiten geschrieben. Bei Propyläen kam sein Buch über Tunnelfluchten raus (mit Dietmar Arnold) und im Druck ist bereits das Buch über die Kristallnacht.

Das Buch über den Fernsehturm mit brillanten Fotos von Karl Heinz Kraemer vom Bau bis heute hat jetzt auch einen Autor, Lothar Heinke. Nichts, aber auch gar nichts könnte besser zusammenpassen, als dieser Fotograf und dieser Autor. Wir freuen uns alle auf das Werk, das aber noch nicht in den nächsten Tagen erscheint. Angekündigt ist es für Dezember, aber wenn es später kommt ist auch gut. Der Fernsehturm hat erst im nächsten Herbst Geburtstag. Das Buch wird ein Dauerläufer.

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