Sonnabend, 9. September 2006

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Was hier so friedlich wirkt, hat einen brutalen Hintergrund, gleich doppelt. Die auf dem Foto links zu sehende Stele erinnert an die Luisenstadtkirche, die 1945 zerbombt wurde und deren Reste für die Mauer geräumt wurden. An der Ecke Alte Jakobstraße/Sebastianstraße stand seit 1695 die erste Holzkirche, die 1802 zur Luisenstadtkirche wurde. Sie wurde am 3. Februar 1945 zerbombt. 50 Menschen starben beim größten Luftangriff auf Berlin („Als die Tage zu Nächten wurden“, Berlin Story Verlag) darunter viele Kinder, die in den Kellerräumen Schutz gesucht hatten. 1964 wurden die Ruinen der Kirche vollständig abgeräumt, um freies Schußfeld zu schaffen. Sie befanden sich auf dem Mauerstreifen.

Die Stele wurde im Jahr 2001 vom Bürgerverein Luisenstadt geplant und finanziert. Sie erinnert an die Toten aus dem Zweiten Weltkrieg, aber auch an Menschen, die auf dem Luisenstädtischen Kirchhof bestattet wurden. Der Komponist und Organist Wilhelm Friedemann Bach (1719-1784), der Schriftsteller und Verleger Friedrich Nicolai (1733-1811) und Karl Gottlieb Svarez, der Juristen und Vater des Preußischen Allgemeinen Landrechts (1746-1798). Die Gräber wurden mit dem Bau der Mauer eingeebnet.

Hier auf dem Bild gedenkt Volker Hobrack dieser Situation, der Vorsitzende des Bürgervereins Luisenstadt. Es spielt das Ensemble des Freundeskreises Wilhelm Friedemann Bach. Anwohner halten die Stele sauber – auf eigene Initiative hin.

Im Inforadio- des RBB berichtet Harald Asel heute über die Historiale und das Berliner Lindenblatt. „Umgeschichtet“, die wöchentliche Geschichtssendung, kommt immer am Sonnabend um 13.25 und 21.25 Uhr sowie am Sonntag um 2.25 Uhr.
Historiale Berlin – Das Geschichtsfestival
Die Erinnerungen an 1806 werden dieses Jahr an vielen Stellen wachgerufen. So sind historisch korrekte Nachstellungen der großen Schlachten geplant, in Sachsen und Thüringen im Oktober mit bis zu 20 000 Teilnehmern. Und der Durchgang durchs Brandenburger Tor, von Napoleon Bonaparte propagandistisch ins Szene gesetzt wird am Wochenende des 27./28./29. Oktobers auch Anlaß sein für die Historiale, einer Initiative von Wieland Giebel, dem Verleger des Berlin Story Verlages. Er wünscht sich in Zukunft jedes Jahr im Herbst in Berlin ein großes Geschichtsfestival, das Experten und interessierte Laien zusammenbringt.
Berliner Lindenblatt
Ebenfalls im Berlin Story Verlag erscheint seit diesem Wochenende eine Zeitung, die sich mit Berliner Geschichte befaßt, das Berliner Lindenblatt. Die erste Ausgabe umfaßt 16 Seiten, kommt auf der Titelseite wie ein Boulevardblatt daher, mit Mata Hari als Pin up Girl und will Unterhaltsames, aber auch Hintergründiges zur Geschichte für einen breiten Leserkreis aufarbeiten. Die Redakteurin Gerhild Komander sprach mit Harald Asel über ihr Projekt gesprochen. Das "Berliner Lindenblatt" erscheint monatlich erhältlich, im Handverkauf (zum Beispiel an diesem Wochenende beim Tag des offenen Denkmals), aber auch an Kiosken und in Buchhandlungen.
Das Interview mit Gerhild Komander zum Hören finden Sie auf den Seiten des rbb.

David Rollik schrieb gleich nach unserer Pressekonferenz am 7. September 2006 für ddp:
Zeitung für Geschichte. Wenn Berliner und Hauptstadt-Besucher mit S- und U-Bahn durch die Metropole brausen, dann lesen sie häufig Tageszeitungen oder Bücher. Wieland Giebel will das ändern. Seine Wunschvorstellung: zukünftig sollen sie in den Bahnen regelmäßig auch zum «Berliner Lindenblatt» greifen und Spannendes, Interessantes und Wissenswertes über die Geschichte Berlins erfahren. Zusammen mit der Historikerin Gerhild Komander hat Giebel die Monatszeitung gegründet, deren Themen sich ausschließlich um die Geschichte der Stadt drehen. Am Samstag wird sie erstmals verkauft.

Die Idee hätten sie unabhängig voneinander schon länger mit sich herumgetragen, sagt Giebel. Im Frühjahr dann hätten sie schließlich darüber gesprochen und sofort mit der Umsetzung begonnen. «Denn so etwas gibt es einfach noch nicht», ergänzt Komander. «So etwas», das sind hinter einem «boulevardesken Titelblatt», informative Geschichten, Veranstaltungshinweise, Buch- und Ausstellungsbesprechungen – immer mit Bezug zur Stadt und deren Vergangenheit.

In der Erstausgabe werden so unter anderem der Schillerpark in Wedding und der Star-Photograph Martin Munkácsi portraitiert, die Vergangenheit des Admiralspalastes beleuchtet und Köpenick mit seinem Heimatmuseum vorgestellt. Der Leser erfährt darüber hinaus, dass Mata Hari einige Monate in der Nachodstraße in Wilmersdorf lebte und wie Friedrich der Große sein eigenes Volk mit falschen Münzen betrog.

Aber auch Leser sollen sich in der zunächst 16 Seiten umfassenden Zeitung einbringen: mit Geschichten und Bildern zu ihrem Kiez. Den Anfang macht Uwe Loleit, der sich an Umbauarbeiten in der Spandauer Wilhelmstraße 1963 erinnert.

Erhältlich ist das «Berliner Lindenblatt» für 1,50 Euro an vielen Kiosken, in Museumsshops und Buchläden. Eine klar definierte Zielgruppe haben die Macher nicht vor Augen. Die Zeitung soll vor allem nicht-wissenschaftliche Leser ansprechen, Ältere, die sich für die Geschichte ihrer Stadt interessieren, ebenso wie Junge, die die Geschichte erst entdecken.

Das «Berliner Lindenblatt» startet zunächst mit einer Auflage von 12 000 Exemplaren. «Da ist aber noch mehr möglich», sagt Giebel, auch bei der Seitenzahl. Spätestens, wenn es zur regelmäßigen U- und S-Bahn-Lektüre geworden ist.
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Angelina und Antonella (Foto von Bernd Oertwig). Handynummern geben wir nicht raus.
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Die ersten von über 30 jungen Leuten, die seit heute morgen 9 Uhr das Berliner Lindenblatt am Tag des Offnen Denkmals verkaufen. Auf den Pullovern steht: „Berliner Lindenblatt, die Zeitung für Berliner Geschichte“. Jetzt wollen die Mitarbeiterinnen in der Berlin Story auch diese Sweat-Shirts, nicht mit Berlin Story, sondern mit „Lindenblatt“ drauf. Und Volker Hobrack von der Historiale fragt, ob wir noch eins in seiner Größe übrig haben.

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