Sonntag, 12. März 2006

Heute berichtet Lothar Heinke im Tagespiegel, wie wir einmal ein Buch geplant haben, das dann sozusagen im Teltow-Kanal baden ging. Den Geldschrank, in dem sich viel von dem Material befand, kann in der Buchhandlung besichtigt werden, nicht aber der Inhalt des Geldschranks – entgegen einer Bildunterschrift im Tagespiegel. Zeitgleich erschien heute über das Buch von Bettina Röhl ein Beitrag von Hans-Joachim Noack über drei Seiten im Spiegel (Spiegel 13, 13.3.2006, S. 46 ff), zusätzlich eine Seite Text aus dem Buch von Bettina Röhl www.bettinaroehl.de , das in der kommenden Woche bei der Europäischen Verlagsanstalt http://eva.juni.com/eva/ erscheint.
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Corpus delicti. Zwei Jahre lang lag dieser Geldschrank im Teltowkanal.„So macht Kommunismus Spaß! Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret“, ein „ebenso umfängliches wie in seiner Komplexität ambitioniertes Werk“ (Noack). Bei www.Spiegel.de kann man die Seiten als E-Paper sehen, aber nicht lesen. Das Buch erscheint in der kommenden Woche, hat 684 Seiten mit 48 Seiten Abbildungen und kostet 29.89 Euro.Die Wiederentdeckung der Meinhof
Vor zwei Jahren stahlen Diebe aus der Buchhandlung Berlin Story einen Tresor. Inhalt: Fotos der bekanntesten RAF-Terroristin Sie sollten eine neue Biographie illustrieren. Jetzt wurde der Panzerschrank im Teltowkanal gefunden – die meisten Bilder sind erhalten

Von Lothar Heinke
„Irgendwann sehen wir ihn wieder“, sagten die Beamten vom Landeskriminalamt frohgemut. „Entweder er liegt irgendwo im Wald oder im Wasser.“ Sie sollten Recht behalten.
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Lothar Heinke berichtet heute im Tagespiegel über den Fund des Geldschranks.Das Corpus delicti wurde vor ein paar Tagen im Zusammenhang mit dem Fund einer Bombe auf dem Grunde des Teltowkanals nahe der Komturbrücke in Tempelhof geortet und triefend an Land gehievt. Der vermeintliche Besitzer eilt in ein Depot, wo er sein Eigentum identifizieren soll. „Es sieht dort aus wie in einer Filmkulisse – ein ganzes Arsenal voller lädierter Geldschränke.“ Der Buchhändler und Verleger Wieland Giebel hatte seinen Verlust längst abgeschrieben. Nun steht er vor dem Hauptzeugen einer mysteriösen Geschichte.

In einer Nacht im Mai 2004 wurde in Giebels Buchhandlung „Berlin Story“ eingebrochen. Das für seine große Auswahl an Berlin-Literatur bekannte Geschäft befand sich damals noch Unter den Linden, Ecke Charlottenstraße, im Haus, wo 1951 Walter Pannewitz und seine Bande den Tresor der Eisenbahnverkehrskasse geknackt und eine Millionenbeute gemacht hatten. Nun wiederholte sich der „Bruch“, die Täter bugsierten den ganzen Tresor aus dem Laden und gingen nach Ansicht der Polizei „absolut professionell“ zu Werke. Waren es jene beiden Männer um die dreißig, „sportlich und gepflegt“, die da kurz vor Ladenschluß eine halbe Stunde lang spähend umherliefen, so dass Giebels Crew „irgendwie ein mulmiges Gefühl“ beschlich? Die Polizei tappt im Dunkeln, Giebels Belohnung von 1500 Euro will niemand haben.

Statt dessen gibt es vier Tage nach dem Tresor-Verlust eine neue Aufregung: Unbekannte kippen dreist im Büro von Berlin Story eine doppelte Gipswand um und stehlen einen Laptop. „Bei uns wurde noch nie eingebrochen, und nun gleich zweimal hintereinander“, sagt Wieland Giebel. Und die Polizei spricht von einem Fall für einen Kino-Krimi.

Denn um Geld allein kann es den Tätern nicht gegangen sein. Statt der vermuteten Wochenend-Einnahmen erbeuten sie 1350 Euro Wechselgeld. Aber da ist noch etwas: Wieland Giebels Verlag wollte ein Buch über die Journalistin und Terroristin Ulrike Meinhof veröffentlichen. Im gestohlenen Stahlschrank lag ein Familienalbum mit Original-Fotos von Ulrike Meinhof und ihrem Mann Klaus Rainer Röhl. Die Bilder sollten am nächsten Morgen gescannt werden, und im Laptop steckte das komplette Buchmanuskript. Autorin ist Bettina Röhl, die 1962 geborene Tochter der beiden. „Ich fand das Manuskript sehr interessant und habe es mit Spannung gelesen“, sagt Giebel, wenngleich über die vom Verlag lektorierte Fassung keine Einigkeit erzielt werden konnte, so dass beide Seiten im August 2004 den Vertrag kündigten und Giebel 5000 Euro „Schmerzensgeld“ für den Verlust des privaten Fotoalbums an die Meinhof-Tochter zahlte.

Vom Text gab es eine Kopie. Er ist ein Zeitbild jener Jahre, in denen die RAF und die 68er Jugend- und Studentenrevolten Schlagzeilen machten und die Zeitschrift „konkret“ die Bundesrepublik aufmischen wollte. Sie war, wie Teile der Opposition jener Jahre, von der DDR-Staatssicherheit gesteuert, und so gibt es manche Vermutung darüber, wer ein Interesse an dem Inhalt von Laptop und Tresor gehabt haben könnte. Stasi-Leute? Der Verfassungsschutz? BKA? CIA? Jemand, der genau wissen wollte, was da drin steht?Er wird es nachlesen können, wenn er dafür 29,80 Euro zahlt: Bettina Röhls Buch erscheint jetzt in der Europäischen Verlagsanstalt unter dem Titel „So macht Kommunismus Spaß!“. Der Verlag sagt, es sei „die „authentischste Biographie Ulrike Meinhofs“ und ein Gesellschaftsporträt der fünfziger und sechziger Jahre. 600 Seiten stark, mit 100 Abbildungen.

Das Fotoalbum aus dem Tresor ist verschollen, aber einzelne Bilder und Dokumente sind noch da. Sie waren offenbar für die Diebe nicht interessant und haben die Tortur eines 21-monatigen Aufenthalts im Landwehrkanal gut überstanden – in Plastikhüllen.
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Im Spiegel von heute sind vier Seiten über das Buch von Bettina Röhl.Ein Foto zeigt die beiden Hauptakteure auf zwei Kamelen reitend beim Urlaub am Goldstrand in Bulgarien 1961, sogar eine Postkarte kann noch entziffert werden. Und auf einem Foto spielt Ulrike Meinhof mit ihrem Stasi-Führungsoffizier von damals Tennis. Frau Meinhof starb 1976 im Gefängnis, der Mann lebt heute in Wuppertal.

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